Mittwoch, 18. März 2026
Weniger Arzttermine

Wenn Andreas Gassen – Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) – ankündigt, dass es künftig weniger Facharzttermine geben könnte, ist das keine nüchterne Analyse, sondern eine Ansage, die die Falschen (die Kranken) trifft. Die Logik dahinter ist brutal einfach. Weniger Geld für Ärzte = weniger Facharzttermine, für gesetzlich versicherte Kranke!
Mit Blick auf die für Ende März angekündigten Sparvorschläge der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eingesetzten Finanzkommission, mag das betriebswirtschaftlich zwar nachvollziehbar sein, aber gesellschaftlich ist es ein Offenbarungseid. Denn: Kein Mensch kann es sich aussuchen, krank oder gesund zu sein!
Schon die jetzigen Wartezeiten auf dringende Arzttermine, sind keine abstrakte Größe: Sie bedeuten Unsicherheit, Schmerz, Verzögerung von notwendigen Diagnosen und Behandlungen.
Ganz zu schweigen von nicht rechtzeitig behandelten Krankheiten mit Ansteckungsgefahr.

Nach dem Versuch,
eine Praxisgebühr für Arztbesuche einzuführen, ist die Drohung, weniger Arzttermine anzubieten, der 2. politische Anlauf das System zu destabilisieren.
Hier wird ein Grundprinzip unseres Sozialstaats leise ausgehebelt:
Versorgung sollte nach Bedarf sein – nicht nach Kassenlage. Natürlich muss:
• das System gerecht finanziert werden.
• die Budgetierung gesichert sein
• Ärzte nicht unter- bzw unbezahlt arbeiten.
Aber wer, wie die Politik die Konsequenz zieht, die gesundheitliche Versorgung zu verknappen, verschiebt das Problem – er löst es nicht.

Die eigentliche Fehlkonstruktion wird verschwiegen
Während lautstark über Honorare gestritten wird, bleibt das eigentliche Milliardenproblem unangetastet:
• Ein ineffizienter Krankenhaussektor
• Ein Finanzierungssystem, das Fehlanreize setzt
• Eine Politik, die seit Jahren Reformen verschleppt
Und mittendrin: ein Gesundheitssystem, das zunehmend wie ein Markt (Angebot und Nachfrage) funktioniert – aber keiner sein dürfte.
Die eigentliche Fehlkonstruktion wird verschwiegen. Gesundheit ist keine Ware!

Ärztemangel – ja, aber warum?
Dass viele Ärzte in den Ruhestand gehen und Nachfolger fehlen, ist kein Naturereignis. Es ist politisch produziert.
Wer jahrelang:
• Unsicherheit schafft
• Bürokratie ausweitet
• wirtschaftliche Risiken erhöht
der darf sich nicht wundern, wenn junge Ärztinnen und Ärzte sagen: „Dann eben nicht.“

Politik vs. Lobby
Die Patienten dazwischen!
Alle verantwortlichen Minister*innen stehen hier in der Verantwortung. Sparen ohne Strukturreformen funktioniert nicht.
Aber genauso wenig akzeptabel ist es, wenn Interessenvertreter Druck aufbauen, indem sie Versorgung verknappen. Denn am Ende entsteht ein zynisches Gleichgewicht:
• Die Politik spart
• Die Ärzte begrenzen Leistungen
• Und die Patienten*innen zahlen den Preis
Das ist der eigentliche Skandal - nicht die einzelne Honorarfrage. Nicht die nächste Reform, sondern die Tatsache, dass medizinische Versorgung zur Verhandlungsmasse geworden ist.
Wer weniger Termine ankündigt, um politische Ziele durchzusetzen, macht Gesundheit zum Druckmittel.
Das ist eine Grenze, die nicht überschritten werden sollte.
Was jetzt passieren müsste:
• Schluss mit halbherzigen Reformen
• Ehrliche Finanzierung statt Verschiebebahnhof
• Strukturreformen
• Klare Priorität: Versorgung vor Lobbyarbeit

Fazit
Ein Gesundheitssystem zeigt, wie ernst eine Gesellschaft ihre eigenen Werte nimmt. Und gerade wirkt es, als würden wir anfangen zu testen, um zu sparen.

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