Gesundheit wird zum Luxus
Die Politik wälzt die Krankenkassenreform, auf die Schwächsten ab. Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung folgt einem bekannten Muster: Die Probleme sind strukturell, bezahlt werden sollen sie aber aus den Beiträgen der gesetzlich Versicherten.
Doch statt die Ursachen konsequent anzugehen, setzt die Politik auf ein Sammelsurium aus Sparmaßnahmen, das primär die Falschen belastet.
Angriff auf die Familienversicherung
Besonders brisant ist der Vorstoß, die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern einzuschränken.
Das ist kein technischer Eingriff – das ist eine soziale Verschiebung. Betroffen wären vor allem Frauen, Teilzeitbeschäftigte und Familien mit geringem Einkommen. Was als „Arbeitsanreiz“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine versteckte Beitragserhöhung.
Weniger Leistung durch die Hintertür
Auch im ärztlichen Bereich drohen Einschnitte. Wenn Honorare gekürzt werden, reagieren Ärzte wirtschaftlich – mit weniger Terminen. Das bedeutet: längere Wartezeiten, schlechtere Versorgung.
Die Logik ist simpel und gefährlich: Wenn das System spart, spart es zuerst bei den Patienten. Durch die präventiv nicht behandelten Krankheiten wird unabhängig vom Leid der Betroffenen, im Nachgang, das Gesundheitssystem stärker belastet. Im Umkehrschluss bedeutet das höhere Folgekosten. Das nennt man in politischen Fachkreisen vorausschauendes Denken.
Man bekommt als Bürger*inn das Gefühl, die Politiker*innen denken nur in Wahlperioden.
Mehr zahlen im Krankheitsfall
Höhere Zuzahlungen für Medikamente und Krankenhausaufenthalte treffen genau die Menschen, die ohnehin belastet sind: Kranke, Ältere und Menschen mit wenig Einkommen. Das ist keine Randmaßnahme – das ist eine schleichende Privatisierung von Gesundheitsrisiken.
Politische Bequemlichkeit statt echter Reform
Union und SPD setzen stattdessen auf einfache Lösungen: höhere Tabaksteuer, mehr Zuzahlungen, weniger Leistungen. Was fehlt, ist der politische Wille, gerecht zu gestalten:
• Warum werden Kapitaleinkünfte nicht stärker einbezogen?
• Warum wird die Beitragsbemessungsgrenze, nicht angepasst?
• Warum wird die Pharmaindustrie, mit Samthandschuhen angefasst?
Der Weg in die Zwei-Klassen-Medizin
Die Richtung ist klar: Wer es sich leisten kann, weicht aus – in Zusatzversicherungen oder die private Versorgung. Wer das nicht kann, bleibt auf der Strecke.
So entsteht schrittweise ein System, in dem Gesundheit keine solidarische Leistung mehr ist, sondern eine Frage des Einkommens.
Fazit
Das ist nur der Status quo:
• steigende Preise
• wachsende Abhängigkeit
• politischer Einfluss ohne ausreichende Kontrolle
Die Frage ist nicht, ob wir uns das leisten können. Die Frage ist:
Ob wir uns leisten wollen, dass Gesundheit weiterhin ein Markt bleibt, in dem Einfluss mehr zählt als Bedarf.
Die Kassenkrise ist real. Aber die Antworten darauf sind politisch – und sie sind eine Frage der Gerechtigkeit.
Derzeit sieht es danach aus, als würde die Rechnung wieder einmal bei denen landen, die ohnehin am wenigsten haben. Oder anders gesagt:
Nicht das System wird reformiert – sondern die Solidarität wird abgebaut.
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Wenn Andreas Gassen – Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) – ankündigt, dass es künftig weniger Facharzttermine geben könnte, ist das keine nüchterne Analyse, sondern eine Ansage, die die Falschen (die Kranken) trifft. Die Logik dahinter ist brutal einfach. Weniger Geld für Ärzte = weniger Facharzttermine, für gesetzlich versicherte Kranke!
Mit Blick auf die für Ende März angekündigten Sparvorschläge der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eingesetzten Finanzkommission, mag das betriebswirtschaftlich zwar nachvollziehbar sein, aber gesellschaftlich ist es ein Offenbarungseid. Denn: Kein Mensch kann es sich aussuchen, krank oder gesund zu sein!
Schon die jetzigen Wartezeiten auf dringende Arzttermine, sind keine abstrakte Größe: Sie bedeuten Unsicherheit, Schmerz, Verzögerung von notwendigen Diagnosen und Behandlungen.
Ganz zu schweigen von nicht rechtzeitig behandelten Krankheiten mit Ansteckungsgefahr.
Nach dem Versuch,
eine Praxisgebühr für Arztbesuche einzuführen, ist die Drohung, weniger Arzttermine anzubieten, der 2. politische Anlauf das System zu destabilisieren.
Hier wird ein Grundprinzip unseres Sozialstaats leise ausgehebelt:
Versorgung sollte nach Bedarf sein – nicht nach Kassenlage. Natürlich muss:
• das System gerecht finanziert werden.
• die Budgetierung gesichert sein
• Ärzte nicht unter- bzw unbezahlt arbeiten.
Aber wer, wie die Politik die Konsequenz zieht, die gesundheitliche Versorgung zu verknappen, verschiebt das Problem – er löst es nicht.
Die eigentliche Fehlkonstruktion wird verschwiegen
Während lautstark über Honorare gestritten wird, bleibt das eigentliche Milliardenproblem unangetastet:
• Ein ineffizienter Krankenhaussektor
• Ein Finanzierungssystem, das Fehlanreize setzt
• Eine Politik, die seit Jahren Reformen verschleppt
Und mittendrin: ein Gesundheitssystem, das zunehmend wie ein Markt (Angebot und Nachfrage) funktioniert – aber keiner sein dürfte.
Die eigentliche Fehlkonstruktion wird verschwiegen. Gesundheit ist keine Ware!
Ärztemangel – ja, aber warum?
Dass viele Ärzte in den Ruhestand gehen und Nachfolger fehlen, ist kein Naturereignis. Es ist politisch produziert.
Wer jahrelang:
• Unsicherheit schafft
• Bürokratie ausweitet
• wirtschaftliche Risiken erhöht
der darf sich nicht wundern, wenn junge Ärztinnen und Ärzte sagen: „Dann eben nicht.“
Politik vs. Lobby
Die Patienten dazwischen!
Alle verantwortlichen Minister*innen stehen hier in der Verantwortung. Sparen ohne Strukturreformen funktioniert nicht.
Aber genauso wenig akzeptabel ist es, wenn Interessenvertreter Druck aufbauen, indem sie Versorgung verknappen. Denn am Ende entsteht ein zynisches Gleichgewicht:
• Die Politik spart
• Die Ärzte begrenzen Leistungen
• Und die Patienten*innen zahlen den Preis
Das ist der eigentliche Skandal - nicht die einzelne Honorarfrage. Nicht die nächste Reform, sondern die Tatsache, dass medizinische Versorgung zur Verhandlungsmasse geworden ist.
Wer weniger Termine ankündigt, um politische Ziele durchzusetzen, macht Gesundheit zum Druckmittel.
Das ist eine Grenze, die nicht überschritten werden sollte.
Was jetzt passieren müsste:
• Schluss mit halbherzigen Reformen
• Ehrliche Finanzierung statt Verschiebebahnhof
• Strukturreformen
• Klare Priorität: Versorgung vor Lobbyarbeit
Fazit
Ein Gesundheitssystem zeigt, wie ernst eine Gesellschaft ihre eigenen Werte nimmt. Und gerade wirkt es, als würden wir anfangen zu testen, um zu sparen.
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Behauptung der Politik und Arbeitgeberseite
Der Krankenstand in Deutschland hängt mit der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Tele-AU) zusammen. Das behaupten Bundeskanzler Friedrich Merz und die Arbeitgeberseite. Anscheinend benötigt unser Bundeskanzler einen Nebenkriegsschauplatz, um - analog Donald Trump - mit Fakenews, von seinen nicht eingehaltenen Versprechungen abzulenken.
Herr Merz soll seine Arbeit als Bundeskanzler verrichten, anstatt solch haltlosen Quatsch der Arbeitgeberseite zu verbreiten. Das zeigen die u.a. Fakten deutlich auf.
Fakt ist
Für die Behauptung des Kanzlers und der Arbeitgeberseite gibt es keinerlei empirische Grundlagen. Die Tele-AU ist nicht das Problem der Krankschreibungen. Warum?
1. Laut Zentralinstitut machen für die kassenärztliche Versorgung die Tele-AU max. 1,2 Prozent aller AU-Fälle aus.
Selbst bei Atemwegserkrankungen, dem häufigsten Krankheitsgrund, liegt der Anteil deutlich unter zwei Prozent.
2. Kein Nachweis für Missbrauch
Krankenkassen, wie die Barmer und der ärztliche Verband kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis.
Es gibt keinen Hinweis auf systematischen Missbrauch der Tele-AU. Sie sind zeitlich begrenzt (maximal fünf Tage) und nicht verlängerbar. Nur für bekannte Patientinnen und Patienten ist die Tele-AU möglich.
Die Regelung ist eng gefasst und missbrauchsarm – das bestätigen alle verfügbaren Daten. Auch die Hausärzte warnen vor einer Abschaffung der Tele-AU.
3. Der Anstieg der Krankentage hat andere Hauptursachen.
Über 40 Prozent der Fehlzeiten entstehen durch Langzeiterkrankungen (mehr als sechs Wochen) Besonders stark steigen: psychische Erkrankungen (z. B. Depressionen, Erschöpfung), Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Kurze Krankmeldungen – egal ob telefonisch oder nicht – haben auf diese Statistik kaum Einfluss.
4. Der „sprunghafte Anstieg“ ist zum Teil ein Statistik-Effekt.
Seit Einführung der Tele-AU werden Krankmeldungen vollständig erfasst. Früher gingen viele Papierbescheinigungen nie bei den Krankenkassen ein – besonders in den ersten sechs Wochen, in denen der Arbeitgeber zahlt. Folgerung:
Ein Teil des Anstiegs ist keine reale Zunahme von Krankheit, sondern bessere Erfassung.
5. Die Debatte lenkt (bewusst?) vom Kernproblem ab.
Arbeitsverdichtung, Personalmangel, Unsicherheit, Dauerstress und mangelnde Prävention bleiben politisch oft unbehandelt. Stattdessen wird Verantwortung individualisiert: Nicht die Arbeitsbedingungen, sondern die Beschäftigten geraten unter Verdacht.
Die Diskussion über die Tele-AU ist keine Problemlösung, sondern eine Ablenkung.
Fazit
Ein Instrument, das in über 98 Prozent der Fälle keine Rolle spielt, kann den Gesamtkrankenstand nicht signifikant beeinflussen.
Der hohe Krankenstand in Deutschland ist kein Beweis für Missbrauch, sondern ein Hinweis auf:
> steigende psychische Belastungen,
> strukturelle Defizite in der Arbeitswelt,
> und eine realistischere statistische Abbildung von Krankheit.
Wer ernsthaft etwas ändern will, muss über Arbeit, Gesundheit und Prävention reden – nicht über ein Instrument, das statistisch kaum ins Gewicht fällt.
Friedrich Merz scheitert nicht an der Tele-AU. Er scheitert an der Realität. Wer als Bundeskanzler den Krankenstand mit unbelegten Behauptungen erklärt, betreibt keine Politik, sondern Stimmungsmache. Wer Beschäftigte unter Generalverdacht stellt, um eigene Konzeptlosigkeit zu kaschieren, missbraucht sein Amt. Und wer Narrative der Arbeitgeberseite nachplappert, statt faktenbasiert zu regieren, hat den Anspruch auf politische Seriosität verwirkt.
Das ist kein Ausrutscher. Das ist ein politisches Muster. Probleme werden nicht gelöst, sondern umgedeutet. Verantwortung wird nicht übernommen, sondern nach unten delegiert. Und soziale Sicherheit wird nicht als Stabilitätsfaktor verstanden, sondern als Störfaktor markiert. Genau so beginnt der schleichende Abbau von Vertrauen in Staat und Demokratie.
Nicht die Tele-AU beschädigt dieses Land. Beschädigend ist eine Politik, die Misstrauen sät, um Handlungsunfähigkeit zu verdecken. Ein Bundeskanzler, der so agiert, führt nicht. Er weicht aus. Er polarisiert. Und er verspielt Vertrauen. Das ist der eigentliche Skandal.
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Zwischen Weltoffenheit, Glanz und Verdrängung
St.Pauli war schon immer ein multikulturelles Wohnviertel. Die Nähe zum Hafen – als Tor zur Welt – und der Kontakt zu Seeleuten und Menschen aller Nationen und Hautfarben, trugen zur Unvoreingenommenheit und Toleranz der St.Paulianer:innen bei.
Nach 1945 war St. Pauli ein Viertel der Trümmer und des Neuanfangs. Der Hamburger Hafen, mit seinen vielen unterschiedlichen Arbeitsmöglichkeiten, bot vielen St. Paulianer:innen die Möglichkeit zum Neubeginn, um ihr Viertel wieder als urbanes Zuhause aufzubauen. Dazu gehörte auch eine Infrastruktur von kleinen Geschäften, wo man alles einkaufen konnte, was zum täglichen Leben benötigt wurde.
Weltoffen war St. Pauli schon immer. Es existierte hier schon früh ein kleines Chinatown, mit chinesischer Gastronomie, die uns der fremden Kultur, den Menschen, dem chinesischen Alltag und ihrer Küche näherbrachte. Das Gleiche gilt für das angrenzende Schanzenviertel, mit seinen überwiegend türkischen und damals - jugoslawischen Gastarbeitern. Auch deren Kinder, die in unseren Schulklassen integriert wurden, trugen zum multikulturellen Leben und Verständnis fremder Kulturen auf St. Pauli bei und gehörten zum Freundeskreis.
In den 1960er-Jahren kehrten Flair und Vergnügen auf den Kiez zurück. Revuetheater, Tanzcafés und Musikclubs erlebten eine Renaissance, die Reeperbahn und die Große Freiheit wurden zur Partymeile. Britische Bands traten in den Clubs (Indra, Starclub, Kaiserkeller, Top Ten) auf. Auch die Beatles, lange bevor sie Weltstars wurden.
Doch hinter dem Glanz etablierte sich eine andere Ordnung: St. Pauli wurde zum Machtgebiet wechselnder Zuhälterbanden. In den 1970er-Jahren dominierte Wilfried „Frida“ Schulz den Kiez. Als selbst ernannter „Pate von St. Pauli“ regelte er Konflikte auf seine Art. Staatliche Autorität war hier zweitrangig – Schulz fungierte als informeller Regent des Rotlichtviertels.
Ende der 1970er-Jahre übernahmen jüngere Gruppierungen das Geschäft: die „GmbH und die Nutella-Bande“. Die als „Luden oder Loddel“ bekannten Zuhälter bauten Bordellimperien auf und inszenierten ihren Reichtum demonstrativ. Maßanzüge, Champagner und Luxusautos gehörten ebenso zum Straßenbild wie Gewalt und Einschüchterung.
In den 1980er-Jahren radikalisierte sich das Viertel politisch und sozial. Autonome besetzten Häuser in der Hafenstraße, die Rote Flora am Schulterblatt, wurde zum Symbol des Widerstands. Gleichzeitig nahm der Drogenhandel zu, Kokain forderte unter den Kiezgrößen seinen Tribut.
In dieser Zeit arbeitete auch die Prostituierte Domenica auf St. Pauli. Mit medialer Präsenz und klaren Forderungen nach der Legalisierung ihres Berufs wurde sie zur bekanntesten Prostituierten Deutschlands – und zur Ausnahmeerscheinung in einer ansonsten männlich dominierten Öffentlichkeit.
Fazit
Bis in die 1970er-Jahre hinein galt St. Pauli als armes, aber solidarisches Arbeiterviertel. Hafenarbeit, prekäres Gewerbe und eine dichte Nachbarschaft prägten den Stadtteil – ebenso wie eine ausgeprägt linke politische Kultur. Daran hat sich bis heute wenig geändert: Über 30 Prozent der Bewohner:innen wählen „Die Linke“, während die AfD mit unter fünf Prozent politisch kaum Fuß fasst.
Ökonomisch jedoch ist St. Pauli kaum wiederzuerkennen. Seit Jahren steigen die Mieten im begehrten innerstädtischen Quartier rasant. Investoren entdecken den „Kiez“, während Sozialbindungen auslaufen und Wohnraum zur Ware wird.
St. Pauli bleibt Amüsierviertel und Marke – doch die Menschen, die seinen Ruf, seine Konflikte und seine Solidarität über Jahrzehnte geprägt haben, können es sich immer seltener leisten, hier zu leben. Gentrifizierung trifft hier ausgerechnet ein Viertel, das sich politisch gegen genau diese Entwicklung stellt.
St. Pauli steht wie kaum ein anderer Stadtteil für Widerspruch. Über Jahrzehnte war der Kiez ein armes, solidarisches Arbeiterviertel, geprägt von Hafenarbeit, prekären Jobs und einer ausgeprägt linken politischen Kultur. Daran hat sich bis heute wenig geändert: Noch immer wählen über 30 Prozent der Bewohner:innen „Die Linke“, während die AfD mit unter fünf Prozent politisch bedeutungslos bleibt.
Und doch ist St. Pauli heute ein anderes Viertel. Die Mieten im begehrten innerstädtischen Quartier steigen seit Jahren rasant, Investoren entdecken den Kiez als Marke, während Sozialwohnungen verschwinden und Nachbarschaften zerbrechen.
St. Pauli bleibt Amüsierviertel und Symbol – aber immer weniger ein Ort für jene Menschen, die seine Geschichte, seine Kämpfe und seine Solidarität geprägt haben. Dieser Widerspruch zwischen linker Identität und kapitalistischer Verdrängung ist kein Zufall, sondern politisch gemacht
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Alle Jahre wieder, wird das sinnlose Geschwafel nach einer Praxisgebühr - oder Neudeutsch: Kontaktgebühr - für Arztbesuche, aus bestimmten Lobbykreisen, wieder eröffnet.
Die Gebühr ist kein Beitrag zur Lösung der Probleme im Gesundheitssystem – sie wird ein zusätzlicher Teil der vorhandenen Probleme und zeigt die Kurzsichtigkeit der Gesundheitspolitik gnadenlos auf.
Wer ernsthaft glaubt, man könne ein überlastetes, unterversorgtes System durch zusätzliche finanzielle Hürden steuern, verwechselt Fürsorge mit Abschreckung. Schon heute fehlen Hausärztinnen und Hausärzte. Termine sind knapp, Überweisungen mit zeitnaher fachärztlicher Behandlung oft Glückssache.
Eine Praxisgebühr würde diese Lage verschärfen. Akute Erkrankungen werden häufiger verschleppt, chronisch kranke und ältere Menschen zusätzlich belastet.
Besonders perfide: Menschen mit wenig Geld würden notwendige Arztbesuche aus Angst vor Kosten vermeiden – nicht aus Verantwortungslosigkeit, sondern aus Not.
Fazit
Das Ergebnis wäre: Kein entlastetes Gesundheitssystem, sondern ein teureres. Durch spätere oder keine Untersuchungen und Diagnosen, sind schwerere Krankheitsverläufe und im Umkehrschluss höhere Behandlungskosten erforderlich.
Ganz zu schweigen von den menschlichen Schicksalen. Wer das ignoriert, denkt weder menschlich, noch ökonomisch – sondern kurzsichtig. Fakt ist:
Die Praxisgebühr ist kein Instrument der Vernunft, sondern ein Symbol politischer Ideenlosigkeit.
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Arztpraxen
Wenn Arztpraxen keine Nachfolge finden, springen oft Investoren ein und gründen Medizinische Versorgungszentren. Sie übernehmen das Geschäftliche, die Mediziner sind angestellt. Welche Folgen hat das?
Der Zulauf sei im Moment nicht mehr zu bewältigen. Das geschieht deutschlandweit überall. Viele Babyboomer gehen in Rente, darunter auch viele Hausärzte. Die Robert-Bosch-Stiftung geht davon aus, dass im Jahr 2035 rund 11.000 Hausärzte fehlen werden.
Um das Problem in den Griff zu kriegen, wird immer öfter auf ein auf ein neues Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) gesetzt. Ärztekammern schlagen Alarm. Ihr sind die vielen MVZ ein Dorn im Auge. Sie fürchtet, es könnte Rendite statt Patientenwohl im Vordergrund stehen.
Was sind Medizinische Versorgungszentren? Ein MVZ ist eine ambulante Einrichtung, in der Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen unter einem Dach arbeiten. Es gibt sie seit 2004. Eingeführt wurden sie mit dem Ziel, die ambulante medizinische Versorgung flexibler und effizienter zu gestalten.Inhaber eines MVZ muss nicht zwangsläufig ein Arzt sein.
Infrage kommen auch Krankenhäuser, Kommunen oder gemeinnützige Träger. Die Zahl der MVZ ist in den vergangenen Jahren laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung stark angestiegen, vor allem in Bayern und Nordrhein-Westfalen.Mittlerweile gibt es deutschlandweit mehr als 4.800 solcher Zentren mit mehr als 30.000 Ärztinnen und Ärzten. Sie werden nahezu ausschließlich als GmbH geführt.
Warum MVZ überhaupt entstehen
Der Kern des Problems ist nicht das MVZ, sondern der Nachwuchsmangel:
• Viele Hausärzte (Babyboomer) gehen in Rente
• Einzelpraxen gelten als ökonomisch riskant, bürokratisch belastend und schwer vereinbar mit Familie
• Junge Ärztinnen und Ärzte wollen angestellt arbeiten, planbare Arbeitszeiten, Teilzeit, weniger unternehmerisches Risiko.
MVZ sind darauf eine naheliegende Antwort:
• kein eigenes finanzielles Risiko
• keine Praxisübernahme
• keine Verantwortung für Abrechnung, Personal, IT, Miete
Ohne MVZ würden ganze Regionen heute schon unterversorgt sein.
Was MVZ leisten können (positive Effekte)
Versorgungssicherung:
• Übernahme von Praxen, für die sich kein Nachfolger findet
• besonders relevant in ländlichen Regionen und sozial schwächeren Stadtteilen
Attraktivere Arbeitsbedingungen
• feste Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle
• weniger Bürokratie
• besser vereinbar mit Familie
Medizinische Zusammenarbeit
• mehrere Fachrichtungen unter einem Dach
• schnellere Überweisungen
• bessere Abstimmung bei chronisch Kranken
Professionelle Organisation
• moderne IT
• standardisierte Abläufe
• oft bessere Ausstattung
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Beatles Auftritte in Hamburg
1. Indra Club (Große Freiheit)
17. Aug 1960 – 03. Okt 1960
2. Kaiserkeller (Große Freiheit)
04. Okt 1960 – 30. Nov 1960
3. Top Ten Club (Reeperbahn)
01. Apr 1961 – 01. Juli 1961
4. Star-Club (Große Freiheit)
13. Apr 1962 → Nov 1962 → bis 31. Dez 1962
Hier eine Übersicht der wichtigsten Auftritte der Beatles und anderer bekannter Bands und Interpreten in Hamburger Clubs - Schwerpunkt aus der Frühphase, also ab ca. 1960:
🎸 Indra (Grosse Freiheit 64)
> The Beatles (erstmals in Hamburg, August 1960 als „The Beatles“ mit Pete Best am Schlagzeug)
> Kingsize Taylor & The
> Rory Storm and the Hurricanes (mit Ringo Starr)
> Sheridan & The Jets
> The Jets (Colin Melander)
> The Strangers
🎸 Kaiserkeller (Grosse Freiheit 36)
> The Beatles (mehrere Engagements 1960–
> Rory Storm and the
> Tony Sheridan
• Kingsize Taylor & The Dominoes
• The Big Three
• Faron’s Flamingos
• Gerry and the Pacemakers (Auftritte vor ihrem Durchbruch in Groß Britannien
🎸 Top Ten Club (Reeperbahn 136)
• The Beatles (Frühjahr 1961 – parallel Studioarbeit mit Tony Sheridan)
• Tony Sheridan & The Beat Brothers (The Beatles)
• The Big Three
• Lee Curtis & The All-Stars
• Ian and the Zodiacs
• The Rattles (deutsche Beatband)
🎸 Star-Club (Grosse Freiheit 39) – eröffnet April 1962
• The Beatles (April–Mai 1962, letzter Hamburg-Auftritt Dez. 1962)
• Chuck Berry
• Little Richard
• Jerry Lee Lewis
• Gerry and the Pacemakers
• Fats Domino
• Ray Charles
• Bill Haley & His Comets
• The Searchers
• Kingsize Taylor & The Dominoes
• The Everly Brothers
• The Rattles
• Sounds Incorporated
• The Liverbirds (Girl-Beatband)
• Cliff Bennett & The Rebel Rousers
• Cream (mit Eric Clapton, Jack Bruce, Ginger Baker)
• Jimi Hendrix Experience
Hinweis zu Beatles/Beatbrothers
• Frühjahr 1962:
Platten-Veröffentlichungen und Nachpressungen weiterhin unter Tony Sheridan and the Beat Brothers.
• April 1962:
Ringo Starr ersetzt Pete Best.
• Juni–August 1962:
Letzte Veröffentlichungen von Sheridan-Aufnahmen mit dem Zusatz: Beat Brothers.
• Oktober 1962:
Love Me Do endgültig als: The Beatles.
Fazit
Ich gehöre zu den Glücklichen, diese Weltstars, ob Bands oder Interpreten alle live in den o.g. Clubs zu erleben. Diese Musiker machten Hamburg zu einem der wichtigsten europäischen Hotspots für Rock’n’Roll, Blues- und Beatmusik, lange bevor London das Zentrum wurde.
In den 1960er-Jahren waren die Hamburger Clubs Indra, Kaiserkeller, Top Ten Club und vor allem der Star-Club wichtige Stationen für aufstrebende Rock’n’Roll-, Beat- und R&B-Bands – oft noch bevor sie international bekannt wurden.
Die Clubs zogen Musiker aus Großbritannien, den USA, Deutschland und anderen Ländern an.
Viele britische Bands kamen nach Hamburg, weil dort lange Sets (teilweise 6–8 Stunden pro Nacht) gespielt wurden – was sie musikalisch enorm formte.
Die Beatles lernten hier ihr Repertoire zu perfektionieren, und die Zusammenarbeit mit Tony Sheridan brachte ihre erste kommerzielle Plattenaufnahme („My Bonnie“) hervor.
Der Star-Club holte ab Mitte der 1960er zunehmend auch große US-Stars (z.B. Jerry Lee Lewis und Little Richard, Fats Domino, Jimmy Hendrix oder Chuck Berry), die in Deutschland auf Tournee waren.
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Die Praxisanbindung und Vernetzung im IT-Bereich (durch die Agentur Gematik) von Ärzten, Krankenhäuser, Apotheken und medizinische Einrichtungen, hinkt immer noch hinterher.
Trotz aller Beteuerungen unseres Bundesgesundheitsministers Herr Prof. Lauterbach, ist es in vielen Praxen noch an der Tagesordnung, mit Papier, statt IT zu arbeiten. Papierrezepte sind der Normalzustand.
Die flächendeckend, groß angekündigte elektronische Patientenakte (ePA), mit ursprünglichem Einführungstermin zum 01.01.2021, ist aktuell noch ein Wunschtraum.
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Offiziell gibt es die Coronapandemie seit dem 11. März 2020. Es ist niemanden damit geholfen, wenn die politischen Parteien, sich einander Vorwürfe machen, wer in dieser Zeit, etwas falsch gemacht hat. Jetzt gilt es nicht nachzukarten, sondern gemeinsam, Wahlaussagen hin oder her, nach vorn zu schauen und dann die Pandemie weiter eingrenzen. Das, besonders unter dem Aspekt, dass alle Virologen zum Sommer und kommenden Herbst, vor neuen Mutationen warnen. Es deutet sich erneut an, dass sich das Covid-19-Virus wieder stärker ausbreitet. Die Gefahr, dass es mutiert, und die vorhandenen Impfstoffe ignoriert, ist nach den Erfahrungen der letzten zwei Jahre, nicht zu verleugnen.
Seit das Virus vorhanden ist, wurde auf die jeweilige Gesundheitslage, oft zu spät reagiert. Der Politik, wurde teilweise zu Recht vorgeworfen, dass sie immer nur hinunterlaufe, dilettantisch, chaotisch, zu spät und unkoordiniert handelte. Gleich, ob es sich um Lockdown, Maskenbeschaffung, Maskenpflicht, PCR-Test, Impfkampagnen, die Impfpflicht oder die zeitnahe Datenerhebung und deren Analyse handelte. Eine klare Antwort, ob die bisher vorgenommenen Maßnahmen zu einer Verbesserung der Situation beigetragen haben, hat auch der von der Bundesregierung eingesetzte Sachverständigenrat, nicht ermitteln können. Unabhängig von den Ergebnissen möchten, Gesundheitsminister Lauterbach und die Grünen, eine gesetzliche Grundlage schaffen, die ab Herbst, das Tragen von Schutzmasken und andere Maßnahmen, weiterhin rechtlich ermöglichen. So etwas nennt man vorausschauendes Denken.
Die FDP-Verantwortlichen verweigern sich auch hier wieder der Realität. Da wird eine, einfache aber wirksame Maßnahme, wie das Tragen von Masken blockiert, obwohl weltweit belegt ist, dass richtiges Tragen von Schutzmasken ein adäquates Mittel ist, um Ansteckungen zu vermeiden. Für mich, als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, stellt sich die Frage, ob die FDP, die Begriffe Freiheit und Eigenverantwortung instrumentalisiert. Was nützt mir die Freiheit, wenn ich mit Covid-19 infiziert werde!
Das Gleiche gilt für die, von vielen Mitbürger*innen, nicht praktizierte Eigenverantwortung (Impfverweigerung). Im Umkehrschluss bedeutet Eigenverantwortung, auch oder gerade, Verantwortung gegenüber seinen Mitbürger*innen, wahrzunehmen.
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Update
Unser Gesundheitsminister, Herr Lauterbach, ist zurückgerudert. Die totale Freiheit der Covid-19 Maßnahmen wurden durch die Überzeugungskraft der Virologen, in Hamburg, bis Ende April 2022, ad Acta gelegt. Das einzig Positive, in diesem erneuten Kommunikationschaos der Politik ist, dass eine Mehrheit der Regierung, sich gegen den Minipartner FDP durchsetzen konnte. Deren Geschwätz von Freiheit und Eigenverantwortung, in dieser Pandemie, komplett fehl am Platze ist.
Unabhängig von dem, was Herr Lauterbach für ein politisches Durcheinander angerichtet hat, es ist wohltuend, wenn ein Politiker, die Schuld für falsches Handeln übernimmt.
Allerdings, wurde dieser positive Eindruck, durch eine Mehrheit der Abgeordneten, mit der Ablehnung der allgemeinen Impfpflicht, wieder kaputt gestimmt. Diese Abstimmung erfolgte ohne den üblichen Fraktionszwang. Dass viele Abgeordnete der FDP, AfD und der Unionsparteien über die Ablehnung der Impfpflicht frohlocken, ist in Anbetracht der vielen 1000 Coronatoten, zynisch.
Ganz davon abgesehen, dass sie folgenden/es Eid/Gelöbnis abgelegt haben, der/das sie dazu verpflichtet, Schaden in jeder Form abzuwenden!
Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.
Die Damen und Herren sollten sich einmal vor Augen führen, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt.
Ursprünglicher Artikel
Vorweg, zum Glück spielt das Bundesland, in dem ich lebe, Hamburg, das Verbanguespiel, der totalen Befreiung, von allen Covid19-Einschränkungen nicht mit. Nur, um die Bundes-FDP, mit ihren nicht der Situation angemessenen Vorgehen zu beruhigen und die Ampelkoalition nicht infrage zu stellen. Ohne Rücksicht auf die Expertisen und Kritik der Virologen soll die Pandemie in Deutschland zu den Akten gelegt und Normalität verordnet werden. Das über zwei Jahre grassierende Covid19-Virus zeigte uns auf, dass es, mit jeder Lockerung, zur großen Retourkutsche ansetzte. Schwer nachvollziehbar ist, wie Teile der FDP-Verantwortlichen, sich dieser Realität verweigern. Sie scheinen nicht fähig, im Gegensatz zu dem Covid19-Virus, sich veränderten Gegebenheiten anzupassen.
Es tut körperlich weh, wenn man die FDP-Politiker*innen hört, wie sie bei ihrer Ablehnung zur Impfpflicht und das Tragen von Masken über die Freiheit und Eigenverantwortung des Individuums fabulieren. Das besonders, in Zeiten, in denen die Inzidenzen wieder explodieren, die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen kommen und Covid19-Tote, die Tagesordnung bestimmen.
Dass Friedrich Merz, von der CDU, jetzt auch gegen die Impfpflicht aufrüstet, hängt sicherlich mit den bevorstehenden Landtagswahlen zusammen. Seriöse, wissenschaftliche Erkenntnisse über und für das Impfen, müssen sich einem Wahlerfolg unterordnen.
Zur FDP, Eigenverantwortung bedeutet im Umkehrschluss, Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen. Für viele FDP-Politiker*innen, scheint das unbekannt zu sein. Die Verantwortlichen der FDP sollten eigentlich wissen, dass man der Eigenverantwortung nur gerecht werden kann, wenn man sich der Verantwortung stellt. Das heißt, sich zur Impfpflicht zu bekennen. Ein Großteil der Menschen lebt vor, was die Eigenverantwortung auszeichnet. Leider gibt es noch zu viele Menschen, die diese Eigenverantwortung egoistisch ausleben. Würden diese Menschen, der Eigenverantwortung, im Sinne der FDP folgen, wären wir schon wieder in der Normalität angekommen. Es wird Zeit, dass die FDP Verantwortung übernimmt!
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