FIFA-Regel 12 - Foulspiel
Die Diskrepanz zwischen offiziellem Regelwerk und gelebter Praxis ist im Fußball strukturell verankert – und wird selten offen benannt.
Zur Regel-12-Frage noch ein Gedanke: Das Problem liegt nicht nur in der Auslegung, sondern in der Architektur dieser Regel selbst.
Die Regel 12 unterscheidet zwischen Fouls (körperlicher Kontakt) und unsportlichem Betragen – aber die Schwelle zur Strafbarkeit bleibt bewusst vage. Das ermöglicht Schiedsrichtern und Kommentatoren, nach eigener Ästhetik (Foul oder nicht) zu beurteilen.
Im Umkehrschluss ergibt es manchmal Ergebnisse, die im Abgleich mit Regel 12 fragwürdig erscheinen.
Der Vorschlag, FIFA-Regel 12 an die Schwere des körperlichen Kontakts anzupassen, hat einen strukturellen Haken: Man darf vermuten, die FIFA hat kein Interesse daran, schriftlich festzuhalten, dass bestimmte Fouls toleriert werden.
Das erzeugt Haftungsfragen (bei Verletzungen), Marketingprobleme („Wir legalisieren Gewalt“) und internationale Inkonsistenz, da gelebte Praxis in der Bundesliga anders aussieht als in der Serie A oder der Premier League.
Was bleibt, ist der Status quo: eine Regel, die strenger klingt, als sie angewendet wird, kommentiert von Leuten, die weder die Regel noch die Auslegungspraxis kennen – und ein Teil des Publikums, das diese Wertung für normale Fachmeinung hält.
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