Mittwoch, 14. Januar 2026
Warum diese Stärke der AfD

Warum ist die AfD in manchen Regionen besonders stark ?

Das lässt sich mit normalen Menschenverstand erklären. Allerdings wird dieser Verstand, den man vielen unser Politiker:innen nicht absprechen kann, dem jeweiligen Parteiprogramm untergeordnet.
Es gibt nicht den einen Grund, warum die AfD in bestimmten Regionen besonders hohe Wahlergebnisse erzielt. Die Ursachen unterscheiden sich nicht nur, nach Ost und West und teilweise regional deutlich. Dennoch lassen sich auf einer übergeordneten Ebene wiederkehrende Muster erkennen, die viel aussagen, über gesellschaftliche Bruchlinien in Deutschland.
Auffällig ist zunächst die räumliche Konzentration: Besonders stark ist die AfD in strukturschwachen oder strukturschwächelnden Regionen, vor allem im ländlichen Raum. Nicht nur abgeschiedene Dörfer, sondern häufig Klein- und Mittelstädte samt Umland. Orte, die lange als stabil galten und nun schleichend an die AfD verloren werden.
Viele dieser Regionen erleben tiefgreifende, soziale Transformationsprozesse. Schulen werden geschlossen, Geschäfte stehen leer, Arztpraxen finden keine Nachfolge, Bus- und Bahnverbindungen werden ausgedünnt oder ganz eingestellt. Industrien, die über Jahrzehnte Identität und Sicherheit boten, sind abgewandert oder stark geschrumpft. Der Alltag wird komplizierter, Wege werden länger und Perspektiven unsicherer.
Im Osten Deutschlands vollzog sich dieser Umbruch nach 1990 abrupter und sichtbarer. Im Westen dagegen verläuft er langsamer, schleichender – aber nicht weniger wirksam. Gerade diese langsame Erosion erzeugt das Gefühl, dass etwas verloren geht, ohne dass klar benannt wird, wann und warum.
Hinzu kommen demografische Probleme, die viele dieser Regionen zusätzlich belasten. Sie sind häufig dünn besiedelt und von Abwanderung geprägt. Weg ziehen vor allem die Jungen, Mobilen und gut Qualifizierten – diejenigen, die Alternativen haben. Zurück bleiben ältere Bevölkerungsgruppen, oft mit dem Eindruck, abgehängt oder politisch übersehen zu werden. Die Folge ist eine zunehmende Überalterung, verbunden mit Zukunftsängsten und dem Gefühl des Bedeutungsverlusts.
In diesem Klima kann die AfD andocken. Sie bietet einfache Erklärungen für komplexe Probleme, benennt Sündenböcke statt Strukturen und inszeniert sich als Stimme der „Vergessenen“. Dass ihre Antworten reale Probleme nicht lösen, tritt dabei oft hinter das Bedürfnis zurück, überhaupt gehört zu werden.
Wer den Erfolg der AfD verstehen – und ihr wirksam begegnen – will, muss daher weniger auf moralische Abwertung setzen, sondern auf strukturelle Ursachen schauen: auf regionale Ungleichheit, fehlende Daseinsvorsorge, soziale Sicherheit und politische Teilhabe. Denn wo Perspektiven schwinden, wächst die Anfälligkeit für autoritäre und demokratiefeindliche Angebote.

Fazit
Demokratie entscheidet sich nicht nur in Parlamenten und Fernseh-Talkshows sondern auch in Busfahrplänen, Schulstandorten, bezahlbaren Wohnraum und leerstehenden Ladenlokalen.
Neben den politischen Akteuren sollten hier Wissenschaftlerinnen, Journalisten und Aktivisten zu Wort kommen, um Aussagen der AfD einzuordnen und bei Bedarf zu widerlegen. So wird der öffentliche Diskurs nicht zur Echokammer populistischer Parolen, sondern zu einem Ort der Aufklärung.
Dokumentationen, Recherchen und Hintergrundberichte, die die internen Strukturen, Skandale und Verflechtungen der AfD offenlegen, sind kein Aktivismus – sie sind journalistische Pflicht. Nur wenn das wahre Gesicht der Partei sichtbar wird, kann das Märchen von der „verfolgten Alternative“ zerbrechen. Und nur dann kann die Demokratie zeigen, dass sie nicht wehrlos ist.

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