Der Pharmakonzern Eli Lilly baut in Alzey ein Werk für das Abnehmmedikament Mounjaro.
2023 feierten Ex-Bundeskanzler Scholz und der damalige Gesundheitsminister Lauterbach, das als großen Erfolg.
Jetzt droht der Konzern damit, diese Investition zu halbieren, falls das geplante Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge kommt.
Das Gesetz verfolgt ein nüchternes Ziel: Herstellerrabatte sollen künftig dynamisch an die Kassenentwicklung gekoppelt, Rabattverträge ausgeweitet werden. Pragmatisches Kostenmanagement – keine Revolution.
Was den Fall besonders pikant macht,
um Eli Lilly nach Alzey zu locken, hatte die damalige Bundesregierung dem Konzern erlaubt, Arzneimittelpreise geheim zu halten – eine Regelung, die interne Mails als maßgeschneidertes Geschenk entlarvten. Eli Lilly nutzte das Privileg sofort. Mounjaro wird heute zu einem Preis abgerechnet, den niemand kennen darf.
Und jetzt droht derselbe Konzern mit Rückzug, wenn die Kassen nicht weiter ungehemmt belastet werden dürfen.
Das Muster ist bekannt
Pharmaunternehmen verknüpfen Standortentscheidungen mit Preisforderungen – obwohl beides rechtlich nichts miteinander zu tun hat. Es ist politisch wirksam, weil es Deutschlands Empfindlichkeit beim Thema Wirtschaftsstandort trifft. Aber inhaltlich ist die Drohung hohl.
Was jetzt zu tun wäre
Die Antwort auf solche Drohszenarien kann nicht Kapitulation sein. Es gibt konkrete Hebel:
Die „Lex Lilly” – also die Geheimpreisregelung – gehört abgeschafft. Sie war von Anfang an ein Fehler und treibt die Ausgaben nachweislich in die Höhe. Wer künftig staatliche Förderung oder Steuervergünstigungen erhält, sollte das an klare Bedingungen geknüpft sehen – inklusive Rückforderungsklauseln, falls zugesagte Investitionen ausbleiben.
Auf europäischer Ebene liegt die größte Chance: Wenn EU-Staaten gemeinsam mit Pharmaunternehmen verhandeln, verlieren nationale Drohszenarien ihren Hebel. Dazu braucht es mehr Transparenz über Forschungs- und Produktionskosten – damit Preisforderungen endlich auf einer sachlichen Grundlage bewertet werden können.
Langfristig hilft nur eine stärkere öffentliche Förderung der Grundlagenforschung, um die strukturelle Abhängigkeit von privaten Konzernen bei der Medikamentenentwicklung zu verringern.
Fazit
Krankenkassen sind keine Subventionsbehörden für Pharmainvestoren. Stabile Beiträge liegen im Übrigen auch im Interesse der Industrie – sie sichern die Kaufkraft des Systems, von dem die Konzerne selbst profitieren. Die Drohung von Eli Lilly ist deshalb nicht nur unsolidarisch. Sie ist auch kurzsichtig.
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