Kann man diesen Menschen noch ernst nehmen? Das Problem ist: Wir müssen es.
Die aktuellen militärischen, wirtschaftlichen (IT-Plattformen) Abhängigkeiten der Europäischen Union (EU) von den USA verschaffen dem Egomanen Trump gegenüber der EU den längeren Hebel und er nutzt ihn gnadenlos aus: America First - das ist sein Deal.
Der amtierende US-Präsident „Donald Trump“ ist kein Betriebsunfall, kein Missverständnis und kein vorübergehender Ausrutscher der Geschichte. Er ist der Stresstest für Europa, dessen Institutionen und die politische Geschlossenheit der EU.
Wie bei jedem Stresstest, zeigt sich nicht nur die Stärke des Angreifers, sondern vor allem die Schwäche (uneinige EU) des Systems, das unter Druck gerät. Deswegen muss Europa erwachsen werden.
Erwachsenwerden heißt
Sich nicht auf einzelne Politiker:innen zu verlassen, Abhängigkeiten zu reduzieren, Konflikte auszuhalten, ohne sich selbst aufzugeben. Das ist anstrengend - die Alternative ist Anpassung – und damit schleichender Bedeutungsverlust.
Donald Trump
Trump ist nicht das Ende der transatlantischen Beziehung. Aber er ist das Ende der Illusion, Europa könne sich dauerhaft durch andere schützen lassen.
Er zeigt uns - der EU - mit seiner Vorgehensweise auf, das er Politik als Geschäftsmodell und Deals interpretiert und für seine persönlichen, politischen Vorstellungen ausnutzt:
> Sicherheit wird zur Verhandlungsmasse
> Zölle werden zu finanziellen Waffen
> Werte werden zur Kulisse
Seine Politik legt offen, was Europa sich lange schöngeredet hat:
> Wirtschaftliche Stärke - ersetzt keine politische Souveränität
> Transatlantische Partnerschaft - ist keine Garantie für Verlässlichkeit
> Multilaterale Regeln - gelten nicht für Alle, sondern nur zu Trumps Vorteilen
Nationale Sonderwege
Das größte Problem für Europa ist nicht Trumps Aggressivität, es ist die Versuchung, einzelner EU-Staaten, aus Angst vor Trumps Reaktionen, sich selbst zu verleugnen.
Nationale Sonderwege statt gemeinsamer Stärke, leise Diplomatie statt klarer Sprache. Hoffnung auf „Aussitzen statt strategischer Vorbereitung“. Diese Haltung ist für Europa und die NATO, in der jetzigen Konstellation, kontraproduktiv und zerstörend.
Vorbildfunktion
Trumps Politik wirkt wie eine Blaupause, für autoritäre und nationalistische Bewegungen, weit über die USA hinaus.
Sein Stil, seine Sprache und die systematische Missachtung von demokratischen Institutionen normalisieren ein Politikverständnis, in dem Macht über Recht steht. Das untergräbt Vertrauen in demokratische Verfahren und stärkt Parteien, die Europa schwächen oder spalten wollen.
Wer Trump lediglich als außenpolitisches Problem betrachtet, verkennt seine innenpolitische Wirkung auf europäische Gesellschaften. Seine Präsidentschaft verändert Diskurse, verschiebt die Grenzen des Sag- und Machbaren und liefert Rechtfertigungen für demokratiefeindliches Handeln – auch dort, wo er formal keine Macht hat.
Souveränität ist im Umgang mit Trump kein Schlagwort. Sie ist oft unbequem, manchmal teuer, aber notwendig. Europäische Souveränität ist kein ideologisches Projekt und kein Ausdruck von Abschottung, Antiamerikanismus oder Militarisierung aus prinzipiellen Gründen. Sie ist eine Überlebensfrage.
Sie bedeutet politische Geschlossenheit, sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit, wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit, und vor allem argumentative Klarheit innerhalb der EU. Denn wer nicht klar benennt, was geschieht, kann es auch nicht gestalten.
Fazit
Donald Trump zwingt Europa zu Entscheidungen, die viel zu lange vertagt wurden. Der EU wird unübersehbar vor Augen geführt, dass sie nur dann handlungsfähig ist, wenn sie mit einer Stimme spricht.
Ob das beim Mercosur-Abkommen gelingt, ist mehr als eine Handelsfrage. Es ist ein Testfall für europäisches Rückgrat.
Scheitert Europa daran, ist das kein Realismus – sondern politischer Selbstbetrug. Der eigentliche Ernstfall ist nicht Donald Trump, sondern eine Europäische Union, die noch immer nicht den Mut findet, geschlossen zu handeln und souverän zu sprechen.
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