Dienstag, 14. Januar 2020
Träume eines Fußballromantikers

Fußball ist und war noch nie eine Wissenschaft. Abgesehen von der individuellen Fitness der Spieler, die durch wissenschaftliche Methoden optimiert werden kann.

Jede Mannschaft braucht eine Formation, mit mindestens sieben bis acht eingespielten Stammspielern, die das Gerüst bilden. Um die herum kann, je nach Situation, rochiert werden.

Als Beispiel, was alles schieflaufen kann, muss der FC St. Pauli herhalten. Die Frage sei erlaubt, ob Vereinsführung und Trainer sich bei der Kaderplanung Gedanken darüber gemacht haben, dass bei über 30 Spielern, Unruhe (nicht eingesetzte Spieler) in der Mannschaft vorprogrammiert ist. Ganz abgesehen von den finanziellen Aufwendungen, die der Verein stemmen muss. Angeblich werden ja nur Spieler geholt, die der Mannschaft weiterhelfen können. Wieso diese, die meiste Zeit der Saison nicht eingesetzt werden, erschließt sich dem objektiven Beobachter nur schwer. Das Schlimmste, was transferierten Spielern passieren kann, ist die Aussage von Trainer und Offiziellen: "wir haben einen vielseitig verwendbaren Spieler erworben". Im Umkehrschluss heißt das, wir haben einen Spielertyp, der immer dann einmal einspringen darf, wenn Not am Mann ist.

Klar, es kommt keine Profi-Mannschaft mit unter 20 Spielern unfallfrei über eine Saison. Schaut man sich aber den Kader des FC St. Pauli an, dort wurden 36 Spieler (Saison 2019/20) eingesetzt, gruselt es jeden Fußballspieler. Übrigens, was die Rotation anbetrifft, widersprechen sich die Trainer doch selbst. Ich höre immer, die Abläufe haben sich noch nicht verfestigt. Wie soll das passieren, wenn pausenlos rotiert wird?

Auch ist die Aussage: "wir müssen die Mannschaft perspektivisch aufbauen", Augenwischerei und Wunschdenken. Heute sind nur drei bis vier Bundesligavereine in der Lage, hochtalentierte Nachwuchsspieler, zu halten und perspektivisch (mittel- und langfristig) in ihre Mannschaft zu integrieren.

Für alle anderen Vereine zählt nur das Hier und Heute. Das bedeutet, sie können für ihr Team, maximal eine Saison im Voraus planen. Talente und auffällige, überdurchschnittliche Kicker der Mannschaft, werden sofort von zahlungskräftigen Vereinen abgeworben. So gesehen, stehen die betroffenen Clubs bei der Kaderplanung für die neue Saison wieder bei Null. Das beste Beispiel ist FC St. Pauli, die in der kommenden Serie, einen totalen Neubeginn starten müssen. Die
Basis des erfolgreichen Fußballs, sind trotz aller neuen Systeme, immer noch die Fähigkeiten der Spieler. Gleich, ob sie 18 oder 38 Jahre alt sind.

Nach wie vor wird mit Elf gegen Elf gespielt und die alte Weisheit, wer am meisten Tore schießt, gewinnt, hat immer noch Bestand. Was nützt 80 % Ballbesitz, wenn das Spiel auch noch vergeigt wird. Es würde auch mehr Sinn ergeben, wenn nicht gegen den Ball - sondern mit dem Ball gespielt wird. Um es aber noch einmal deutlich zu machen...ein Spiel gewinnen, können nur die Spieler, auf dem Platz.

Deswegen lebt das Fußballspiel von Spielertypen mit:

  • körperlicher Fitness
  • Teamfähigkeit
  • technischen Fähigkeiten
  • Kreativität
  • Spaß am Spiel
  • geistige Beweglichkeit (eigenständiges Denken)
  • den unbedingten Willen (eine Charakterfrage) zu gewinnen
Nur mit Spielern, die diese Fertigkeiten in sich vereinen und einen Trainer, der auch die menschlichen Belange der Spieler berücksichtigt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, ein erfolgreiches Team zu formen.

Wenn ein Fußballlehrer, auch noch die u. a. - old school - des Fußballs beherrscht, vermitteln und umsetzen kann, ist das eine gute Voraussetzung, ein erfolgreiches Team zu formen.

  • Neue Systeme hin oder her, in der 1. und 2. Liga, muss man Niemanden mehr das Fußballspielen beibringen.

  • Das Spielsystem nach vorhandenen Fähigkeiten der Spieler ausrichten, nicht die Spieler ins System pressen und dadurch ihrer Vorteile berauben.

  • Bei eigenem Angriff bewegen, freie Räume nutzen, nicht verstecken, sondern den Ball fordern. Es fällt auf, dass sich in vielen Fällen nur der ballführende Spieler bewegt.

  • Wenn am gegnerischen Strafraum, dann auch Abschluss suchen. Danach ist genügend Zeit, die Abwehr neu zu ordnen.

  • Kein Hin- und Hergeschiebe und zurückspielen, bis zum eigenen Torwart. Die Wahrscheinlichkeit ist groß ist, das zeigt die Praxis, dass der Gegner den Ball erobert.

  • Einwürfe auf Höhe des gegnerischen Strafraums, hart in Richtung Fünfmeterraum werfen. Direktabnahme oder Querschläger (der sogenannte 2. Ball) durch Gegner sind gefährlicher und effektiver, als neuer Spielaufbau.

  • Flanken - wenn möglich, direkt aus dem Lauf schlagen - nicht erst auf den Ball treten und warten bis der Gegner abblocken kann bzw. zurückgespielt werden muss.

  • Doppelpass, die effektivste Spielart, eine Abwehr auszuhebeln.

  • Zur Not nehmt die Pike, ein einfaches Mittel, um den Ball ins Tor zu befördern.

Lediglich der FC Barcelona konnte, den sogenannten Ballbesitzfußball zelebrieren. Das lag aber nicht am System des Trainers, sondern an die genialen Iniesta, Xavi und Messi. Die waren gierig auf den Ball und hätten nicht einmal einen Trainer benötigt, um so zielgerichtet Richtung Torabschluss zu spielen.

Es muss ein Umdenken stattfinden - "wieder Fußball spielen, statt Fußball zu arbeiten". Für die Zuschauer ist alles andere Fußball zum Abgewöhnen.

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Recht hast du, Quaselstrippe!
Vor einiger Zeit habe ich mal ein Spiel mit über 80% Ballbesitz gesehen. Das wurde furchtbar langweilig! Ich habs einfach abgeschaltet.

Bei einem Spiel von Hollands Nationalmannschaft hab ich mal aus Spaß gezählt wie oft der Linksaußen zurückspielt. Es war über 50 mal. Der hat noch zwei (!) lange Pässe im ganzen Spiel gekriegt, wovon einer über die Torauslinie ging. Aus dem anderen Pass wurde eine Flanke die ins Toraus flog. Das wars!

Die haben keinen Mut mehr den Verteidiger zu überspielen oder die Trainer sind Schuld. Die Angriffsformation wird üblicherweise Sturm genannt, aber es ist nicht mal mehr n laues Lüftchen.

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Danke
Schön zu hören, dass es nicht nur die Meinung von mir ist. Ich schaue am Fernseher schon kein ganzes Spiel mehr, das ist für alte Fußballer gruselig anzuschauen.

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