Deutschland kuriert Symptome – und nennt es Reform
Es geht um nicht weniger als die Rettung des deutschen Gesundheitssystems. Wieder einmal.
15 Milliarden Euro Defizit bis 2027. Tendenz steigend. Und was fällt der Politik ein?
Man greift zu einer der ältesten sozialpolitischen Konstruktionen des Landes: der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern – und stellt sie zur Disposition.
Das klingt nach Reform. Ist aber in Wahrheit ein klassischer Fall von: Symptombekämpfung statt praktiblen Ansatz. Eine scheinbar einfache gerechte Lösung. Die Idee ist schnell erklärt:
Wer bisher kostenlos über den Ehepartner gesetzlich versichert ist, soll künftig selbst zahlen – zumindest dann, wenn keine Kinder betreut werden oder kein Rentenalter. Das soll rund 3,5 Milliarden Euro jährlich bringen. Das ist eine einfache Rechnung und eine politisch dankbare noch dazu – denn betroffen sind vor allem Menschen ohne starke Lobby. Doch genau hier beginnt das Problem.
Die halbe Wahrheit der Reformbefürworter
Ja, die Familienversicherung ist aus der Zeit gefallen.
Sie bevorzugt das Ein-Verdiener-Modell.
Sie trifft überwiegend Frauen. Und sie trägt dazu bei, dass Erwerbsbiografien unterbrochen werden – mit fatalen Folgen für die Rente. Das ist nicht progressiv. Das ist strukturierte Ungleichheit.
Aber: Wer daraus ableitet, dass ihre Abschaffung die Lösung sei, verwechselt Ursache und Wirkung.
Denn das eigentliche Problem liegt tiefer.
Ein teures System mit mittelmäßigen Ergebnissen
Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Und gleichzeitig eines, das erstaunlich ineffizient arbeitet.
Unnötige Operationen. Doppelte Untersuchungen.
Ein Krankenhauswesen, das eher nach regionalen Interessen als nach medizinischer Notwendigkeit organisiert ist.
Und eine Digitalisierung, die Milliarden verschlingt, ohne den Alltag spürbar zu verbessern. Hier versickert Geld. Nicht bei Ehepartnern ohne Einkommen.
Die Macht der Lobbys
Warum wird dort nicht angesetzt?
Weil echte Reformen weh tun würden – den Richtigen.
gestalten:
• Krankenhausbetreiber.
• Pharmaunternehmen.
• Standesvertretungen.
Sie alle haben Einfluss. Sie alle blockieren Veränderungen. Und so bleibt am Ende das, was politisch am einfachsten ist: Man holt sich Geld dort, wo der Widerstand am geringsten ist.
Das eigentliche Versagen
• Die stille Schieflage
• Die Abschaffung der Mitversicherung hätte reale Folgen, für Menschen, die Angehörige pflegen.
• Für Eltern, die sich bewusst für mehr Zeit mit ihren Kindern entschieden haben.
• Für all jene, deren Arbeit nicht bezahlt wird – aber für die Gesellschaft unverzichtbar ist.
Sie würden plötzlich zur Kasse gebeten
Nicht, weil das System sonst nicht funktioniert, sondern weil man sich nicht traut, es wirklich zu verändern.
Die Debatte zeigt ein grundlegendes Problem der deutschen Politik:
Man diskutiert über Verteilung, weil man sich an Strukturreformen nicht herantraut.
Man streitet über 3,5 Milliarden Euro, während an anderer Stelle ein Vielfaches verschwendet wird, verkauft Einschnitte als Fortschritt, weil echte Reformen zu unbequem sind.
Was jetzt passieren müsste
Eine ehrliche Reform würde anders aussehen:
Die Familienversicherung würde nicht einfach gestrichen, sondern gezielt umgebaut – hin zu echter Bedürftigkeit.
Gleichzeitig würde das System effizienter gemacht:
weniger Bürokratie, bessere Steuerung, klare Strukturen im Krankenhauswesen. Und vor allem:
Man würde sich endlich trauen, die großen Kostenfaktoren anzupacken.
Fazit
Die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung ist keine Lösung. Sie ist ein Ausweichmanöver.
Deutschland kuriert Symptome – und nennt es Reform.
Doch ein System, das strukturell krank ist, lässt sich nicht gesund sparen. Es braucht Mut zur Veränderung.
Nicht Mut zur Belastung derjenigen, die sich am wenigsten wehren können.
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