Ja, der Iran ist ein Gegner der offenen Gesellschaft. Das Regime in Teheran unterdrückt Frauen, verfolgt Homosexuelle, tötet Dissidenten, finanziert Terror und betreibt ein undurchsichtiges Atomprogramm. Aber aus einer richtigen Diagnose folgt noch keine richtige Therapie.
Der Denkfehler der Transatlantiker
Hier liegt der Denkfehler einiger Transatlantiker, die nun nach militärischem Schulterschluss mit Donald Trump rufen. Europa darf seine Interessen nicht an einen Präsidenten ausliefern, der Krieg wie eine Castingshow inszeniert, Bündnisse wie ein Schutzgelderpresser behandelt und Politik zur Launenveranstaltung degradiert.
Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, Mathias Döpfner, warnt vor einer „Entsolidarisierung“ mit den USA. Das stimmt – und ist doch nur die halbe Wahrheit. Die Entsolidarisierung betrifft Trump und nicht die USA.
Europa hat eigene Interessen
Ja, der Iran betrifft Europa. Die Mullahs bedrohen europäische Interessen und Israels Sicherheit.
Aber daraus folgt nicht, dass Europa militärisch hinter Trump herlaufen muss.
Die Alternative „Mitziehen oder kapitulieren“ ist strategisch dürftig – und politisch gefährlich.
Europa hat eigene Handlungsmöglichkeiten
• Schutz jüdischer Einrichtungen
• Zerschlagung von Netzwerken der Revolutionsgarden
• Verschärfung von Sanktionen
• Stärkung der Cyberabwehr
• Unterstützung der Sicherheit Israels
All das ist möglich – ohne sich in einen Krieg hineinziehen zu lassen, den Europa weder beschlossen hat noch kontrollieren kann.
Trump will keine Partner – sondern Gefolgschaft. Trump hat Europa nicht einmal konsultiert. Er hat Verbündete übergangen und anschließend öffentlich unter Druck gesetzt.
Seine Drohung, die USA könnten „für die NATO nicht da sein“, ist kein Ausrutscher. Sie ist Prinzip.
Solidarität nach Kassenlage
Wer so redet, sucht keine Partner – sondern Vasallen.
Ein Krieg ohne Ziel ist ein Risiko ohne Ende. Bis heute bleibt unklar, was dieser Krieg politisch erreichen soll:
• Regimewechsel?
• Abschreckung?
• Zerstörung des Atomprogramms?
Nichts davon ist überzeugend definiert. Ein Krieg ohne klares Ziel ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Überforderung.
Wer nicht sagen kann, wann Schluss ist und was danach kommt, eröffnet eine Krise ohne Verfallsdatum.
Die gefährliche Logik der Erpressung
Besonders problematisch ist der Versuch, die Iran-Frage mit der Ukraine zu verknüpfen:
Wer im Iran nicht folgt, soll in der Ukraine weniger Unterstützung erwarten.
Das ist keine Strategie. Das ist Erpressung
Die Unterstützung der Ukraine ergibt sich aus Europas eigenen Interessen – nicht aus geopolitischem Wohlverhalten gegenüber Washington.
Wer alles zu Deals macht, übernimmt Trumps Weltbild.
Und verliert dabei Einfluss und Würde.
Europa zahlt schon jetzt den Preis und dieser Konflikt trifft Europa bereits:
• steigende Ölpreise
• fragile Lieferketten
• wachsende Terrorgefahr
• zunehmende Cyberangriffe
Selbst ohne eigene Truppen ist Europa stärker betroffen als die USA.
Wer jetzt mehr militärisches Engagement fordert, handelt fahrlässig.
Vernunft statt Kriegsrhetorik
Stimmen aus Europa – etwa von Emmanuel Macron, Friedrich Merz, Pedro Sánchez und Keir Starmer – wirken derzeit deutlich besonnener als viele selbsternannte Strategen.
Distanz ist keine Schwäche. Sie ist Ausdruck politischer Reife.
Die Lehren aus Irak, Afghanistan und Libyen sind eindeutig:
Nicht jeder moralisch begründete Krieg ist auch politisch klug.
Kein Blankoscheck für Trump
Europa schuldet Israel Solidarität. Aber Europa schuldet Donald Trump keinen Blankoscheck.
Wer Teheran einhegen will, braucht
• klare Ziele
• funktionierende Diplomatie
• wirtschaftlichen Druck
• starke innere Sicherheit
Und vor allem politische Führung, die zwischen Macht und Inszenierung unterscheiden kann.
Trump kann das nicht. Er will Beifall – keine Strategie. Gefolgschaft – keine Partnerschaft.
Fazit
Europa darf sich nicht in diesen Krieg hineinziehen lassen. Wer das zulässt, gibt nicht nur strategische Kontrolle auf sondern auch ein Stück europäischer Selbstachtung.
Sie ist Ausdruck politischer Reife. Die Lehren aus Irak, Afghanistan und Libyen sind eindeutig:
Nicht jeder moralisch begründete Krieg ist auch politisch
... comment