Samstag, 3. Oktober 2026
AfD und Verbrennerautos

Es ist nicht lange her,
da warnten Spitzenmanager der Autoindustrie vor einem politischen Rechtsruck. Anfang Februar 2026 sagte Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius im SPIEGEL, Deutschland entwickle sich wirtschaftlich seit zehn bis 15 Jahren in eine falsche Richtung. Wenn sich daran nichts ändere, „dann kommen die Populisten von rechts, die für nichts eine Lösung haben“, sagte er. (Tagesspiegel)
Auch Volkswagen-Chef Oliver Blume hatte sich öffentlich gegen Rechtsextremismus positioniert. Bei einer Kundgebung in Wolfsburg sagte er, Demokratie und Freiheit seien keine Selbstverständlichkeit und müssten verteidigt werden.

Politische Distanz der Autoindustrie, bei wirtschaftlichen Interessen

Ein Beispiel dafür ist die Auseinandersetzung um die europäischen CO₂-Vorgaben für Neuwagen.
Nach der derzeit geltenden EU-Regelung gilt ab Jahr 2035 für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ein CO₂-Flottenziel von 0 Gramm.
Das entspricht einer Reduktion der durchschnittlichen CO₂-Emissionen neuer Fahrzeuge um 100 Prozent gegenüber dem Referenzwert.

Geltendes EU-Recht
Allerdings steht dieses Ziel inzwischen zur Änderung. Die EU-Kommission legte im Dezember 2025 im Rahmen ihres Automotive Package einen Vorschlag vor, der den Herstellern mehr Spielraum geben soll. Danach soll ab 2035 eine Reduzierung der Auspuffemissionen um 90 Prozent ausreichen. Die verbleibenden zehn Prozent sollen unter anderem durch den Einsatz von CO₂-ärmerem Stahl sowie E-Fuels und Biokraftstoffen kompensiert werden. Dadurch könnten auch Plug-in-Hybride, Range-Extender, Mild-Hybride und bestimmte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor über 2035 hinaus eine Rolle spielen. (Climate Action)
Damit ist das bisherige 100-Prozent-Ziel noch nicht abgeschafft. Die 90 Prozent sind ein Vorschlag der Kommission, über den das Europäische Parlament und der Rat beraten müssen.

Wirtschaftliches Interesse an einer Lockerung
Die europäischen Hersteller stehen unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Auf dem chinesischen Markt verlieren europäische Marken an Boden, gleichzeitig müssen die Unternehmen ihre Kosten senken und hohe Investitionen in Elektromobilität finanzieren.
Auch Källenius selbst hat die europäische Automobilpolitik kritisiert. In seinem SPIEGEL-Interview warnte er unter anderem vor einer zu starken Regulierung und plädierte für einen stärker auf Investitionen und wirtschaftliche Anreize ausgerichteten Kurs.
Seine Warnung vor einem möglichen Rechtsruck war dabei Teil seiner grundsätzlichen Argumentation zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands.
Parallel dazu lässt sich beobachten, dass Unternehmen und Branchenverbände auch mit Abgeordneten rechter und rechtspopulistischer Fraktionen im Europäischen Parlament sprechen.
Ein dokumentiertes Beispiel ist ein Treffen zwischen Stellantis und dem französischen PfE-Abgeordneten Philippe Olivier im Januar 2026. Als Thema wurde der Austausch über die Zukunft der europäischen Automobilindustrie angegeben. (Europäisches Parlament)
Solche Kontakte sind zunächst normale politische Interessenvertretung. Unternehmen und Verbände versuchen, ihre wirtschaftlichen Positionen gegenüber Abgeordneten unterschiedlicher Fraktionen zu erläutern. Aus einem Gespräch allein lässt sich deshalb keine politische Unterstützung einer Partei ableiten.

Es wird interessant,
wo sich die Interessen der Industrie mit den Positionen von auf Umwelt ausgerichteten Parteien überschneiden.
Die Autoindustrie fordert mehr technologische und regulatorische Flexibilität, und sie findet dafür Fürsprecher speziell im bürgerlichen und rechten Spektrum.
Union und SPD wollen in Brüssel Lockerungen durchsetzen, die FDP stellt das Aus für 2035 insgesamt infrage, und die AfD verlangt seit Langem die Rückabwicklung.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Autoindustrie politisch nach rechts gerückt ist. Es zeigt aber, dass sich die Bedingungen politischer Interessenvertretung verändern – und damit auch die Konstellationen, in denen wirtschaftliche Interessen und politische Positionen aufeinandertreffen.
Für die Unternehmen stellt sich damit eine Frage, die über das Verbrenner-Aus hinausgeht: Wie weit reicht die Bereitschaft, mit politischen Kräften zusammenzuarbeiten, deren Positionen in anderen Politikfeldern möglicherweise deutlich von den eigenen öffentlichen Bekenntnissen zu Demokratie und gesellschaftlicher Offenheit abweichen?
Umgekehrt müssen auch die Parteien erklären, welche politischen Mehrheiten sie für ihre Positionen suchen – und mit welchen Partnern sie diese erreichen wollen.

Fazit
Nicht nur die AfD setzt nach wie vor auf Verbrennermotoren. Der Erhalt einer vielfältigen, sauberen Umwelt und die damit verbundene Gesundheit unserer Gesellschaft scheint - für die Verantwortlichen dieser Partei - aber kein Thema zu sein. Sie nutzen ihre angstmachenden Parolen als persönliches Geschäftsmodell.

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