Dienstag, 10. Februar 2026
Olympia in Hamburg

Bitte nicht noch einmal
Wie schon 2015 möchte die Stadt Hamburg erneut über eine Olympiabewerbung abstimmen - klingt sportlich und fortschrittlich. Kann man eher aber als politisches Marketing enttarnen. Die Hamburger*innen haben 2015 Nein - gesagt. Das aus guten Gründen. Wer sich erinnert, weiß: Die Versprechen waren groß, die Risiken größer.
Die neue Umfrage, ein sogenanntes Bürgerschaftsreferendum ist ein am 31. Mai 2026 angesetztes, von der Hamburgischen Bürgerschaft beschlossenes Referendum. Der Bewerbungsprozess gilt sowohl für die Olympischen Sommerspiele 2036, als auch 2040 und 2044.
Elf Jahre nach 2015 haben sich die grundlegenden Probleme wenig geändert – an der Verpackung dagegen einiges.
Jetzt ist von „Festivalcharakter“ und der „schönen Seite der Stadt“ die Rede. Klingt nicht gerade sportlich - eher nach politischen Marketing. Ein zweiter Blick - über die Auswirkunken der Spiele - lohnt sich auch für sportaffine Sympathisanten.

Die schöne Fassade – und was dahinter steht
Großsportereignisse verkaufen sich gern als Motor für Stadtentwicklung, internationale Aufmerksamkeit und wirtschaftliche Impulse. Die Realität in den Austragungsstädten sieht regelmäßig anders aus: Sicherheitszonen, Ausnahmezustände, massive Eingriffe in den Alltag und hohe öffentliche Kosten.

Paris 2024
hat gezeigt, was moderne Mega-Events bedeuten: zehntausende Sicherheitskräfte, weiträumige Sperren, Zugangsbeschränkungen, Überwachung. Wer den G20-Gipfel in Hamburg erlebt hat, kann sich vorstellen, was das im Dauerbetrieb heißt.
Nach aktuellem Planungsstand sollen zudem zahlreiche olympische Sportarten direkt auf St. Pauli stattfinden. Ein dicht besiedeltes Viertel würde zur Sicherheitszone umgebaut.

Was Olympia erfahrungsgemäß mit Städten macht
Olympische Spiele sind kein Stadtfest. Sie sind ein Hochsicherheitsprojekt. Das bedeutet erfahrungsgemäß:
• weiträumige Sicherheitszonen
• Zugangskontrollen für Anwohner*innen
• präventive, häufig anlasslose Polizeikontrollen
• Einschränkungen von Versammlungsfreiheit
• Verkehrsumbauten und Sonderfahrspuren („Olympic Lanes“)
• Dauerbaustellen und erhebliche Lärmbelastung
• massive Tourismusspitzen und Preissteigerungen
Kurz: Die Alltagsprobleme werden zur Nebensache.

Der Sport als Begründung – aber nicht als Gewinner
Gern wird argumentiert, Olympia stärke den Sport vor Ort. Das ist mindestens fraglich.
Das olympische Fußballturnier würde nicht einmal in Hamburg stattfinden. Und selbst beim Stadionausbau des Millerntors wurde bereits klargestellt: Die politische Unterstützung dafür ist nicht an eine Olympia-Bewerbung gebunden. Das Argument „Olympia bringt uns Stadionausbau und Modernisierung “ zieht also nicht.
Breitensport profitiert erfahrungsgemäß deutlich weniger als erhofft – während Spitzensportinszenierung und Markenrechte im Mittelpunkt stehen.

Das IOC: privat organisiert, öffentlich bezahlt
Ein zentraler Punkt wird in der öffentlichen Debatte gern weichgezeichnet: Das Internationale Olympische Komitee ist keine demokratische Institution. Es ist ein privater Verband mit enormer wirtschaftlicher Macht und im Umkehrschluß - politischer Macht.
Kritikpunkte seit Jahren:
• intransparente Entscheidungsstrukturen
• Korruptionsaffären in der Vergangenheit
• schwache Mitbestimmung der Athlet*innen
• problematische Menschenrechtsbilanz bei Austragungsorten
• Kommerzialisierung über alles
Die Gewinne steckt das IOC ein. Die Risiken trägt die Gemeinschaft.
Viele offizielle Olympia-Sponsoren würden zudem nicht einmal die Nachhaltigkeits- und Ethikstandards erfüllen, die sich zivilgesellschaftliche Initiativen und auch Teile des Hamburger Sports selbst gegeben haben.

Brot und Spiele statt Stadtpolitik
Mega-Events erzeugen Aufmerksamkeit – und lenken Aufmerksamkeit. Während Milliardenprojekte geplant, gebaut und vermarktet werden, rücken andere Themen in den Hintergrund: soziale Spaltung, Bildungsgerechtigkeit, Klimaanpassung, bezahlbares Wohnen, Pflege, Integration. Olympia ist auch ein politisches Ablenkungsinstrument. Nicht immer bewusst. Aber regelmäßig wirksam.

Hamburg braucht keine Spiele. Hamburg braucht Investitionen. Die Frage ist nicht, ob Sport wichtig ist. Die Frage ist, ob Olympische Spiele der richtige Weg sind, um Sport, Stadt und Gesellschaft voranzubringen.

Fazit
Als leidenschaftlicher Sportler, war für mich schon das Nein 2015 vernünftig. Es gibt keinen überzeugenden Grund, Heute anders zu entscheiden. Hamburg hat genug echte Baustellen:
Bezahlbarer Wohnraum, soziale Infrastruktur, Bildung, Klimaanpassung, öffentlicher Nahverkehr, kulturelle Räume. Dafür braucht es langfristige Investitionen – keine drei Wochen Ausnahmezustand mit fünfzehn Jahren Nachwirkung.

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