Samstag, 26. September 2026
Deutschland ist nicht Weimar

Die politische Lage in Deutschland,
wirkt derzeit so zugespitzt wie lange nicht. Bei den Landtagswahlen im September (Sachsen-Anhalt und Berlin) konnten Parteien des rechten (AfD) und des linken Flügels (Linke) deutliche Erfolge erzielen.
Gleichzeitig gerieten die demokratischen Parteien der Mitte (FDP und CDU scheiterten in Mecklenburg-Vorpommern an der 5%-Klausel) unter Druck.
Das erinnert ältere Beobachter an NPD-Zeiten. Der Vergleich ist verständlich, sollte aber nicht übertrieben werden.
Auch die Bundesrepublik hat schwere politische Krisen erlebt: die Auseinandersetzungen um die Wiederbewaffnung und die Ostpolitik, die Protestbewegung der 1960er-Jahre, den RAF-Terror und die Nachrüstungsdebatte. Trotzdem blieb die Demokratie stabil.
Ein entscheidender Unterschied zu Weimar sind die aktuell gefestigten, demokratischen Institutionen. Rechtsstaat, Gewaltenteilung, das Bundesverfassungsgericht und ein gefestigtes Parteiensystem bieten heute Schutz vor der AfD und einer politischen Entwicklung wie Anfang der 1930er-Jahre.
Auch die wirtschaftliche Lage ist trotz Wachstumsschwäche, hoher Preise und großer Unsicherheit nicht mit der Weltwirtschaftskrise und dem Massenelend jener Zeit vergleichbar. Das bedeutet jedoch nicht, dass die heutigen Probleme unterschätzt werden dürfen.
Der Erfolg der AfD und anderer Parteien an den politischen Rändern zeigt, dass viele Menschen mit der politischen Entwicklung unzufrieden sind. Ihre Sorgen müssen ernst genommen werden. Zugleich müssen die demokratischen Parteien klar für die Grenzen des Rechtsstaates und den Schutz der Grundrechte eintreten.
Dazu gehört auch, notwendige, sozialverträgliche Reformen bei Rente, Gesundheit und Wirtschaft anzugehen. Solche Reformen waren in der Bundesrepublik immer umstritten. Auch Adenauer, Brandt und Kohl mussten bei wichtigen politischen Entscheidungen erheblichen Widerstand überwinden.

Fazit
Deutschland befindet sich heute in einer schwierigen politischen Phase. Aber Deutschland ist nicht Weimar. Die demokratischen Institutionen sind gefestigt. Entscheidend ist, ob die Politik diese Stärke nutzt, um Probleme zu lösen, Vertrauen zurückzugewinnen und die Demokratie zu verteidigen.

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Dienstag, 22. September 2026
Berliner Linke - Wahl gewonnen - Glaubwürdigkeit verloren

Berlin hat gewählt, und die Linke freut sich über einen deutlichen Wahlerfolg. Doch mit dem Wahlsieg beginnt die eigentliche Bewährungsprobe. Denn ein Wahlprogramm ist noch keine Regierungspolitik.
Im Mittelpunkt steht die Wohnungspolitik. Die Linke will die Mieten bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen begrenzen, konsequenter gegen Mietwucher vorgehen und große private Wohnungsbestände vergesellschaften. Gerade für Menschen, die unter steigenden Mieten leiden, sind das nachvollziehbare Ziele. Doch entscheidend ist, ob sie auch praktisch und rechtlich umsetzbar sind.
Bei einer Vergesellschaftung geht es schließlich nicht nur um politische Absichten. Es geht um Milliardenbeträge, Entschädigungen, rechtliche Auseinandersetzungen und die Frage, welche Auswirkungen ein solcher Eingriff auf den Wohnungsmarkt und private Investitionen hätte.
Berlin muss deshalb mehr beantworten als die Frage, was verändert werden soll. Die entscheidende Frage lautet: Wie soll es finanziert und umgesetzt werden? Die Glaubwürdigkeit zeigt sich im Umgang mit schwierigen Fällen.

Für die Linke gibt es daneben ein weiteres Problem,
ihre Glaubwürdigkeit beim Umgang mit organisierter Kriminalität und Antisemitismus.
Auf der Wahlparty des Neuköllner Bezirksverbands erschien der Clan Chef Issa Remmo. Die Partei erklärte, er sei nicht eingeladen gewesen und anschließend wieder hinausgeschickt worden.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass die Berliner Linke die Aktivitäten oder Positionen dieses Mannes unterstützt. Trotzdem ist der Vorgang politisch unangenehm – gerade weil die Partei gleichzeitig einen konsequenten Kampf gegen organisierte Kriminalität fordert.
Ähnlich verhält es sich mit den Antisemitismusvorwürfen im Umfeld der Berliner Linken. Elif Eralp hat sich klar gegen Gewaltverherrlichung gestellt und den Schutz jüdischen Lebens betont. Entscheidend wird nun sein, ob diese Haltung auch innerhalb der eigenen Partei konsequent durchgesetzt wird.
Dabei sollte man fair bleiben: Einzelne Personen oder Vorfälle dürfen nicht automatisch der gesamten Partei zugerechnet werden. Aber eine Partei muss sich daran messen lassen, wie sie mit solchen Vorgängen umgeht.

Fazit
Die Berliner Linke hat den Wählerinnen und Wählern einen politischen Wechsel versprochen: bezahlbare Wohnungen, soziale Sicherheit und Verbesserungen bei Polizei und Verwaltung.
Nun muss sie zeigen, was davon unter den realen Bedingungen Berlins möglich ist.
Denn die Stadt hat einen angespannten Haushalt, einen erheblichen Investitionsbedarf und zahlreiche ungelöste Probleme.
Große politische Ziele müssen deshalb mit Geld, Recht und praktischer Machbarkeit zusammengebracht werden.
Wahlen werden mit Stimmen gewonnen. Regierungen aber werden an ihren Ergebnissen gemessen. Jetzt ist die Berliner Linke am Zug - um nicht zu sagen am Steuer.

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Wenn die alten Gewissheiten verschwinden

Dieser Wahlsonntag - 20.09.2026,
sollte uns zu denken geben. Nicht, weil die Wählerinnen und Wähler „falsch“ gewählt hätten. In einer Demokratie entscheidet der Souverän. Aber die Ergebnisse aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie sehr sich die politische Landschaft verändert hat, zeigt sich an den Erfolgen der AfD.
Die Zeiten, in denen Union und SPD als nahezu unverrückbare Säulen des politischen Systems galten, sind vorbei. Beide Volksparteien verlieren Bindungskraft, und auch die FDP findet kaum noch einen Platz im politischen Wettbewerb. Immer mehr Menschen wechseln ihre politische Heimat oder wenden sich Parteien zu, die früher außerhalb des politischen Mainstreams standen.

Besonders auffällig,
ist der Erfolg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Wer sie weiterhin ausschließlich als Protestpartei betrachtet, macht es sich zu einfach. Ein erheblicher Teil der Wählerinnen und Wähler unterstützt sie aus politischen Gründen. Das muss man zur Kenntnis nehmen – unabhängig davon, wie man die Partei und ihre Positionen beurteilt.
Ebenso wenig sollte man aber die AfD als normale bürgerliche Partei darstellen. Ihre politischen Vorstellungen unterscheiden sich in wichtigen Punkten von den Parteien der demokratischen Mitte.
Und wenn AfD-Politiker den Niedergang der CDU als Volkspartei öffentlich feiern, wird deutlich, dass es ihnen nicht lediglich um einen Wechsel der politischen Mehrheiten geht. Sie stellen den bisherigen politischen Wettbewerb grundsätzlich infrage.
Das sollte die demokratischen Parteien allerdings nicht dazu verleiten, sich ausschließlich über die AfD zu definieren.
Genau diese Gefahr ist inzwischen sichtbar. Manuela Schwesig hat in Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich die Auseinandersetzung mit der AfD in den Mittelpunkt gestellt. Das mag erklären, warum sie viele Wählerinnen und Wähler erreichen konnte. Aber eine Demokratie kann auf Dauer nicht davon leben, dass eine Partei vor allem deshalb gewählt wird, weil sie als Gegenpol zu einer anderen Partei gilt.

Die gleiche Entwicklung,
lässt sich – unter völlig anderen politischen Vorzeichen – in Berlin beobachten. Dort konnte die Linkspartei erheblich zulegen. Ihre politischen Vorstellungen reichen von klassischen sozialen Forderungen bis zu weitreichenden Veränderungen des Eigentums- und Wohnungsmarktes. Auch darüber muss man diskutieren können, ohne die Wählerinnen und Wähler pauschal in ein politisches Lager einzuordnen.
Vielleicht liegt genau hier das eigentliche Problem unseres politischen Systems: Die politischen Ränder werden stärker, während die Mitte an Bindekraft verliert.
Und die etablierten Parteien haben daran ihren Anteil.
Wer jahrelang verspricht, Probleme zu lösen, aber anschließend an der Umsetzung scheitert, darf sich nicht wundern, wenn Wählerinnen und Wähler nach Alternativen suchen. Wer Reformen ankündigt und sie anschließend aus parteipolitischen Gründen wieder infrage stellt, beschädigt das Vertrauen in die Politik zusätzlich.
Das gilt auch für die Bundesregierung und Friedrich Merz. Wenn der Kanzler Reformen fordert, muss er dafür nicht nur den politischen Gegner überzeugen, sondern zunächst die eigene politische Basis. Eine Regierung kann nicht dauerhaft gleichzeitig regieren und gegen die eigenen Vorhaben Wahlkampf machen.
Die Versuchung ist groß, jetzt wieder nach einfachen Erklärungen zu suchen: Die AfD sei schuld, die Linkspartei sei schuld, die Regierung sei schuld oder die Wähler seien zu ungeduldig. Keine dieser Erklärungen reicht aus.
Die politische Wirklichkeit ist komplizierter. Viele Menschen machen sich Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft, um steigende Kosten, um die Leistungsfähigkeit des Staates, um Migration, um Sicherheit und um die Frage, ob Politik überhaupt noch in der Lage ist, Probleme zu lösen. Wer diese Sorgen ignoriert, überlässt das Feld denjenigen, die einfache Antworten versprechen.
Deshalb sollte die Reaktion auf diesen Wahlsonntag nicht in Panik bestehen – aber auch nicht in Selbstzufriedenheit.
Die demokratischen Parteien müssen sich fragen, warum ihnen immer mehr Menschen den Rücken kehren. Sie müssen wieder deutlicher machen, wofür sie stehen und welche konkreten Probleme sie lösen wollen.
Demokratie bedeutet schließlich nicht, dass immer die Parteien gewinnen, die man selbst für richtig hält.
Demokratie bedeutet, die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler ernst zu nehmen – und anschließend um die besseren Argumente und die besseren Lösungen zu kämpfen.

Fazit
Die alten politischen Gewissheiten verschwinden. Das ist zunächst einmal eine Tatsache.
Ob daraus eine Erneuerung der Demokratie oder eine weitere Polarisierung entsteht, hängt auch davon ab, wie die Parteien mit diesem Wandel umgehen.

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Montag, 21. September 2026
Damals das Radio – heute die sozialen Medien

Eine Paralle,
zu den 1930er-Jahren ist offensichtlich: Damals wie heute zählen technische Medien zu den mächtigsten Instrumenten politischer Meinungsbildung. Nicht das Medium selbst ist dabei das Problem, sondern die Art und Weise, wie es genutzt wird.

Zur Zeit des Nationalsozialismus,
erkannte Joseph Goebbels früh die enorme Wirkung des Radios/Volksempfängers.
Die nationalsozialistische Propaganda konnte damit Millionen Menschen unmittelbar erreichen. Politische Parolen, Feindbilder und ein gezielt geprägtes und vorgegebenes Bild der Wirklichkeit wurden ständig wiederholt. Auf diese Weise sollte die Propaganda für die Bevölkerung zur vermeintlichen Normalität werden.
Heute übernehmen die sozialen Medien in mancher Hinsicht eine vergleichbare Funktion: Sie ermöglichen es politischen Akteuren, ihre Botschaften ohne die redaktionellen Filter klassischer Medien unmittelbar an ein großes Publikum zu verbreiten.
Die AfD nutzt diese Möglichkeiten besonders intensiv. Kurze Videos, zugespitzte Aussagen, emotionale Bilder und wiederholte politische Botschaften können innerhalb kürzester Zeit eine enorme Reichweite erzielen.

Dabei entsteht Folgendes,
das man nicht unterschätzen sollte: Was ständig wiederholt und im eigenen digitalen Umfeld immer wieder bestätigt wird, kann irgendwann wie eine objektive Beschreibung der Wirklichkeit erscheinen. Meinung wird dann mit Tatsache verwechselt. Politische Behauptungen können zu vermeintlichen Fakten werden.
Der Vergleich mit den 1930er-Jahren, und den heutigen sozialen Medien, bedeutet deshalb keineswegs, die heutige Situation mit der nationalsozialistischen Diktatur gleichzusetzen. Die politischen Systeme, die gesellschaftlichen Bedingungen und auch die Medienlandschaften unterscheiden sich grundlegend. Dennoch zeigt die Geschichte, welche Macht Kommunikationsmittel entwickeln können, wenn politische Propaganda sie gezielt und systematisch nutzt.

Deshalb sollten wir den sozialen Medien,
nicht die Deutungshoheit über unsere Wirklichkeit überlassen. Wer Demokratie ernst nimmt, muss sich die Mühe machen, Informationen zu überprüfen, unterschiedliche und möglichst unabhängige Quellen heranzuziehen und auch unbequeme Fakten zur Kenntnis zu nehmen. Gerade in einer Zeit, in der politische Botschaften mit wenigen Klicks millionenfach verbreitet werden können, ist kritisches Denken keine Nebensache, sondern eine Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie

Fazit
Demokratie lebt davon, dass wir zwischen Behauptung und Wahrheit unterscheiden können.
Das macht soziale Medien zu einem wichtigen politischen Machtinstrument. Die AfD hat diese Möglichkeiten früh erkannt und nutzt sie konsequent. Sie setzt dabei vielfach auf kurze, emotional aufgeladene Botschaften, die sich leichter verbreiten als komplexe politische Zusammenhänge.
Die historische Parallele zur NS-Zeit sollte deshalb nicht darin gesehen werden, die heutige Situation mit der damaligen Diktatur gleichzusetzen. Sie liegt vielmehr in einer grundsätzlichen Erkenntnis: Technische Medien sind niemals nur neutrale Übertragungswege. Wer ihre Möglichkeiten gezielt für politische Propaganda nutzt, kann damit die öffentliche Wahrnehmung erheblich beeinflussen.
Umso wichtiger ist es, Botschaften nicht allein danach zu beurteilen, wie häufig sie auftauchen oder wie emotional sie wirken. Entscheidend ist, was hinter ihnen steht: Welche Fakten werden genannt? Was wird weggelassen? Welche Versprechen sind tatsächlich umsetzbar? Und welches Bild der Wirklichkeit wird uns vermittelt?

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Sonntag, 20. September 2026
Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin

Niederlage der Demokratie
Das Wahlergebniss in Mecklenburg-Vorpommern (AfD stärkste Partei) ist nicht nur für den Autor in bedrückendes Signal. Die Stärke der AfD zeigt unübersehbar, wie groß die Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung geworden ist. Wer diese Entwicklung einfach als vorübergehenden Protest abtut, macht es sich zu leicht.
Glücklicherweise haben in Berlin, alle demokratischen Parteien (Die Linke, stärkste Partei) - wie auch in - Mecklenburg-Vorpommern - weiterhin die Möglichkeit (wenn auch unter erschwerten Bedingungen), Mehrheiten - ohne die AfD - zu bilden und gemeinsam Regierungsverantwortung zu übernehmen.
Jetzt kommt es auf konkretes Handeln an. Die demokratischen Parteien sollten ihre Gespräche nicht an parteipolitischen Eitelkeiten scheitern lassen. Sie müssen klären, welche politischen Ziele sie gemeinsam verwirklichen können, wo Kompromisse möglich sind und wo klare Grenzen bestehen.
Statt sich gegenseitig mit Vorwürfen zu überziehen, sollten sie den Bürgerinnen und Bürgern offen sagen, was sie gemeinsam erreichen wollen und wie sie es finanzieren wollen.
Dazu gehört auch, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen: bei den Lebenshaltungskosten, beim Wohnungsbau, bei Migration und Integration, bei Bildung, innerer Sicherheit und einer funktionierenden Verwaltung. Wer möchte, dass Menschen Vertrauen in demokratische Politik zurückgewinnen, muss ihnen zeigen, dass Politik ihre konkreten Probleme wahrnimmt und Lösungen liefert.
Die demokratischen Parteien sollten deshalb jetzt Verantwortung übernehmen: miteinander reden, tragfähige Vereinbarungen treffen, eine handlungsfähige Regierung bilden und anschließend sichtbar liefern. Nicht die AfD sollte bestimmen, worüber die demokratischen Parteien sprechen. Die demokratischen Parteien selbst müssen zeigen, wofür sie stehen und was sie besser machen wollen.

Fazit
Die Wahlergebnisse sind ein Weckruf. Am Ende entscheidet nicht, wer die lautesten Parolen hat, sondern wer den Menschen überzeugend zeigen kann, dass demokratische Politik ihre Probleme ernst nimmt und konkrete Lösungen zustande bringt. Jetzt ist die Zeit, diesen Anspruch unter Beweis zu stellen. Die Antwort darauf sollte nicht gegenseitige Schuldzuweisung sein, sondern Zusammenarbeit, klare Ziele und entschlossenes Regierungshandeln.

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Samstag, 19. September 2026
Protest wählen – und was kommt danach?

Demokratische Wahlen,
ermöglichen uns, unsere alltäglichen Vorstellungen und Bedürfnisse in politische Entscheidungen einzubringen: Bildungssysteme, bezahlbare Mieten, sichere Arbeitsplätze, soziale Absicherung, bezahlbares Gesundheitswesen, funktionales, öffentliches Verkehrswesen und ein sicheres Umfeld – am Tag wie in der Nacht.
Wir entscheiden damit auch, wem wir zutrauen, diese Interessen zu vertreten und politische Verantwortung zu übernehmen.
Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sind deshalb – wie alle anderen Wahlen – mehr als ein Kreuz auf dem Stimmzettel. 
Sie bedeuteten, einer Partei Einfluss zu geben und ihre Vorstellungen im Parlament zu stärken und umzusetzen.
Gerade deshalb lohnt es sich, vor der Wahl genauer hinzusehen: Was steht tatsächlich hinter den Versprechen und Forderungen, der Partei, die man wählen möchte? Welche Ziele verfolgt diese Partei – und passen diese zu dem, was ich mir von Politik und meinem eigenen Leben erwarte?
Dieser Maßstab sollte für jede Partei gelten. Auch die AfD muss deshalb daran gemessen werden, welche konkreten politischen Ziele sie verfolgt und welche Veränderungen sie anstrebt. Wer sie aus Protest wählen möchte, sollte sich ebenso fragen, ob die eigenen politischen Erwartungen tatsächlich mit ihren Positionen übereinstimmen.
Denn Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen ist das eine. Einer bestimmten Partei politische Unterstützung und damit parlamentarischen Einfluss zu geben, ist etwas anderes.

Fazit
Wer seine Stimme abgibt, sollte deshalb wissen, welche politischen Kräfte er damit stärkt – und welche (negativen) Folgen daraus entstehen können.

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Wahl in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

Klare Vorstellungen
Sie/Er sollte sich vor der Wahl eine ganz einfache Frage stellen: Was genau unterstütze ich eigentlich mit meiner Stimme?
Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl geht es natürlich, wie auch in Mecklenburg-Vorpommern, um Mieten, Wohnungsbau, Bildung, Verkehr und Sicherheit. Es geht darum, wer künftig politische Verantwortung übernimmt und welche politischen Entscheidungen getroffen werden.
Aber es geht auch um eine andere Frage: Wie stark soll die AfD im Parlament werden?
Aktuelle Umfragen sehen die AfD - z.B. in Berlin - bei etwa 17 bis 18 Prozent. Damit ist sie ein gewichtiger Faktor im Berliner Parteiensystem.
Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen. Denn eine Stimme für eine Partei ist mehr als ein Denkzettel für die anderen. Sie stärkt deren politische Positionen – und kann ihnen Einfluss und parlamentarische Macht verschaffen.
Das gilt natürlich nicht nur für die AfD. Wer eine Partei wählt, sollte sich mit deren Programm, ihren Forderungen und ihrem politischen Handeln auseinandersetzen. Protest ist ein legitimer Grund, unzufrieden zu sein. Aber Protest allein beantwortet bisher nicht die Frage, was danach kommen soll. Gerade bei der AfD lohnt deshalb ein Blick hinter die Parolen.

Wer die AfD wählt, sollte sich nicht nur fragen
Wogegen bin ich? Sondern vor allem:
Wofür gebe ich dieser Partei meine Stimme? Welche Politik unterstütze ich damit? Welche Veränderungen wären die mögliche Folge? Und könnte ich diese Konsequenzen auch dann noch vertreten, wenn sie mich selbst betreffen?
Das ist keine Frage, die nur AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler beantworten müssen. Auch demokratische Parteien und ihre Wählerinnen und Wähler müssen sich fragen, welche Politik sie wollen. Nichtwählen, taktisches Wählen und die Aufteilung der Stimmen verändern ebenfalls die Kräfteverhältnisse im Parlament.
Deshalb sollte die Berliner Wahl nicht auf ein schlichtes „für oder gegen die AfD“ reduziert werden.
Aber sie sollte Anlass sein, genauer hinzusehen.
Denn Demokratie besteht nicht nur darin, einen Wahlzettel in die Urne zu werfen. Demokratie bedeutet auch, sich darüber klar zu werden, welche politische Richtung man damit stärkt.
Eine Wahlstimme ist kein Wutausbruch für fünf Jahre. Sie ist auch kein harmloser Protestzettel.

Fazit
Wer AfD wählt, sollte deshalb nicht nur wissen, worüber er sich ärgert. Er sollte wissen, was er damit wählt.
Und wer Demokratie erhalten will, sollte sich bei seiner Wahlentscheidung daran erinnern, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist.
Nie wieder Politik, die aus Ausgrenzung, Nationalismus und der Abwertung anderer Menschen ihre Stärke zieht.

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Freitag, 18. September 2026
Geschäftsmodell Politik
Wenn Politik zum Geschäftsmodell wird

Eine Wahl ist kein lebenslanger Anspruch. Es ist ein zeitlich begrenzter Auftrag durch die Bürgerinnen und Bürger. Trotzdem sollte man sich genauer anschauen, welche persönlichen Vorteile mit einem erfolgreichen politischen Mandat verbunden sind.
Ein Bundestagsabgeordneter erhält derzeit mehr als 11.800 EUR monatliche Abgeordnetenentschädigung. Dazu kommen unter anderem eine steuerfreie Aufwandspauschale und ein vom Bundestag finanziertes Mitarbeiterbudget. Nebentätigkeiten und bestimmte zusätzliche Einkünfte müssen offengelegt werden. Das alles ist zunächst vollkommen legitim und soll die unabhängige Ausübung des Mandats ermöglichen.
Aber genau deshalb darf man die Frage stellen: Was passiert, wenn der politische Erfolg zum Geschäftsmodell wird?
Wer mit zugespitzter Aggressivität Aufmerksamkeit erzeugt, Ängste und Empörung mobilisiert, dadurch Wählerstimmen gewinnt und anschließend ein gut bezahltes Mandat erhält, hat einen ganz konkreten persönlichen Nutzen von seinem politischen Erfolg. Mit wachsender Bekanntheit wachsen zugleich Einfluss, öffentliche Präsenz und politische Karrierechancen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass alle AfD-Politiker ihre eigenen politischen Überzeugungen nur vorspielen. Dafür gibt es keinen seriösen Beleg. Und selbstverständlich gibt es auch in anderen Parteien Menschen, für die ein politisches Mandat mit persönlichen Vorteilen verbunden ist.

Die entscheidende Frage ist deshalb eine andere
Wird Politik noch in erster Linie als Auftrag an die Gesellschaft verstanden – oder wird politische Empörung zum Mittel, um Stimmen, Mandate, Einkommen, Einfluss und persönliche Bekanntheit zu gewinnen?
Gerade bei der AfD lohnt sich diese Frage. Denn eine Partei kann politisch davon profitieren, wenn sie komplexe Probleme auf einfache Feindbilder reduziert, Ängste aufgreift und sich gleichzeitig als einzige Kraft darstellt, die angeblich „endlich ausspricht, was andere verschweigen“. Je größer die Aufmerksamkeit, desto größer die politische Reichweite – und desto größer können auch die persönlichen und institutionellen Vorteile des politischen Erfolgs werden.

Fazit
Der Kern der Geschäftsmodell-These, ist nicht die Behauptung, dass jeder AfD-Politiker ein Überzeugungstäter oder ein Schauspieler ist. Sondern die nüchterne Feststellung, dass politische Zuspitzung, öffentliche Aufmerksamkeit, Wählerstimmen und persönliche politische Vorteile miteinander verbunden sein können.
Deshalb sollten wir bei politischen Parolen nicht nur fragen: Was wird versprochen? Sondern auch: Wem nützt es, wenn diese Parolen erfolgreich sind – den Bürgerinnen und Bürgern, der Partei oder vor allem denjenigen, die von ihrem politischen Erfolg leben?

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Mittwoch, 16. September 2026
Kommunale Macht

Landtagswahl in Niedersachsen - 26. September 2026
In Niedersachsen findet die AfD bescheidenere Dimensionen als in Sachsen-Anhalt vor.
Bei der vergangenen Kommunalwahl war die AfD in Niedersachsen noch weit davon entfernt, eine flächendeckend starke kommunale Kraft zu sein. Entsprechend der Wahlvorhersage, wird es aktuell immer enger.
Das macht die kommende Landtagswahl bundespolitisch interessant. Denn die entscheidende Frage lautet nicht allein, wie viele Stimmen die AfD erhält, sondern ob sie ihren bundesweiten Stimmenzuwachs auch in dauerhaften kommunalen Einfluss umsetzen kann. Dabei sollte man allerdings einen wichtigen Unterschied nicht übersehen: Eine Bundestagswahl und eine Kommunalwahl funktionieren politisch nicht nach denselben Regeln. Bei Kommunalwahlen spielen örtliche Kandidatinnen und Kandidaten, persönliche Bekanntheit, konkrete Probleme vor Ort und die bisherige Arbeit in den Gemeinden eine wesentlich größere Rolle.
Trotzdem wäre es falsch, den Bundestrend als bedeutungslos abzutun. Wenn eine Partei bundesweit deutlich an Zustimmung gewinnt und gleichzeitig immer mehr Gemeinden erreicht, kann daraus Schritt für Schritt eine stärkere kommunale Verankerung entstehen. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der nächsten Kommunalwahl in Niedersachsen: Sie wird zeigen, ob der bundesweite Aufstieg der AfD auch vor Ort zu mehr politischer Macht und Verantwortung führt.
Denn mit dem Einzug in Gemeinderäte beginnt erst die eigentliche Bewährungsprobe.

Fazit
Wahlversprechen lassen sich nicht mehr nur auf Plakaten formulieren. Sie müssen sich an konkreten Entscheidungen, Mehrheiten und den tatsächlichen Folgen für die Menschen in den Gemeinden messen lassen.

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Dienstag, 15. September 2026
Theorie und Praxis

Die AfD und die „kleinen Leute“ – wem nutzt ihre Politik?
Die AfD gibt sich gern als Partei der „kleinen Leute“. Besonders in Krisenzeiten funktioniert dieses politische Muster: Ängste vor steigenden Preisen, sozialem Abstieg, Arbeitsplatzverlust, mangelnder Wohnraum, teure Mieten und einer unsicheren Zukunft werden aufgegriffen und politisch zugespitzt.
Doch wer genau hinschaut, sollte sich eine einfache Frage stellen:
Ist die AfD tatsächlich die Partei derjenigen, die sie zu vertreten vorgibt – oder versteht sie es vor allem, deren Ängste politisch zu nutzen?

Ihr Erfolgsrezept,
besteht häufig aus einer Mischung aus rechtem Kulturkampf, vereinfachenden Friedensforderungen und sozialpolitischer Rhetorik. Komplexe gesellschaftliche Probleme werden auf einfache Schuldzuweisungen reduziert. Geflüchtete, Migrant*innen, politische Gegner oder „die da oben“ werden zu Verantwortlichen für Entwicklungen gemacht, deren Ursachen weitaus komplizierter sind.
Gerade bei sozialen Fragen ist das bemerkenswert. Denn die entscheidende Frage müsste eigentlich lauten:
Warum reicht das Einkommen vieler Menschen trotz Arbeit kaum noch zum Leben? Warum steigen Mieten, Energie- und Lebenshaltungskosten? Warum wächst die soziale Ungleichheit? Und wer trägt dafür politische Verantwortung?
Statt diese Verteilungsfragen konsequent in den Mittelpunkt zu stellen, werden soziale Ängste nicht selten mit nationalistischen und rassistischen Deutungen verbunden. Aus der berechtigten Sorge um die eigene Zukunft wird so schnell die Abwertung anderer.
Das ist politisch ausgesprochen wirksam. Denn wo Unsicherheit herrscht, haben einfache Antworten Konjunktur. Wo Menschen das Gefühl bekommen, die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu verlieren, können diejenigen punkten, die behaupten, für jedes Problem einen Schuldigen zu kennen.
Hinzu kommt, dass autoritäre, nationalistische und rassistische Einstellungen in Teilen der Gesellschaft vorhanden sind. Die AfD muss diese Einstellungen nicht erfinden. Sie kann an sie anknüpfen, sie verstärken und politisch mobilisieren.
Dass sie dabei zunehmend auch Arbeitnehmer*innen und Angestellte erreicht, sollte deshalb nicht einfach als Widerspruch abgetan werden. Es ist vielmehr eine politische Herausforderung.

Fazit
Eine entscheidende Frage lautet:
Was bringt Menschen dazu, einer Partei ihre Stimme zu geben, deren politische Vorstellungen möglicherweise mit ihren eigenen sozialen Interessen kollidieren?
Vielleicht liegt ein Teil der Antwort darin, dass Menschen nicht ausschließlich nach ihrem materiellen Interesse wählen. Zugehörigkeit, Wut, Angst, Enttäuschung, Sicherheitsbedürfnis und das Gefühl, von der Politik nicht mehr gehört zu werden, können ebenso entscheidend sein. Genau deshalb reicht es nicht, AfD-Wähler*innen einfach als „abgehängt“ oder „dumm“ zu bezeichnen. Das wäre nicht nur arrogant, sondern politisch kurzsichtig.
Man muss ihre Motive verstehen – und gleichzeitig die politischen Versprechen der AfD kritisch prüfen.
Denn am Ende zählt nicht, wie oft eine Partei von den „kleinen Leuten“ spricht. Es zählt, welche Politik sie tatsächlich für sie macht. Und genau dort sollte die Diskussion beginnen.
Nicht bei den Schlagworten. Nicht bei den Feindbildern. Sondern bei der einfachen Frage: Wem nutzt diese Politik – und wem schadet sie?

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