Das vom Bundeskabinett beschlossene Tourismus-Strategiepapier markiert einen gefährlichen Tabubruch: Unter dem Deckmantel der Flexibilisierung soll der 8-Stunden-Tag abgeschafft und durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden.
Man darf davon ausgehen, dass es nicht nur den Tourismus betrifft, sondern perspektivisch alle Wirtschaftsbereiche. Diese Zielsetzung wird durch die aktuelle Politik und die Arbeitgeberverbände vorgegeben und verfolgt.
Das ist ein Frontalangriff auf die Gesundheit von Millionen Beschäftigten. DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi bringt es auf den Punkt: Was die Bundeswirtschaftsministerin - Frau Reiche - hier mit ihrer Tourismusstrategie anschiebt, ist der erste Schritt zur Legalisierung ausbeuterischer Geschäftsmodelle in allen Branchen.
Menschen sind keine Maschinen! Wer das vergisst, hält das Arbeitszeitgesetz für Bürokratie. Dabei ist es ein Schutzgesetz – geboren aus Unfällen, Krankheiten und harten wissenschaftlichen Fakten. Es schützt vor Überlastung und vor dem Verschleiß von Menschen.
Dass dabei angeblich „Flexibilität fehlt“, ist ein Mythos: Bis zu 60 Stunden Arbeit pro Woche sind schon heute möglich. Wer damit keinen funktionierenden Arbeitsalltag organisieren kann, hat kein Zeitproblem – sondern ein Organisationsproblem.
Die Bundesregierung verkauft ihr Vorhaben als Gewinn. Doch die Realität sieht anders aus: Wer nach einem Zwölf-Stunden-Tag nach Hause kommt, hat keine Zeit mehr für Familie, Freunde sondern muss sich erholen. Das ist keine Vereinbarkeit – das ist Überlastung mit schönem Etikett.
Fazit
Die Konsequenzen wären dramatisch: Regelmäßige Zwölf-Stunden-Schichten im Paketdienst, keine verlässlichen Ruhezeiten im Hotel- und Gastgewerbe, systematische Überlastung statt familienfreundlicher Arbeitsbedingungen.
Für die Gewerkschaften ist die Aufweichung des Acht-Stunden-Tags inakzeptabel. Sie sollten nicht zulassen, dass die Gesundheit der Beschäftigten zur Verhandlungsmasse wird. Arbeitstage von über 12 Stunden bedeuten konkret: mehr unbezahlte Überstunden, noch mehr Überlastung, mehr Unfallrisiken, und als Folge: Erhöhung des Krankenstandes.
Die Bundesregierung muss die wirklichen Probleme angehen: zielgerichtete Investitionen, bezahlbare Energiepreise, Transformation und Digitalisierung, mehr Tarifbindung und eine gerechte Steuerpolitik. Nicht die Beschäftigten sind schuld an der Krise. Arbeitsrechte und Sozialstaat sind nicht die Ursache für wirtschaftliche Schwäche, sondern das Fundament einer gerechten und leistungsfähigen Gesellschaft.
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