Sicherheit, Angst und die große Rechnung der AfD
Wir leben jetzt gerade in einem Land, wo sich Bürger nicht sicher fühlen. Mit diesem Satz beschreibt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, die aktuelle Situation in Sachsen-Anhalt, aus seiner Sicht.
Er verspricht, Deutschland wieder sicherer zu machen. Doch hier sollte man genauer hinschauen.
Denn zwischen dem berechtigten Wunsch nach Sicherheit und der Behauptung, Deutschland sei grundsätzlich unsicher geworden, liegt ein erheblicher Unterschied.
Siegmund arbeitet politisch mit einem Gefühl, das viele Menschen kennen: Unsicherheit. Und dieses Gefühl ist politisch ausgesprochen wirkungsvoll. Wer Angst hat, sucht nach einfachen Erklärungen – und nach einfachen Lösungen. Die AfD liefert beides.
Da sind die Ausländer, die Migration, die angeblich verschwendeten Milliarden, das Geld für die Ukraine und die Behauptung, Deutschland kümmere sich mehr um andere Länder als um die eigenen Bürger. Siegmund sagt sinngemäß: Wir hätten das Geld, wenn wir es nur nicht woanders ausgeben würden.
Das klingt wunderbar einfach. Ist es aber nicht. Denn auch die AfD muss irgendwann erklären, was ihre rechte Politik tatsächlich kostet. Und genau da wird es interessant.
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt untersucht. Das Ergebnis ist bemerkenswert. Nach Berechnungen des IWH entsteht bei Umsetzung der AfD-Vorhaben eine Finanzierungslücke von rund 2,2 Milliarden Euro jährlich. Das ist eine Zahl, die man sich einmal vor Augen führen sollte. Denn die AfD verspricht gleichzeitig geringere Steuern, niedrigere Belastungen, weniger Staat, weniger Ausgaben, keine Schulden und mehr Leistungen für die Bürger*innen.
Nur: Irgendjemand muss diese Rechnung bezahlen. Und genau deshalb sollte man sich im Wahlkampf nicht nur anhören, was gestrichen werden soll. Man sollte auch fragen, was woher kommt. Wo wird gespart?
Wie können wir in unserer Demokratie, folgende, lebensnotwendige Investitionen finanzieren und sichern:
✅ Polizei und Justiz
✅ Kommunen
✅ Schulen
✅ Krankenhäuser
✅ soziale Einrichtungen
✅ Sozialleistungen
✅ Mietwohnungen
✅ nötige Investitionen
✅ Infrastruktur
Die Reihenfolge ist keine Rangliste.
Man darf gespannt sein, ob die AfD in der Lage ist, einen Landeshaushalt - ohne Schulden - entsprechend ihrer im Wahlprogramm veröffentlichen Maßnahmen zu erstellen.
Sicherheit ist eine staatliche Aufgabe
Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass man möglichst viel Angst vor dem Fremden erzeugt.
Sicherheit entsteht durch gut ausgestattete Polizei, funktionierende Justiz, Prävention, soziale Stabilität und einen Staat, der seine Aufgaben ernst nimmt.
Wer dagegen ständig den Eindruck vermittelt, Deutschland sei praktisch nicht mehr sicher, trägt selbst dazu bei, dass Menschen sich unsicher fühlen. Angst ist nämlich nicht dasselbe wie Gefahr.
Und genau deshalb sollten wir im Wahlkampf sehr genau hinhören. Wenn jemand sagt: „Die Menschen fühlen sich nicht sicher“, dann ist die nächste Frage nicht: „Was können wir alles dafür streichen?“
Die nächste Frage lautet: „Was sind die Fakten – und wie sieht die Lösung konkret aus?“
Ulrich Siegmund verspricht ein sichereres Deutschland und einen Staat, der sein Geld wieder für die eigenen Bürger ausgibt. Das klingt gut. Jetzt muss die AfD nur noch erklären, wie sie ihre eigenen Wahlversprechen finanziert. Denn eines gilt auch in der Politik:
Wer große Versprechen macht, sollte irgendwann die Rechnung vorlegen.
Fazit
Aus der staatlichen Finanzierung der Partei hat sich ein Widerspruch entwickelt. Einerseits gibt der Staat viel Geld im Kampf gegen den Rechtsextremismus aus. Gleichzeitig wird aber eine rechtsorientierte Partei (AfD) wesentlich aus Steuergeldern finanziert.
Parteien und Personen, die von unserem demokratischen System profitieren und finanziert werden, es aber gleichzeitig zerstören wollen, müssen mit allen zur Verfügung stehenden, rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft werden. Nur so ist es möglich, dass braunes Gedankengut sich nicht noch mehr in der Mitte der Gesellschaft ausbreitet.
Je passiver der Staat und die Politik reagieren, desto mehr sind demokratische Bürger*innen gefordert, sich gegen den braunen Mob zu positionieren. Die entscheidende Frage ist: Was will die AfD und welche Auswirkungen hat eine AfD-Wahl auf unsere demokratische Gesellschaft.
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Wahl in Sachsen-Anhalt am 06.09.2026
Die AfD erhält immer dann Zulauf, wenn gesellschaftliche oder politische Probleme von vielen demokratischen Politiker*innen unterschätzt oder verdrängt werden - so wie aktuell die Klimapolitik der Bundesregierung.
Der Gedanke, dass die AfD, nach der Wahl im September 2026 die Landesregierung von Sachsen-Anhalt übernehmen kann, erzeugt bei jedem aufrechten Demokraten ungute Gefühle und Erinnerung an schlimme, historische Zeiten.
Hätte die AfD doch als Regierungspartei dann direkten Einfluss auf die Landespolitik - und Gestaltungsmöglichkeiten in ihrem Sinne für:
✅ Bildungs- und Schulpolitik (Lehrpläne, Schulformen)
✅ Polizeigesetze und Personalpolitik im Landesverfassungsschutz
✅ Kommunalaufsicht und Kulturförderung
✅ Besetzung von Spitzenposten in der Landesverwaltung
Die aktuelle Umfragelage (Stand Sommer 2026), sah die AfD in Sachsen-Anhalt zuletzt bei über 42 Prozent – dem bisher höchsten für die Partei in Sachsen Anhalt gemessenen Wert, deutlich vor CDU, Linke, BSW, und SPD.
Das würde die aktuelle Mehrheitslage und Bildung demokratisch gesinnter Koalitionen weiter verschärfen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Wahlumfragen sind Momentaufnahmen und keine Vorhersage eines Wahlergebnisses.
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Die Diskussion,
über ein mögliches AfD-Verbot beschäftigt viele demokratisch gesinnte Menschen.
Nicht, dass man diese Frage schnell mit einem „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Im Gegenteil. Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr kommt man zu dem Schluss, dass wir uns mit einer der schwierigsten Fragen unserer Demokratie beschäftigen:
Wie weit darf eine Demokratie gehen, um sich selbst zu schützen?
Und noch wichtiger! Ab wann gefährdet sie sich selbst, wenn sie nur zuschaut oder dabei zu weit geht? Das Parteiverbot ist kein politisches Radiergummi.
Fangen wir mit dem an, was eigentlich klar sein sollte:
Eine Partei kann in Deutschland nicht einfach verboten werden, weil sie einer Regierung nicht gefällt. Nicht, weil sie schlechte Politik macht. Auch nicht, weil sie provoziert. Und schon gar nicht, weil sie viele Menschen wählen.
Es darf nicht heißen,
diese Partei gefällt uns nicht, also schaffen wir sie ab. Denn dann hätten wir ein Problem. Ein ziemlich großes sogar. Aber muss eine Demokratie alles aushalten? Darf sie Parteien und Bewegungen unbegrenzt gewähren lassen, wenn diese selbst die demokratische Ordnung abschaffen wollen? Nein!!!
Und wenn diejenigen, die die Demokratie abschaffen wollen, demokratische Mittel nutzen, um genau dieses Ziel zu erreichen, dann darf man diese Frage nicht einfach ignorieren.
Denn eine Demokratie, die sich rechtsstaatlich nicht gegen ihre Feinde verteidigen kann, ist nicht mehr wehrhaft und unglaubwürdig.
Wenn es ernsthafte Anhaltspunkte dafür gibt,
dass die rechtlichen und antidemokratischen Voraussetzungen für ein Parteiverbot erfüllt sein könnten, dann sollte es über ein entsprechendes Verfahren des Bundesverfassungsgerichtes (BVG) geprüft werden und gegebenenfalls ein Verbot ausgesprochen werden. Darüber sollte der Rechtsstaat entscheiden. Und wenn das BVG am Ende sagt: Die Voraussetzungen für ein Verbot sind nicht erfüllt, dann muss auch das akzeptiert werden. So funktioniert Demokratie.
Wir reden sehr viel darüber, ob die AfD eine Gefahr für unsere Demokratie sein könnte. Das ist eine wichtige Frage. Aber vielleicht sollten wir uns gleichzeitig fragen: Wie gehen wir eigentlich selbst mit Demokratie um?
Können wir noch zuhören, wenn jemand anderer Meinung ist? Können wir politische Gegner kritisieren, ohne sie zu entmenschlichen?
Demokratie muss auch dann funktionieren, wenn wir eine Wahl verlieren. Das ist manchmal bitter. Aber das ist Demokratie. Eine Demokratie muss sich verteidigen können. Sie muss ihre Verfassung schützen, muss dort Grenzen setzen, wo die Grundlagen unseres Zusammenlebens tatsächlich angegriffen werden.
Aber sie muss dabei rechtsstaatlich bleiben. Genau darin liegt die Herausforderung.
Wir dürfen nicht aus Angst vor einer Partei unsere eigenen demokratischen Prinzipien aufgeben.
Auch aus falsch verstandener Toleranz dürfen wir diejenigen nicht gewähren lassen, die genau diese Prinzipien abschaffen wollen. Die Grenze ist schwierig. Aber genau deshalb gibt es Gerichte, Verfassungen und rechtsstaatliche Verfahren.
Fazit
Sind die rechtsstaatlichen Voraussetzungen gegeben, muss eine Partei am demokratischen Wettbewerb teilnehmen dürfen.
Die Diskussion zur Sache selbst, kann nur über Argumente und Fakten stattfinden. Denn am Ende geht es ausschließlich um eine Frage, die weit über die AfD hinausgeht: Wie viel Freiheit muss eine Demokratie ihren Gegnern zugestehen – und wann muss sie was unternehmen, um die Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen?
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Pläne der Bundesregierung
Als bekannt wurde, dass die Bundesregierung das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) massiv beschneiden will, war der Aufschrei groß.
Wie ein interner Vermerk des Bundesinnenministeriums (BMI) belegt, will Dobrindt laufende Gesetzgebungsverfahren vollständig vom IFG ausnehmen. Im Klartext bedeutet das, der stetig wachsende Lobbyeinfluss auf unsere Gesetze bliebe zukünftig vollständig im Dunkeln. Jetzt zeigt sich: Die Pläne von Innenminister Dobrindt, sind gleichzusetzen mit einer Entmündigung der (auch seiner) Wähler*innen!
Außerdem will Dobrindt die Bundesbeauftragte für die Informationsfreiheit abschaffen. Diese Stelle kontrolliert aktuell die Einhaltung des IFG und unterstützt Antragsteller*innen, die sich in ihren Auskunftsrechten verletzt sehen.
Keine Akteneinsicht und kein Zugang
Und Dobrindt will sogar noch weitergehen: Journalist*innen und Abgeordnete*innen soll der Zugang zu amtlichen Informationen und Akteneinsicht nach dem IFG zukünftig vollständig versperrt werden.
Bürger:innen, die zukünftig einen IFG-Antrag stellen, müssen darüber hinaus nicht nur mit hohen Gebühren rechnen – für sie soll auch eine Pflicht zur Identifizierung gelten.
Widerstand und erste Erfolge
Seitdem der Angriff auf das IFG Anfang Juli erstmals bekannt geworden ist, hat sich großer Widerstand formiert. In kürzester Zeit haben über 600.000 Menschen eine Petition unterschrieben – mehr als 130 zivilgesellschaftliche Organisationen haben sich in einem Bündnis zusammengeschlossen und sich mit einem von „Abgeordnetenwatch“ verfassten offenen Brief an die Bundesregierung gewandt.
In zahlreichen Gesprächen mit Politiker*innen, wurde sich immer wieder für eine Rettung des IFG ausgesprochen – wie sich nun zeigt, nicht ohne Wirkung. So haben sich mittlerweile auch mehrere prominente SPD-Politiker*innen klar gegen die Pläne aus dem Innenministerium positioniert.
Der beispiellose Angriff auf die Informationsrechte aller Bürger*innen macht fassungslos und zieht immer weitere Kreise. Auch die investigative Recherchearbeit ist gerade in großer Gefahr – zahlreiche Lobbyskandale, die entsprechende Institute aufgedeckt haben, wären ohne das IFG geheim geblieben! Jetzt nicht nachlassen!
Fazit
Die gute Nachricht ist: Als Gesellschaft sind wir nicht hilflos – im Gegenteil - in den vergangenen Tagen distanzieren sich immer größere Teile des Koalitionspartners SPD von diesem Vorhaben. Der öffentliche Druck wirkt. Jetzt – auf keinen Fall nachlassen.
Herr Spahn ist zurückgetreten, zumindest zeigt er noch Haltung.
Trotzdem blicken viele überzeugte Demokrat*innen, mit Sorge auf die bundesweite Entwicklung der AfD.
Sie befürchten, dass die Spahn-Debatte, die politische Polarisierung weiter verschärfen und extremen Kräften zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen könnte.
Welche Auswirkungen es letztlich auf die aktuelle Politik und unser demokratisches System haben wird, wird uns die Realität zeigen.
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Das AfD-Grundsatzprogramm, ist ein Wolf im Schafsfell. Wer nur das Inhaltsverzeichnis liest, könnte tatsächlich glauben, es mit einer modernen, liberalen und freiheitlichen Partei zu tun zu haben. Doch hinter den wohlklingenden Überschriften verbirgt sich eine Politik, die mit diesem Anspruch wenig gemein hat.
Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich massive Widersprüche. So will die AfD das individuelle Grundrecht auf Asyl, das in unserer Verfassung einen besonderen Schutz genießt, durch ein einfaches Asylgesetz ersetzen. Damit würde ein zentraler Bestandteil des Grundrechtsschutzes dem politischen Tagesgeschäft und wechselnden Mehrheiten ausgeliefert.
Auch der sogenannte Dexit,
also der Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union, wird in der AfD zumindest als politische Option immer wieder ins Spiel gebracht. Ein solcher Schritt würde nicht nur Deutschlands wirtschaftliche und politische Stellung in Europa und der Welt massiv schwächen, sondern stünde auch im krassen Gegensatz zu einem modernen Verständnis von Freiheit, Offenheit und und speziell europäischer Zusammenarbeit.
Das ist der eigentliche Widerspruch zum AfD-Grundsatzprogramm: Es schmückt sich mit Begriffen wie Freiheit, Demokratie und Liberalismus, während die konkreten politischen Forderungen, zentrale Errungenschaften unserer freiheitlichen und demokratischen Ordnung infrage stellen.
Wer genauer hinsieht, erkennt deshalb: Die AfD ist keine moderne liberale Partei. Sie versucht vielmehr, sich mit liberal klingenden Begriffen ein bürgerliches Mäntelchen umzuhängen, während sie gleichzeitig Grundrechte beschneiden, europäische Zusammenarbeit infrage stellen und gesellschaftliche Abschottung vorantreiben will. Das ist kein Liberalismus – es ist politische Tarnung.
Fazit
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass durch die Politik der AfD sozialer Frieden und Wohlstand infrage gestellt werden. Viele der erreichten, sozialen Sicherungssysteme und europäischen Allianzen stellt die AfD in Frage.
Speziell beim Verhältnis zur EU zeigt sich das Prinzip der sprachlichen AfD-Tarnung: Ein Austritt wird nicht direkt gefordert, sondern nur als Konsequenz formuliert:
„Sollten sich unsere grundlegenden Reformansätze nicht verwirklichen lassen“ – verklausuliert in der Form und Substanz aber eine klare Abkehr von der europäischen Integration.
Gerade diese Formulierung ist bezeichnend: Sie verschiebt die Verantwortung für einen möglichen Austritt scheinbar auf die EU selbst, während das eigentliche Ziel unausgesprochen bleibt.
Auf einem einfachen Nenner gebracht: Viele AfD-Wähler*innen schaden sich selbst.
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Es geht hier um den CDU-Spitzenpolitiker – nicht um den Menschen Jens Spahn.
Man sollte meinen, Politiker denken und handeln bei ihren Planungen vorausschauend. Bei dem Politiker Jens Spahn war das aus Sicht vieler Beobachter – bei der von ihm initiierten Leihmutterschaft – kommunikativ nicht der Fall.
Erschwerend kommt hinzu, dass seine Partei (CDU) die Leihmutterschaft ablehnt, da sie nicht dem deutschen Recht vereinbar ist.
Umso wahrscheinlicher ist es, dass im Umkehrschluss, die AfD versuchen wird, Herrn Spahns Offenlegung zu seiner Leihmutterschaft, politisch für sich zu nutzen und zu instrumentalisieren.
Man darf sich sicher sein, dass für die kommenden Wahlen, das Thema Leihmutterschaft und Jens Spahn, von der AfD dankend aufgriffen wird.
Weitere Stimmengewinne - der AfD - für die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind voraussehbar. Das nennt man „vorausschauendes Denken.“
Fazit
Herr Spahn ist zurückgetreten, zumindest zeigt er noch Haltung.
Trotzdem blicken viele überzeugte Demokrat*innen, mit Sorge auf die bundesweite Entwicklung der AfD. Sie befürchten, dass die Spahn-Debatte, die politische Polarisierung weiter verschärfen und extremen Kräften zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen könnte.
Welche Auswirkungen es letztlich auf die aktuelle Politik und unser demokratisches System haben wird, wird uns die Realität zeigen.
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hat sich grundlegend verändert. Der russische Angriff auf die Ukraine hat gezeigt, dass Frieden nicht selbstverständlich ist. Daraus folgt für viele die Überzeugung, dass Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit deutlich stärken muss. Ein Staat trägt schließlich auch Verantwortung für die Sicherheit seiner Bürger*innen und seiner Bündnispartner*innen
Dennoch lohnt es sich, genau hinzuhören, wenn Politiker von „Kriegstüchtigkeit“ sprechen. Sprache prägt Denken. Zwischen einer notwendigen Verteidigungsfähigkeit und einer Sprache, die Krieg als Normalität erscheinen lässt, besteht ein Unterschied. Deshalb sollte darüber offen diskutiert werden, welche Begriffe wir verwenden und welche politischen Ziele wir damit verbinden.
Fest steht,
öffentliche Mittel sind begrenzt. Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Deshalb stellt sich nicht die Frage, ob Sicherheit oder sozialer Zusammenhalt wichtig sind – beides ist für einen funktionierenden Staat unverzichtbar. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die richtige Balance zu finden.
Fazit
Wenn hohe Summen für Verteidigung bereitgestellt werden, ist es rechtens zu fragen, ob gleichzeitig ausreichend in Bildung, Pflege, Krankenhäuser, Infrastruktur und Familien investiert wird. Ebenso ist es legitim, darauf hinzuweisen, dass eine glaubwürdige Verteidigung angesichts der aktuellen Bedrohungslage ihren Preis hat.
Gesellschaften verändern sich nicht allein durch Gesetze, sondern auch durch Worte. Deshalb sollten politische Debatten nicht den Eindruck erwecken, bestimmte Ausgaben seien alternativlos, während andere als bloßer Kostenfaktor erscheinen. Sicherheit und sozialer Zusammenhalt sind keine Gegensätze. Sie ergänzen einander.
Vielleicht ist deshalb die entscheidende Frage unserer Zeit nicht, ob wir uns den Sozialstaat leisten können oder ob wir in unsere Verteidigung investieren müssen. Die eigentliche Frage lautet, wie wir beides so gestalten, dass Deutschland auch künftig ein sicheres, wirtschaftlich starkes und zugleich solidarisches Land bleibt.
Denn der Erfolg eines Landes misst sich nicht allein an seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit oder seiner militärischen Stärke. Er zeigt sich ebenso daran, wie die Menschen leben, die auf Unterstützung angewiesen sind – und daran, ob sie sich zugleich sicher fühlen können
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AfD-Parteitag (4. und 5. Juli 2026) in Erfurt
Alice Weidel wurde als Parteivorsitzende mit deutlicher Mehrheit (81,31 %) wiedergewählt, während Co-Vorsitzender Tino Chrupalla mit etwas mehr als 70 Prozent ein deutlich schwächeres Ergebnis erzielte. Das entscheidende Signal nach außen lautet jedoch: Trotz interner Kontroversen, insbesondere um Björn Höcke, präsentiert sich die Partei geschlossen.
Diese demonstrierte Geschlossenheit kann als Teil einer Normalisierungsstrategie verstanden werden – eine Einschätzung, die auch zahlreiche politische Beobachter teilen.
Dem stehen allerdings gewichtige Fakten gegenüber: Fünf AfD-Landesverbände werden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Zudem wurde Björn Höcke zweimal wegen der Verwendung einer verbotenen SA-Parole rechtskräftig verurteilt und ist dennoch weiterhin eine prägende Figur der Partei.
Auch die Entscheidung, den Bundesparteitag am 4. und 5. Juli in Erfurt abzuhalten, wurde kontrovers diskutiert. Kritiker weisen darauf hin, dass der Termin mit dem 100. Jahrestag des Weimarer Reichsparteitags der NSDAP zusammenfiel und bewerten dies als bemerkenswert. Ein Beleg dafür, dass diese Terminwahl bewusst so getroffen wurde, liegt jedoch nicht vor.
Zum vollständigen Bild gehört ebenso: Die AfD und ein großer Teil ihrer Wählerschaft weisen Vergleiche mit dem Faschismus entschieden zurück. Sie verweisen darauf, dass die Bundespartei als Ganzes bislang nicht rechtskräftig als gesichert rechtsextrem eingestuft ist. Die entsprechende Einstufung des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist Gegenstand eines laufenden Gerichtsverfahrens.
Diese juristische Auseinandersetzung ändert jedoch nichts an den rechtskräftigen Urteilen gegen Björn Höcke oder an den Einstufungen mehrerer Landesverbände. Ebenso wenig beseitigt sie die zahlreichen dokumentierten Äußerungen führender AfD-Politiker, die immer wieder Anlass zu erheblicher Kritik geben. Die pauschale Gleichsetzung der AfD mit dem „Dritten Reich“ bleibt jedoch juristisch und politikwissenschaftlich umstritten.
Fazit
Wer aus der Geschichte des Nationalsozialismus nichts über die Fragilität demokratischer Institutionen gelernt hat, blendet einen wesentlichen Teil der historischen Erfahrung aus.
Unabhängig davon, wie man die AfD auf Bundes- oder Landesebene politisch einordnet, gilt für mich: AfD bleibt AfD.
Eine umfangreiche Dokumentation rechtsextremer und faschister Aussagen von AfD-Mitgliedern befindet sich hier.
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Aktuelle Sonntags-Umfrage
Schaut man sich die aktuellen Vorhersagen der Umfrageergebnisse der AfD zur nächsten Bundestagswahl an, gruselt es jeden demokratischen orientierten Menschen. Die AfD wird von allen Institutionen als stärkste Kraft geführt. Warum?
Einfache Antworten werden attraktiv – selbst dann, wenn die vorgeschlagenen Lösungen komplexe Probleme nicht wirklich lösen oder neue Probleme schaffen.
Die aktuelle Zustimmung zur AfD ist weniger mit einem einzigen Thema erklärbar, als mit einer Mischung aus:
✅ wirtschaftlicher Unsicherheit
✅ Vertrauensverlust in Institutionen
✅ gesellschaftlicher Polarisierung
✅ medialer Zuspitzung
✅ Fehler der etablierten Parteien
Dass viele Menschen die Entwicklung und Zustimmung zur AfD schwer verständlich finden, ist nachvollziehbar. Gerade weil Deutschland historisch und hautnah erlebt hat, wohin Nationalismus, Ausgrenzung und demokratiefeindliche Entwicklungen führen können.
Fazit
Die Menschen haben anscheinend vergessen oder verdrängt, was Adolf Hitler, die NSDAP und der Faschismus bewirkt haben.
Kritiker der AfD weisen seit Jahren darauf hin, dass Teile des AfD-Programms besonders Menschen mit niedrigen oder mittleren Einkommen treffen könnten.
Es wäre deswegen sinnvoll, wenn die Politik der Mitte und die demokratischen Medien, die folgenden Fakten des AfD-Programms entsprechend thematisieren und gegensteuern:
✅ Kürzungen oder Umbauten des Sozialstaats
✅ Schwächung solidarischer Sicherungssysteme
✅ Marktradikale Wirtschaftspositionen
✅ Steuerpolitische Vorteile für höhere Einkommen
Im Umkehrschluss bestrafen sich viele Wähler*innen der AfD selbst.
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Kann die AfD, durch ein Gesetz von 1879 die Justiz beeinflussen?
Hier kommt die Angst, vor dem Missbrauch der Demokratie, ins Spiel.
Beamte sind gegenüber ihren Vorgesetzten weisungsgebunden und könnten im schlimmsten Fall, für bestimmte, politische Vorhaben, instrumentalisiert werden.
Worum geht’s?
1879, kurz nach der Reichsgründung, hat Deutschland seine Justiz vereinheitlicht. Dabei wurde auch festgelegt: Staatsanwaltschaften sind “weisungsgebunden”.
Das heißt im Klartext, auf die heutige Situation bezogen, ein(e) Justizminister*inn - z.B. von der AfD - kann Staatsanwälten*innen Anweisungen geben, Ermittlungen stoppen, beschleunigen und in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Das Gesetz ist über 140 Jahre alt und und kann bis heute fast unverändert angewendet werden.
In der Praxis passiert das so gut wie nie. Kein Minister will sich die Finger verbrennen, indem er offensichtlich in ein Verfahren eingreift. Aber die Möglichkeit besteht. Das macht gerade aktuell - vielen Demokraten - Angst und Sorgen.
Trotz aller Bemühungen habe es keinerlei Fortschritt gegeben. Nach wie vor habe der Bundesjustizminister ein unbegrenztes Weisungsrecht gegenüber dem Generalbundesanwalt.
Die Staatsanwaltschaften in den Ländern seien an Weisungen der jeweiligen Landesjustizministerien gebunden. Eine Reform sei wichtiger denn je, auch angesichts des Abbaus von Rechtsstaatlichkeit in anderen EU-Staaten.
Warum jetzt die Aufregung?
Ein kurzer Blick auf den Kalender: Im September wird in Sachsen-Anhalt gewählt, und die AfD hat reelle Chancen auf eine Regierungsbeteiligung, vielleicht sogar auf eine Alleinregierung. Und damit auch auf den Posten der Justizminister*inn, mit Weisungsbefugnis gegenüber der Staatsanwaltschaft.
Der Deutsche Richterbund schlägt deshalb Alarm. Geschäftsführer Sven Rebehn warnt sinngemäß: Wenn rechtspopulistische Parteien an Einfluss gewinnen, dürfe es keine offenen Türen für politischen Missbrauch der Strafverfolgung geben. Seine Forderung: Das Weisungsrecht sollte abgeschafft werden - und zwar bevor es zu spät ist.
Pikant dabei ist,
der Blick ins Ausland macht es nicht entspannter.
Wer vor Machtmissbrauch in der Justiz warnt, zeigt gerne auf andere Länder:
* Polen, wo die frühere, rechtsgerichtete Regierung mit neuen Gesetzen, unliebsame Richter unter Druck gesetzt hat
* Ungarn, wo Viktor Orbán die Justiz durch Verfassungsänderungen stärker an die Regierung gebunden hat.
* USA, wo Donald Trump sich offene Machtkämpfe mit Gerichten liefert.
Ist Deutschlands Justiz schon betroffen?
Nicht in dem Ausmaß wie in den genannten Ländern — aber ganz frei von politischer Einflussnahme ist die Justiz auch nicht. Hinter den Kulissen erzählen Staatsanwälte und Polizeibeamte von Fällen, in denen wichtige Posten nach Parteifarbe besetzt wurden, oder Ermittlungen auf politischen Druck hin beschleunigt wurden.
Noch deutlicher wird’s beim Europäischen Gerichtshof: Der hat Deutschland für genau dieses Weisungsrecht gerügt. Die Konsequenz ist konkret spürbar — deutsche Staatsanwälte dürfen wegen mangelnder Unabhängigkeit keine europäischen Haftbefehle mehr ausstellen. Das übernehmen jetzt die Gerichte.
Und was macht die Politik?
Hier wird’s typisch deutsch-kompliziert. NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) plädiert für ein “Weisungsrecht light”: Staatsanwälte sollen mehr Autonomie bekommen, aber der Minister behält im Notfall noch einen letzten Hebel.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) ist zurückhaltender. Sie sieht verfassungsrechtliche Bedenken gegen eine komplette Abschaffung und setzt eher auf mehr Transparenz — zum Beispiel, dass Weisungen schriftlich dokumentiert werden müssen.
Ihr Vorgänger Marco Buschmann hatte schon einen Reformentwurf in der Schublade. Der kam aber nie durch, weil die Ampelkoalition vorher zerbrach. Die jetzige Merz-Regierung hat dazu nichts Verbindliches im Koalitionsvertrag stehen — man “schaue sich den Entwurf nochmal an”, heißt es vage aus dem Ministerium.
Fazit
Es ist eine dieser Situationen, in denen ein Gesetz aus dem Kaiserreich plötzlich hochaktuell wird, weil sich die politische Landschaft verändert. Die Frage ist nicht, ob das Weisungsrecht heute missbraucht wird - sondern ob es das Werkzeug dafür liefern könnte, falls sich die Machtverhältnisse verschieben. Und solange das offen bleibt, wird die Debatte nicht verschwinden.
Das Muster ist immer ähnlich: Wenn die Gewaltenteilung zwischen Regierung und Justiz aufweicht, wächst der politische Zugriff auf Ermittlungen und Urteile.
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