Demokratie und AfD
Menschen wählen die AfD, obwohl sie sich mit der Wahl dieser Partei selbst schaden!
Gefühl des Kontrollverlusts
Viele Menschen erleben gesellschaftliche Veränderungen – Globalisierung, Digitalisierung, Migration oder wirtschaftliche Unsicherheit – als Verlust von Orientierung und Stabilität. Parteien wie die AfD greifen diese Gefühle auf und versprechen einfache Lösungen sowie die Rückkehr zu „Ordnung“ und „Kontrolle“.
Protest gegen das politische Establishment
Ein Teil der Wählerschaft fühlt sich von etablierten Parteien nicht mehr vertreten. Die AfD inszeniert sich bewusst als Gegenpol zum „System“ und sammelt dadurch Proteststimmen – auch von Menschen, die nicht alle Inhalte der Partei teilen.
Angst und Unsicherheit als politische Kraft
Themen wie Migration, Kriminalität oder soziale Abstiegsängste wirken emotional stark. Selbst wenn persönliche Erfahrungen oft komplexer sind, prägen mediale Bilder und öffentliche Debatten das Sicherheitsgefühl vieler Menschen.
Soziale und regionale Frustration
Besonders in Regionen mit wirtschaftlichen Problemen, fehlender Infrastruktur oder dem Eindruck politischer Vernachlässigung entsteht leichter das Gefühl, „abgehängt“ zu sein. Populistische Parteien können daraus politischen Zuspruch gewinnen.
Vereinfachung komplexer Probleme
Moderne Gesellschaften sind kompliziert. Die AfD bietet oft klare Schuldzuweisungen und einfache Erklärungen. Das wirkt für manche Menschen verständlicher als differenzierte politische Konzepte anderer Parteien
Emotion schlägt Sachpolitik
Wahlentscheidungen entstehen häufig nicht durch detaillierte Analyse von Parteiprogrammen, sondern durch Identität, Zugehörigkeitsgefühl und emotionale Ansprache. Wer sich kulturell oder gesellschaftlich bedroht fühlt, wählt eher Parteien, die diese Gefühle bestätigen.
Rolle sozialer Medien und Polarisierung
Plattformen verstärken oft Empörung, Konflikte und einfache Botschaften. Dadurch verbreiten sich zugespitzte Narrative schneller als sachliche Einordnungen. Parteien mit provokativer Kommunikation profitieren davon besonders.
Misstrauen gegenüber Medien und Institutionen
Wenn Menschen das Vertrauen in Politik, Wissenschaft oder klassische Medien verlieren, steigt die Bereitschaft, alternativen oder radikaleren politischen Erzählungen zu folgen.
Gleichzeitig ist wichtig: Nicht alle AfD-Wähler haben dieselben Motive. Manche wählen aus Protest, andere aus Überzeugung, wieder andere aus Frustration oder Angst vor sozialem Abstieg. Politische Entwicklungen lassen sich selten auf einen einzigen Grund reduzieren.
Fazit: Was wirkt wirklich?
* Persönliche Gespräche in vertrautem Umfeld – nicht Lokale Politik stärken: Wo Kommunen sichtbar funktionieren, verliert Populismus an Glaubwürdigkeit.
* Wirtschaftliche Sicherheit: Existenzangst ist der beste Nährboden für Gegenöffentlichkeit durch glaubwürdige, lokale Medien.
Die Nachkriegsgeneration hat gezeigt, was möglich ist: Aus Trümmern eine stabile Demokratie aufzubauen. Diese Leistung ist keine Selbstverständlichkeit – und genau deshalb ist es so wertvoll, wenn Menschen mit dieser Erfahrung ihre Stimme erheben.
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Reale Probleme statt ideologischer Schlagworte
Der Vorschlag von Kanzler Merz, für längere und flexiblere Arbeitszeiten ist zu kurz gedacht, da er zwei reale Probleme nicht berücksichtigt.
Genau deshalb wird die Debatte so emotional geführt. Die Kritik der Gewerkschaften an längeren täglichen Arbeitszeiten stützt sich vor allem auf zwei zentrale Punkte.
1. Gesundheit und Konzentration
Studien – unter anderem der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin – zeigen seit Jahren, dass mit zunehmender Arbeitsdauer Fehler- und Unfallrisiken steigen. Besonders nach acht Stunden sinkt die Konzentration messbar. Damit wachsen nicht nur Unfallgefahren, sondern langfristig auch psychische und körperliche Belastungen.
Kritiker befürchten deshalb steigende Krankenstände und eine schleichende Überlastung vieler Beschäftigter.
2. Privatleben und soziale Belastung
Längere tägliche Arbeitszeiten betreffen nicht nur den Arbeitsplatz. Sie greifen auch in Familienleben, Pflegearbeit, Freizeit und Erholung ein. Gewerkschaften warnen deshalb davor, dass „Flexibilität“ in der Praxis oft bedeute, dass sich Beschäftigte stärker an Unternehmensinteressen anpassen müssen – nicht umgekehrt.
Genau an diesem Punkt prallen die politischen Positionen innerhalb der Bundesregierung aufeinander. Kanzler Friedrich Merz argumentiert stärker aus wirtschaftlicher Perspektive, während Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas die Interessen der Arbeitnehmer und Gewerkschaften betont.
Die Arbeitgeberseite argumentiert wirtschaftlich
* Viele Unternehmen stehen unter internationalem Konkurrenzdruck.
* Schwankende Auftragslagen sollen flexibler abgefangen werden.
* Statt starrer täglicher Höchstgrenzen wollen Arbeitgeber mehr Spielraum über die gesamte Woche verteilt.
Das eigentliche politische Streitthema müsste daher lauten:
Bedeutet „Flexibilität“ mehr Freiheit für Beschäftigte – oder mehr Verfügbarkeit für Unternehmen?
Theoretisch kann flexible Wochenarbeitszeit auch für viele Arbeitnehmer*innen Vorteile bringen - beispielsweise durch:
* mal vier längere Tage - dafür ein freier Tag oder saisonale Entlastung
Praktisch hängt aber viel davon ab, was berücksichtigt werden muss:
* Gibt es echte Mitbestimmung?
* Erhöht sich der Krankenstand?
* Werden Überstunden fair ausgeglichen?
* Können Beschäftigte ablehnen?
* Wie stark ist der Personalmangel?
Deshalb reagieren viele so emotional:
Die Debatte berührt Gesundheit, Familienleben, Machtverhältnisse in der Politik, im Betrieb und die wirtschaftliche Zukunft gleichzeitig. Weil eine Überlastung der Beschäftigten befürchtet wird:
Das Privat- und Familienleben werde beeinträchtigt, aber vor allem lasse nach acht Stunden die Konzentration nach, warnen Gewerkschaften.
Auf Letzteres gehen auch Statistiken ein. Ab der achten Arbeitsstunde steige die statistische Wahrscheinlichkeit für Unfälle durch mangelnde Konzentration, heißt es etwa in einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schon von 2010.
Weil die deutsche Wirtschaft schwächelt: Viele Unternehmen stehen in einem harten internationalen Wettbewerb. Es gibt kaum Wirtschaftswachstum. Mit einer flexiblen Wochenarbeitszeit könnten Betriebe nach eigenen Angaben besser auf Marktveränderungen, Produktionsspitzen und saisonale Nachfragen reagieren. Bei hoher Auslastung werde mehr gearbeitet, in ruhigeren Phasen entsprechend weniger. Wirtschaftsverbände verweisen darauf, dass der Arbeitsschutz heute viel höher als früher sei und Pausen eine Überlastung der Mitarbeiter verhinderten.
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Vorwort
Warum soziale Ungleichheit, Nationalismus und Machtpolitik unsere Gesellschaft verändern. Diese Zeilen beschäftigten sich mit genau diesen Entwicklungen.
Demokratien sterben heute selten durch Panzer auf den Straßen. Sie zerfallen langsam. Schritt für Schritt. Oft unbemerkt.
Die Menschen verlieren das Vertrauen in Politik, Institutionen und Medien. Soziale Sicherheit bröckelt. Die Schere zwischen Arm und Reich wächst. Gleichzeitig gewinnen einfache Antworten an Bedeutung. Nationalismus erlebt ein Comeback. Autoritäre Politiker präsentieren sich als starke Retter in einer komplizierten Welt. Das erlebt gerade Deutschland mit dem Aufstieg der AfD.
Dabei sind die Ursachen vieler Krisen seit Jahren bekannt: wirtschaftliche Ungleichheit, politische Machtkonzentration, fehlende soziale Gerechtigkeit und eine zunehmende Entfremdung zwischen Bevölkerung und politischer Elite.
Eine große Rolle spielt dabei - trotz der Demokratie - in der Politik geht es immer um: Geld = Macht = Geld geht.
Die Geschichte zeigt
Wenn Krisen zum Normalzustand werden, sind Demokratien nicht selbstverständlich. Sie müssen geschützt werden. Immer wieder.
Viele Menschen haben heute das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen gerät.
Kriege, Inflation, soziale Unsicherheit
Wohnungsmangel, Klimakrise und politische Konflikte bestimmen den Alltag. Krisen folgen nicht mehr aufeinander — sie überlagern sich dauerhaft. Dadurch verändert sich auch das politische Klima.
Menschen verlieren Vertrauen, wenn sie das Gefühl haben, dass Politik Probleme nicht mehr lösen kann. Genau an diesem Punkt geraten Demokratien unter Druck und scheint erreicht.
Demokratische Systeme leben davon, dass Bürgerinnen und Bürger daran glauben, mit ihrer Stimme etwas verändern zu können. Verschwindet dieser Glaube, entsteht politische Resignation oder Wut.
Diese Wut versuchen populistische Bewegungen gezielt zu nutzen. Sie präsentieren einfache Schuldige:
* Migranten
* die Eliten
* Medien
* politische Gegner
* internationale Organisationen
Komplexe gesellschaftliche Probleme werden auf einfache Feindbilder reduziert. Das ist gefährlich.
Denn Demokratie lebt von Differenzierung — nicht von Vereinfachung.
Die Krise des Vertrauens
Vertrauen ist die eigentliche Währung demokratischer Gesellschaften. Menschen müssen darauf vertrauen können:
* dass Gesetze fair sind
* dass Gerichte unabhängig arbeiten
* dass Medien kritisch berichten
* dass Wahlen etwas bewirken
* dass soziale Sicherheit existiert.
Wenn dieses Vertrauen schwindet, entstehen politische Radikalisierung und gesellschaftliche Spaltung.
Viele Menschen erleben heute
* steigende Mieten
* unsichere Arbeitsverhältnisse
* sinkende Kaufkraft
* überforderte Behörden
* unterfinanzierte Schulen
* marode Infrastruktur
Gleichzeitig sehen sie milliardenschwere Konzerne, steigende Vermögen und politische Lobbyeinflüsse. Das erzeugt den Eindruck:
Die Regeln gelten nicht mehr für alle gleich. Und genau dort beginnt die Krise demokratischer Stabilität.
Demokratie scheitert selten plötzlich
Historisch betrachtet brechen Demokratien meist nicht von heute auf morgen zusammen. Sie werden langsam ausgehöhlt, durch:
* Polarisierung
* Angriffe auf Medien
* Verachtung demokratischer Institutionen
* die Schwächung unabhängiger Gerichte
* politische Gleichgültigkeit
Die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert zeigt das deutlich. Autoritäre Bewegungen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie wachsen dort, wo Unsicherheit, Angst und Perspektivlosigkeit entstehen.
Deshalb sind soziale Sicherheit und Demokratie enger miteinander verbunden, als viele glauben.
Die politische Sprache verändert sich. Auch Sprache verändert Gesellschaften. Wenn ständig von:
* Volksverrätern
* Systemparteien
* Lügenpresse
* Überfremdung
gesprochen wird, verschiebt sich die politische Kultur.
Worte schaffen Feindbilder
Und Feindbilder schaffen gesellschaftliche Spaltung.
Das Problem beginnt oft lange bevor Gewalt sichtbar wird.
Dauerkrisen verändern Menschen
Menschen reagieren unterschiedlich auf Unsicherheit:
* manche ziehen sich zurück
* andere radikalisieren sich
* manche verlieren jedes Interesse an Politik.
Demokratien brauchen jedoch aktive Bürgerinnen und Bürger. Nicht Gleichgültigkeit.
Gerade deshalb sind Bildung, soziale Sicherheit und unabhängige Medien keine Nebensachen. Sie sind Schutzmechanismen demokratischer Gesellschaften.
Warum dieses Thema alle betrifft
Demokratie ist nicht nur ein politisches System. Sie ist ein gesellschaftliches Vertrauensmodell.
Wenn Menschen dauerhaft das Gefühl bekommen, dass:
* sie keine Perspektive haben
* politische Entscheidungen nur den Mächtigen dienen
Wenn soziale Aufstiegschancen verschwinden, dann gerät dieses Modell ins Wanken und genau deshalb beginnt die Verteidigung der Demokratie nicht erst bei Wahlen.
Sie beginnt in Schulen
* in sozialer Gerechtigkeit
* in unabhängigen Medien
* in fairen Chancen
* in einer Politik, die Probleme tatsächlich löst.
Fazit
Krisen allein zerstören keine Demokratien. Gefährlich wird es, wenn Menschen den Glauben verlieren, dass Demokratie ihre Probleme noch lösen kann. Dann entstehen Räume für:
* Populismus
* autoritäres Denken
* Nationalismus
* politische Radikalisierung
Demokratie braucht deshalb mehr als Wahlen. Sie braucht Vertrauen, soziale Stabilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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Folgend eine Kopie der:
FIFA REGEL 12-FOULS UND UNSPORTLICHES BETRAGEN
Diese Fifa-Regel ist Grundlage für alle Spielklassen (Amateur- und Profiligen), weltweit für alle Fußballspiele.
Einführung
Direkte und indirekte Freistösse sowie Strafstösse werden ausschliesslich für Vergehen bei laufendem Spiel gegeben.
12.1 Direkter Freistoss
Ein direkter Freistoss wird gegeben, wenn ein Spieler eines der folgenden Vergehen gegenüber einem Gegner nach Einschätzung des Schiedsrichters fahrlässig, rücksichtslos oder übermässig hart begeht:
Rempeln
Anspringen
Treten oder versuchtes Treten
Stossen
Schlagen oder versuchtes Schlagen (einschliesslich Kopfstössen)
Tackling oder Angriff mit einem anderen Körperteil
Beinstellen oder versuchtes Beinstellen
Ein Vergehen mit Körperkontakt wird mit einem direkten Freistoss geahndet.
„Fahrlässig“ bedeutet, dass ein Spieler unachtsam, unbesonnen oder unvorsichtig in einen Zweikampf geht. Es ist keine Disziplinarmassnahme erforderlich.
„Rücksichtslos“ bedeutet, dass ein Spieler die Gefahr oder die Folgen für einen Gegner ausser Acht lässt. Ein solches Vergehen ist mit einer Verwarnung zu ahnden.
„Übermässig hart“ bedeutet, dass ein Spieler im Zweikampf mehr Kraft einsetzt als nötig und/oder die Gesundheit eines Gegners gefährdet. Ein solches Vergehen ist mit einem Feldverweis zu ahnden.
Ein direkter Freistoss wird auch gegeben, wenn ein Spieler eines der folgenden Vergehen begeht:
Handspielvergehen (gilt nicht für den Torhüter im eigenen Strafraum)
Halten des Gegners
Sperren des Gegners mit Körperkontakt
Beissen oder Anspucken/Spucken in Richtung einer Person auf der Teamliste oder eines Spieloffiziellen
Werfen eines Gegenstandes in Richtung des Balls, eines Gegners oder eines Spieloffiziellen oder Berühren des Balls mit einem in der Hand gehaltenen Gegenstand
Siehe auch Vergehen unter Regel 3.
Handspiel
Für die Beurteilung von Handspielvergehen gilt, dass die Grenze zwischen Schulter und Arm (bei angelegtem Arm) unten an der Achselhöhle verläuft.
Nicht jede Ballberührung eines Spielers mit der Hand/dem Arm ist ein Vergehen.
Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler:
den Ball absichtlich mit der Hand/dem Arm berührt (z. B. durch eine Bewegung der Hand/des Arms zum Ball),
den Ball mit der Hand/dem Arm berührt und seinen Körper dabei aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrössert. Eine unnatürliche Vergrösserung des Körpers liegt vor, wenn die Hand-/Armhaltung weder die Folge einer natürlichen Körperbewegung des Spielers in der jeweiligen Situation ist noch mit dieser Körperbewegung gerechtfertigt werden kann. Mit einer solchen Hand-/Armhaltung geht der Spieler das Risiko ein, dass der Ball an seine Hand/seinen Arm springt und er dafür bestraft wird, ins gegnerische Tor trifft:
direkt mit der Hand/dem Arm (auch wenn dies versehentlich geschieht) (gilt auch für den Torhüter),
unmittelbar nachdem er den Ball mit der Hand/dem Arm berührt hat (auch wenn dies versehentlich geschieht).
Für den Torhüter gelten beim Handspiel ausserhalb des eigenen Strafraums die gleichen Regeln wie für alle übrigen Spieler. Berührt der Torhüter den Ball unerlaubterweise innerhalb des eigenen Strafraums mit der Hand/dem Arm, wird ein indirekter Freistoss, aber keine Disziplinarmassnahme verhängt. Berührt der Torhüter den Ball jedoch nach einer von ihm ausgeführten Spielfortsetzung ein zweites Mal (mit oder ohne Hand/Arm), ehe ein anderer Spieler den Ball berührt hat, ist der Torhüter entsprechend zu sanktionieren, sofern er damit einen aussichtsreichen Angriff unterbindet, ein Tor des gegnerischen Teams verhindert oder eine offensichtliche Torchance vereitelt.
12.2 Indirekter Freistoss
Ein indirekter Freistoss wird gegeben, wenn ein Spieler:
gefährlich spielt, den Lauf eines Gegners behindert, ohne dass es zu einem Kontakt kommt, protestiert, anstössige, beleidigende oder schmähende Äusserungen und/oder Handlungen vornimmt oder sonstige verbale Vergehen begeht, den Torhüter daran hindert, den Ball aus den Händen freizugeben, oder gegen den Ball tritt oder zu treten versucht, während der Torhüter den Ball aus den Händen freigibt, absichtlich einen Trick initiiert (auch bei einem Freistoss oder Abstoss), bei dem der Ball mit dem Kopf, der Brust, dem Knie etc. zum Torhüter gespielt wird, um so die Zuspielbestimmung zu umgehen, egal ob der Torhüter den Ball mit den Händen berührt oder nicht; initiiert der Torhüter den Trick ein, wird er bestraft,
ein anderes Vergehen begeht, das nicht in den Spielregeln erwähnt wird und für das das Spiel unterbrochen wird, damit der fehlbare Spieler verwarnt oder des Feldes verwiesen werden kann.
Ein indirekter Freistoss wird gegeben, wenn ein Torhüter innerhalb des eigenen Strafraums den Ball:
mit der Hand/dem Arm berührt, nachdem er den Ball freigegeben hat und bevor dieser von einem anderen Spieler berührt wurde, mit der Hand/dem Arm berührt nach:
einem absichtlichen Zuspiel eines Mitspielers mit dem Fuss zum Torhüter oder einem direkt zugespielten Einwurf eines Mitspielers, es sei denn, er hat den Ball bei einem Klärungsversuch eindeutig mit dem Fuss gespielt oder zu spielen versucht.
Gefährliches Spiel
Als gefährliches Spiel gilt beim Versuch, den Ball zu spielen, jede Aktion, durch die jemand verletzt werden könnte (einschliesslich des Spielers, der die Aktion begeht) und die einen in der Nähe befindlichen Gegner am Spielen des Balls hindert, weil er eine Verletzung befürchtet.
Ein Fallrückzieher oder Scherenschlag ist erlaubt, sofern dadurch kein Gegner gefährdet wird.
Behindern des Laufs eines Gegners ohne Kontakt
Behindern des Laufs eines Gegners liegt vor, wenn sich ein Spieler in den Weg eines Gegners stellt, um ihn zu sperren oder zum Abbremsen oder zu einer Richtungsänderung zu zwingen, wobei der Ball für beide Spieler nicht in Spielnähe ist.
Jeder Spieler darf seine Position auf dem Feld selbst bestimmen. Er darf dem Gegner zwar im Weg stehen, sich ihm jedoch nicht in den Weg stellen.
Ein Spieler darf den Ball abschirmen, indem er sich zwischen Gegner und Ball stellt, wenn der Ball in Spielnähe ist und der Gegner nicht mit den Armen oder dem Körper abgedrängt wird. Befindet sich der Ball in Spielnähe, darf der Spieler vom Gegner regelkonform gerempelt werden.
12.3 Eckstoss
Ein Eckstoss wird gegeben, wenn ein Torhüter den Ball innerhalb des eigenen Strafraums mehr als acht Sekunden lang mit einer Hand oder beiden Händen/einem Arm oder beiden Armen kontrolliert, bevor er ihn freigibt. Der Torhüter kontrolliert den Ball mit einer Hand oder beiden Händen/einem Arm oder beiden Armen, wenn er ihn:
mit beiden Händen/Armen festhält oder mit einer Hand oder beiden Händen/einem Arm oder beiden Armen gegen eine Oberfläche hält (z. B. den Boden oder den eigenen Körper),
in einer oder beiden ausgestreckten, offenen Händen hält,
auf den Boden prellt oder in die Luft wirft.
Der Schiedsrichter entscheidet, wann der Torhüter den Ball kontrolliert und die acht Sekunden beginnen, und zeigt mit erhobener Hand einen Countdown der letzten fünf Sekunden an.
Ein Torhüter darf von einem Gegner nicht angegriffen werden, wenn er den Ball mit einer Hand oder beiden Händen/einem Arm oder beiden Armen kontrolliert.
12.4 Disziplinarmassnahmen
Der Schiedsrichter hat die Befugnis, ab dem Betreten des Spielfelds zur die Spielfeldkontrolle bis zum Verlassen des Spielfelds nach dem Spiel (einschliesslich des Elfmeterschiessens) Disziplinarmassnahmen zu ergreifen.
Wenn ein Spieler oder Teamoffizieller vor dem Betreten des Spielfelds zum Spielbeginn ein feldverweiswürdiges Vergehen begeht, hat der Schiedsrichter die Befungnis, ihn vom Spiel auszuschliessen (siehe Regel 3.6). Der Schiedsrichter meldet jegliches sonstige Fehlverhalten.
Ein Spieler oder Teamoffizieller, der inner- oder ausserhalb des Spielfelds ein verwarnungs- oder feldverweiswürdiges Vergehen begeht, wird entsprechend dem Vergehen bestraft.
Die gelbe Karte zeigt eine Verwarnung, die rote Karte einen Feldverweis an.
Gelbe und rote Karten können nur Spielern, Einwechselspielern, ausgewechselten Spielern und Teamoffiziellen gezeigt werden.
SPIELER, EINWECHSELSPIELER UND AUSGEWECHSELTE SPIELER
Verzögerung der Spielfortsetzung wegen gelber oder roter Karte
Entscheidet sich der Schiedsrichter, einen Spieler zu verwarnen oder des Feldes zu verweisen, wird das Spiel erst nach Vollzug dieser Disziplinarmassnahme fortgesetzt, es sei denn, das Team, das das Vergehen nicht begangen hat, führt den fälligen Freistoss schnell aus und kommt so zu einer klaren Torchance, ehe der Schiedsrichter mit dem Verfahren für die Disziplinarmassnahme begonnen hat. In diesem Fall wird die fällige Verwarnung/der fällige Feldverweis bei der nächsten Spielunterbrechung ausgesprochen. Handelte es sich beim Vergehen um das Vereiteln einer offensichtlichen Torchance, wird der fehlbare Spieler verwarnt. Wurde mit dem Vergehen ein aussichtsreicher Angriff verhindert oder unterbunden, wird der fehlbare Spieler nicht verwarnt.
Vorteil
Wenn der Schiedsrichter bei einem verwarnungs-/feldverweiswürdigen Vergehen auf Vorteil entscheidet, muss die fällige Verwarnung/der fällige Feldverweis bei der nächsten Spielunterbrechung ausgesprochen werden. Handelte es sich beim Vergehen jedoch um das Vereiteln einer offensichtlichen Torchance, wird der fehlbare Spieler wegen unsportlichen Verhaltens verwarnt. Handelte es sich beim Vergehen um das Verhindern oder Unterbinden eines aussichtsreichen Angriffs, wird der fehlbare Spieler nicht verwarnt.
Bei grobem Foulspiel, einer Tätlichkeit oder einem zweiten verwarnungswürdigen Vergehen sollte nicht auf Vorteil entschieden werden, es sei denn, es ergibt sich eine offensichtliche Torchance. Der Schiedsrichter muss den Spieler bei der nächsten Spielunterbrechung des Feldes verweisen. Wenn der Spieler jedoch den Ball vor dieser Spielunterbrechung spielt oder einen Gegner angreift/beeinflusst, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel, verweist den Spieler des Feldes und setzt das Spiel mit einem indirekten Freistoss fort, es sei denn, der Spieler hat ein schwerwiegenderes Vergehen begangen.
Wenn ein Verteidiger einen Angreifer ausserhalb des Strafraums zu halten beginnt und ihn bis in den Strafraum weiter festhält, entscheidet der Schiedsrichter auf Strafstoss.
Verwarnungswürdige Vergehen
Ein Spieler wird bei folgenden Vergehen verwarnt:
Verzögerung der Spielfortsetzung
Protestieren durch Worte oder Handlungen
Betreten, Wiederbetreten oder absichtliches Verlassen des Spielfelds ohne die Erlaubnis des Schiedsrichters
Missachten des vorgeschriebenen Abstands bei einem Schiedsrichterball, Eckstoss, Freistoss oder Einwurf
wiederholtes Verstossen gegen die Spielregeln („wiederholt“ ist nicht durch eine bestimmte Zahl oder ein bestimmtes Muster von Verstössen definiert)
unsportliches Verhalten
Betreten der Review Area
übermässiges Anzeigen des TV-Zeichens für eine Videoüberprüfung
Ein Einwechselspieler oder ausgewechselter Spieler wird bei folgenden Vergehen verwarnt:
Verzögerung der Spielfortsetzung
Protestieren durch Worte oder Handlungen
Betreten oder Wiederbetreten des Spielfelds ohne die Erlaubnis des Schiedsrichters
unsportliches Verhalten
Betreten der Review Area
übermässiges Anzeigen des TV-Zeichens für eine Videoüberprüfung
Zwei separate verwarnungswürdige Vergehen (auch wenn unmittelbar aufeinanderfolgend) sind mit je einer Verwarnung zu ahnden, z. B., wenn ein Spieler das Spielfeld ohne Erlaubnis betritt und ein rücksichtsloses Tackling begeht oder einen aussichtsreichen Angriff mit einem Foul-/Handspiel unterbindet.
Verwarnung für unsportliches Verhalten
Ein Spieler ist wegen unsportlichen Verhaltens zu verwarnen, wenn er:
den Schiedsrichter zu täuschen versucht, z. B. durch das Simulieren einer Verletzung oder eines Fouls (Schwalbe),
bei laufendem Spiel oder ohne die Erlaubnis des Schiedsrichters seinen Platz mit dem Torhüter tauscht (siehe Regel 3),
ein rücksichtsloses Vergehen begeht, das mit einem direkten Freistoss geahndet wird,
ein Handspiel begeht, um einen aussichtsreichen Angriff zu verhindern oder zu unterbinden, es sei denn, der Schiedsrichter entscheidet auf Strafstoss für ein unabsichtliches Handspielvergehen,
ein Tor oder eine offensichtliche Torchance des Gegners vereitelt und der Schiedsrichter auf Strafstoss für ein unabsichtliches Handspielvergehen entscheidet,
ein anderes Vergehen begeht, um einen aussichtsreichen Angriff zu verhindern oder zu unterbinden, es sei denn, der Schiedsrichter entscheidet auf Strafstoss für ein Vergehen, das bei dem Versuch, den Ball zu spielen, oder bei einem Zweikampf um den Ball begangen wurde,
eine offensichtliche Torchance mit einem Vergehen vereitelt, das bei dem Versuch, den Ball zu spielen, oder bei einem Zweikampf um den Ball begangen wurde und der Schiedsrichter auf Strafstoss entscheidet,
ein Handspiel begeht, um ein Tor zu erzielen (egal ob erfolgreich oder nicht), oder erfolglos versucht, mit einem Handspiel ein Tor zu verhindern,
auf dem Spielfeld unerlaubte Markierungen anbringt,
beim Verlassen des Spielfelds den Ball spielt, nachdem er die Erlaubnis erhalten hat, das Spielfeld zu verlassen,
sich gegenüber dem Spiel respektlos verhält,
absichtlich einen Trick initiiert (auch bei einem Freistoss oder Abstoss), bei dem der Ball mit dem Kopf, der Brust, dem Knie etc. zum Torhüter gespielt wird, um so die Zuspielbestimmung zu umgehen, egal ob der Torhüter den Ball mit den Händen berührt oder nicht; initiiert der Torhüter den Trick ein, wird er verwarnt,
einen Gegner bei laufendem Spiel oder einer Spielfortsetzung absichtlich verbal ablenkt.
Torjubel
Spieler dürfen nach einem Tor jubeln, solange sie es nicht übertreiben. Choreografierte Jubelszenen werden aber nicht gefördert und dürfen zu keiner übermässigen Zeitverzögerung führen.
Das Verlassen des Spielfelds beim Torjubel ist noch kein verwarnungswürdiges Vergehen. Die Spieler sind aber gehalten, so rasch wie möglich zurückzukehren.
Ein Spieler wird verwarnt, selbst wenn das Tor aberkannt wird, wenn er:
an einem Zaun hochklettert und/oder sich den Zuschauern auf eine Weise nähert, die zu einem Sicherheitsproblem führt,
auf provozierende, höhnische oder aufhetzende Weise jubelt,
den Kopf oder das Gesicht mit einer Maske oder Ähnlichem bedeckt,
das Trikot auszieht oder über den Kopf zieht.
Verzögerung der Spielfortsetzung
Der Schiedsrichter verwarnt jeden Spieler, der die Spielfortsetzung verzögert, indem er:
sich anschickt, einen Einwurf auszuführen, diesen dann aber plötzlich einem Mitspieler überlässt,
bei seiner Auswechslung das Spielfeld absichtlich langsam verlässt,
die Spielfortsetzung übermässig verzögert,
den Ball wegschiesst oder wegträgt oder eine Auseinandersetzung provoziert, indem er den Ball absichtlich berührt, nachdem der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen hat,
einen Freistoss von der falschen Position ausführt, um eine Wiederholung zu erzwingen.
Feldverweiswürdige Vergehen
Spieler, Einwechselspieler oder ausgewechselte Spieler, die eines der folgenden Vergehen begehen, werden des Feldes verwiesen:
Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer offensichtlichen Torchance des Gegners durch ein absichtliches Handspielvergehen (mit Ausnahme des Torhüters im eigenen Strafraum)
Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer offensichtlichen Torchance des Gegners durch ein unabsichtliches Handspielvergehen ausserhalb des eigenen Strafraums
Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer offensichtlichen Torchance des Gegners, dessen Gesamtbewegung auf das Tor des Täters ausgerichtet ist, durch ein Vergehen, das mit einem Freistoss zu ahnden ist (ausgenommen sind die Regelungen im dazugehörigen nächsten Abschnitt)
Feldverweiswürdige Vergehen
grobes Foulspiel
Beissen oder Anspucken/Spucken in Richtung einer anderen Person
Tätlichkeit
anstössige, beleidigende oder schmähende Äusserungen und/oder Handlungen
zweite Verwarnung im selben Spiel
Betreten des Video Operation Room (VOR)
Ein Spieler, Einwechselspieler oder ausgewechselter Spieler, der des Feldes verwiesen wird, muss die Umgebung des Spielfelds und die technische Zone verlassen.
Einführung
Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer offensichtlichen Torchance
Wenn ein Spieler mit einem Vergehen gegen einen Gegner im eigenen Strafraum eine offensichtliche Torchance vereitelt und der Schiedsrichter auf Strafstoss entscheidet, wird der Spieler verwarnt, wenn das Vergehen bei dem Versuch, den Ball zu spielen, oder bei einem Zweikampf um den Ball begangen wurde. In allen anderen Situationen (z. B. Halten, Ziehen, Stossen oder keine Möglichkeit, den Ball zu spielen) ist der Spieler, der das Vergehen begeht, des Feldes zu verweisen.
Wenn ein Spieler ein Tor oder eine offensichtliche Torchance des Gegners durch ein absichtliches Handspielvergehen vereitelt, wird er unabhängig vom Ort des Vergehens des Feldes verwiesen (mit Ausnahme des Torhüters im eigenen Strafraum).
Wenn ein Spieler ein Tor oder eine offensichtliche Torchance des Gegners durch ein unabsichtliches Handspielvergehen vereitelt und der Schiedsrichter auf Strafstoss entscheidet, wird der fehlbare Spieler verwarnt.
Ein Spieler, des Feldes verwiesener Spieler, Einwechselspieler oder ausgewechselter Spieler, der das Spielfeld ohne die Erlaubnis des Schiedsrichters betritt, das Spiel oder einen Gegner beeinflusst und ein Tor des gegnerischen Teams verhindert oder eine offensichtliche Torchance vereitelt, begeht ein feldverweiswürdiges Vergehen.
Dabei ist Folgendes zu berücksichtigen:
Distanz zwischen Ort des Vergehens und Tor
allgemeine Richtung des Spiels
Wahrscheinlichkeit, in Ballbesitz zu bleiben oder zu kommen
Position und Anzahl der Verteidiger
Feldverweiswürdige Vergehen
Grobes Foulspiel
Tacklings oder Zweikämpfe, die die Gesundheit des Gegners gefährden oder übermässig hart oder brutal ausgeführt werden, sind als grobes Foul zu ahnden.
Ein Spieler, der im Kampf um den Ball übermässig hart von vorne, von der Seite oder von hinten mit einem oder beiden Beinen in einen Gegner hineinspringt oder die Gesundheit des Gegners gefährdet, begeht ein grobes Foul.
Tätlichkeit
Eine Tätlichkeit liegt vor, wenn ein Spieler ohne Kampf um den Ball übermässig hart oder brutal gegen einen Gegner, Mitspieler, Teamoffiziellen, Spieloffiziellen, Zuschauer oder eine sonstige Person vorgeht oder vorzugehen versucht. Dies gilt unabhängig davon, ob ein Kontakt erfolgt ist.
Ein Spieler, der ohne Kampf um den Ball einem Gegner oder einer anderen Person absichtlich mit der Hand oder dem Arm an den Kopf oder ins Gesicht schlägt, begeht eine Tätlichkeit, es sei denn, die eingesetzte Kraft war vernachlässigbar.
TEAMOFFIZIELLE
Bei einem Vergehen einer Person in der technischen Zone (Einwechselspieler, ausgewechselter Spieler, des Feldes verwiesener Spieler oder Teamoffizieller), bei dem der Täter nicht eruiert werden kann, wird die Disziplinarmassnahme gegen den höchstrangigen Trainer in der technischen Zone ausgesprochen.
Ermahnung
Ermahnt wird ein Teamoffizieller in der Regel bei folgenden Vergehen (wiederholte oder eklatante Vergehen sind mit einer Verwarnung oder einem Feldverweis zu ahnden):
Betreten des Spielfelds in respektvoller/nicht konfrontativer Art und Weise
unterlassene Kooperation mit einem Spieloffiziellen (z. B. Missachtung einer Anweisung/Aufforderung eines Schiedsrichterassistenten oder des vierten Offiziellen)
kleinere Auseinandersetzung (mit Worten oder Handlungen) bezüglich einer Entscheidung
gelegentliches Verlassen der eigenen technischen Zone ohne weiteres Vergehen.
Verwarnung
Verwarnt wird ein Teamoffizieller u. a. bei folgenden Vergehen:
eindeutiges/wiederholtes Verlassen der eigenen technischen Zone
Verzögerung der Spielfortsetzung durch das eigene Team
absichtliches, aber nicht konfrontatives Betreten der technischen Zone des gegnerischen Teams
Verwarnung
Protestieren durch Worte oder Handlungen, einschliesslich:
Werfen/Treten von Trinkflaschen oder anderen Gegenständen
eindeutig respektlose Handlungen gegenüber einem oder mehreren Spieloffiziellen (z. B. sarkastisches Applaudieren)
Betreten der Review Area
übermässiges/wiederholtes Fordern einer gelben oder roten Karte
übermässiges Anzeigen des TV-Zeichens für eine Videoüberprüfung
provozierende oder aufhetzende Handlungen
anhaltendes inakzeptables Verhalten (einschliesslich wiederholter ermahnungswürdiger Vergehen)
respektloses Verhalten gegenüber dem Spiel
Feldverweis
Des Feldes verwiesen wird ein Teamoffizieller u. a. bei folgenden Vergehen:
Verzögerung der Spielfortsetzung durch das gegnerische Team (z. B. durch Nichtfreigabe des Balls, Wegspielen des Balls, Behinderung der Bewegung eines Spielers)
absichtliches Verlassen der eigenen technischen Zone, um:
gegenüber einem Spieloffiziellen zu protestieren oder sich bei diesem zu beschweren zu provozieren oder aufzuhetzen
Betreten der technischen Zone des gegnerischen Teams in aggressiver oder konfrontativer Art und Weise
absichtliches Werfen/Treten von Gegenständen auf das Spielfeld
Betreten des Spielfelds, um:
einen Spieloffiziellen zur Rede zu stellen (einschliesslich während der Halbzeitpause und nach Spielende)
das Spiel, einen Gegner oder einen Spieloffiziellen zu beeinflussen
Betreten des Video Operation Room (VOR)
physisches oder aggressives Verhalten (einschliesslich Spucken oder Beissen) gegenüber gegnerischen Spielern, Einwechselspielern oder Teamoffiziellen, Spieloffiziellen, Zuschauern oder anderen Personen (z. B. Ballkinder, Sicherheits- oder Wettbewerbspersonal)
zweite Verwarnung im selben Spiel
anstössige, beleidigende oder schmähende Äusserungen und/oder Handlungen
Einsatz unzulässiger elektronischer oder Kommunikationsgeräte und/oder ungebührliches Verhalten aufgrund des Einsatzes solcher Geräte
Verwarnung
Tätlichkeit
Vergehen durch Werfen von Gegenständen (einschliesslich Ball)
In allen Fällen trifft der Schiedsrichter die angemessene Disziplinarmassnahme:
Verwarnung
rücksichtsloses Vergehen:
Verwarnung für den Täter wegen unsportlichen Verhaltens
übermässig hartes Vergehen: Feldverweis für den Täter wegen einer Tätlichkeit
Verwarnung
12.5 Spielfortsetzung nach Fouls und unsportlichem Verhalten
Wenn der Ball aus dem Spiel ist, wird das Spiel gemäss der vorangegangenen Entscheidung fortgesetzt. Bei laufendem Spiel und einem physischen Vergehen eines Spielers innerhalb des Spielfelds gegen:
einen Gegner: indirekter oder direkter Freistoss oder Strafstoss
einen Mitspieler, Einwechselspieler, ausgewechselten oder des Feldes verwiesenen Spieler, Teamoffiziellen oder Spieloffiziellen: direkter Freistoss oder Strafstoss
Alle verbalen Vergehen werden mit einem indirekten Freistoss geahndet.
Wenn der Schiedsrichter das Spiel aufgrund eines Vergehens eines Spielers inner- oder ausserhalb des Spielfelds gegen eine Drittperson unterbricht, wird das Spiel mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt, es sei denn, das Vergehen wird mit einem indirekten Freistoss geahndet, weil der Spieler das Spielfeld ohne die Erlaubnis des Schiedsrichters verlassen hat. Dieser indirekte Freistoss wird an der Stelle auf der Begrenzungslinie ausgeführt, an der der Spieler das Spielfeld verlassen hat.
Verwarnung
R
Wenn bei laufendem Spiel:
ein Spieler ein Vergehen gegen einen Spieloffiziellen oder einen gegnerischen Spieler, Einwechselspieler, ausgewechselten oder des Feldes verwiesenen Spieler oder einen Teamoffiziellen ausserhalb des Spielfelds begeht oder
ein Einwechselspieler, ein ausgewechselter oder ein des Feldes verwiesener Spieler oder ein Teamoffizieller ein Vergehen gegen einen gegnerischen Spieler oder Spieloffiziellen ausserhalb des Spielfelds begeht oder diesen beeinträchtigt,
wird das Spiel mit einem Freistoss an der Stelle auf der Begrenzungslinie fortgesetzt, der dem Ort des Vergehens/der Beeinträchtigung am nächsten liegt. Bei einem mit einem direkten Freistoss zu ahndenden Vergehen ausserhalb des Spielfelds und zwischen der gedachten Verlängerung der senkrechten Linien des Strafraums des Täters, wird das Spiel mit einem Strafstoss fortgesetzt.
Wenn ein Spieler ausserhalb des Spielfelds ein Vergehen gegen einen Spieler, Einwechselspieler, ausgewechselten Spieler oder Teamoffiziellen des eigenen Teams begeht, wird das Spiel mit einem indirekten Freistoss an der Stelle auf der Begrenzungslinie fortgesetzt, die dem Ort des Vergehens am nächsten liegt.
Wenn ein Spieler den Ball mit einem in der Hand gehaltenen Gegenstand berührt (Schuh, Schienbeinschoner etc.), wird das Spiel mit einem direkten Freistoss (oder Strafstoss) fortgesetzt.
Wirft oder tritt ein Spieler inner- oder ausserhalb des Spielfelds einen Gegenstand (ausser dem Spielball) auf bzw. gegen einen gegnerischen Spieler oder wirft oder tritt er einen Gegenstand (einschliesslich eines Balls) auf bzw. gegen einen gegnerischen Einwechselspieler, ausgewechselten oder des Feldes verwiesenen Spieler oder Teamoffiziellen, einen Spieloffiziellen oder den Spielball, wird das Spiel mit einem direkten Freistoss an der Stelle fortgesetzt, an der der Gegenstand die Person oder den Spielball getroffen hat oder hätte. Wenn sich diese Stelle ausserhalb des Spielfelds befindet, erfolgt der Freistoss an der nächstgelegenen Stelle auf der Begrenzungslinie. Befindet sie sich innerhalb des Strafraums des Täters, wird das Spiel mit einem Strafstoss fortgesetzt.
Wirft oder tritt ein Einwechselspieler, ein ausgewechselter oder des Feldes verwiesener Spieler, ein Spieler, der das Spielfeld kurzzeitig verlassen hat, oder ein Teamoffizieller einen Gegenstand auf das Spielfeld und beeinflusst er so das Spiel, einen Gegner oder einen Spieloffiziellen, wird das Spiel mit einem direkten Freistoss (oder Strafstoss) an der Stelle fortgesetzt, an der der Gegenstand das Spiel beeinflusst hat oder den Gegner, den Spieloffiziellen oder den Spielball getroffen hat oder hätte.
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Viele Menschen wählen Parteien nicht ausschließlich nach ihren eigenen sozialen Vorstellungen. Häufig spielen Gefühle, Wahrnehmungen und gesellschaftliche Stimmungen eine größere Rolle als konkrete politische Folgen. Genau darin könnte ein Teil der Erklärung für den Erfolg, der Alternative für Deutschland (AfD) liegen. Einige zentrale Faktoren:
* Angst vor sozialem Abstieg
* Frust über etablierte Parteien
* Gefühl, „nicht mehr gehört“ zu werden
* Protestwahlverhalten
* soziale Medien und vereinfachte Botschaften
* starke Wirkung emotionaler Themen wie Migration oder nationale Identität.
Deshalb verwenden politische Beobachter manchmal genau das beschriebene Bild: Menschen unterstützen eine Politik, die ihre eigene soziale Absicherung gefährden könnte.
Gleichzeitig wäre es zu einfach zu sagen, AfD-Wählerinnen und -Wähler handelten irrational oder „gegen ihre Interessen“. Viele verbinden mit ihrer Wahl andere Prioritäten:
* kulturelle Sicherheit,
* Ablehnung der Bundesregierung,
* Kritik an Migration,
* Misstrauen gegenüber Medien,
* Wunsch nach grundlegender Veränderung.
Dabei entsteht oft ein Widerspruch zwischen politischen Forderungen und den tatsächlichen Auswirkungen auf den eigenen Alltag. Kritiker der AfD weisen seit Jahren darauf hin, dass Teile ihres Programms besonders Menschen mit niedrigen oder mittleren Einkommen treffen könnten – etwa durch:
* Kürzungen oder Umbauten im Sozialstaat,
* steuerpolitische Vorteile für höhere Einkommen,
* Schwächung solidarischer Sicherungssysteme,
* marktradikale Wirtschaftspositionen.
Emotionale und kulturelle Fragen überlagern materielle Interessen.
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt: Wenn Menschen über Jahre das Gefühl entwickeln, wirtschaftlich oder gesellschaftlich abgehängt zu sein, werden einfache Antworten attraktiver – selbst dann, wenn die vorgeschlagenen Lösungen komplexe Probleme nicht wirklich lösen oder neue Probleme schaffen.
Die aktuelle Stärke der AfD ist deshalb weniger mit einem einzigen Thema erklärbar als mit einer Mischung aus:
* wirtschaftlicher Unsicherheit,
* Vertrauensverlust in Institutionen,
* gesellschaftlicher Polarisierung,
* medialer Zuspitzung,
* und Fehlern anderer Parteien.
Dass viele Menschen diese Entwicklung schwer verständlich finden, ist nachvollziehbar. Gerade weil Deutschland historisch erlebt hat, wohin Nationalismus, Ausgrenzung und demokratiefeindliche Entwicklungen führen können, wird die Debatte emotional und gesellschaftlich sehr grundlegend geführt.
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Warum AfD?
Schaut man sich - sachlich basierend auf dem aktuellen AfD-Wahlprogramm - die Konsequenzen, die eine AfD-Regierung für den Alltag hätte an, würde sich für Bürgerinnen und Bürger viel zum Negativen ändern.
Umso erstaunlicher ist der Zulauf von Wählerinnen und Wählern für diese Partei. Zurzeit ist die AfD, laut Umfrage, die stärkste Partei. Das ist schwer nachvollziehbar, da sich viele AfD-Wählerinnen und Wähler durch die u.a. Veränderungen - bildlich ausgedrückt: den (sozialen) Ast absägen, auf dem sie sitzen.
Sozialleistungen und Bürgergeld
Die AfD will Sozialleistungen kürzen und sieht staatliche Umverteilung kritisch. Das Bürgergeld soll ersetzt werden. Wer also heute auf staatliche Unterstützung angewiesen ist – sei es vorübergehend durch Jobverlust oder dauerhaft durch Krankheit – muss mit deutlich härteren Bedingungen und starker finanziellen Einbuße rechnen.
Simulationsrechnungen des Leibnitz-Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigen, dass die Steuer- und Sozialpolitik der AfD vor allem Wohlhabenden nützt: Je mehr ein Haushalt verdient, desto stärker wird er entlastet – während alle anderen gesellschaftlichen Gruppen weniger bis nichts erhalten.
Mindestlohn
Ein konkretes Beispiel betrifft Geringverdiener: Union, FDP und AfD erkennen keinen politischen Handlungsbedarf zur Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns, während alle anderen Parteien sich für 15 Euro pro Stunde einsetzen. Geringverdienende profitieren besonders von einer solchen Erhöhung, während Wohlhabende eher durch Steuererleichterungen bevorzugt werden. Wer also von seiner Arbeit kaum leben kann, würde durch eine AfD-Regierung keine Verbesserung erfahren.
Euro-Austritt und wirtschaftliche Folgen
Die AfD fordert immer wieder den Austritt Deutschlands aus dem Euro-Währungssystem und die Rückkehr zur D-Mark. Sie räumt selbst ein, dass dies nicht ohne „Umstellungsbelastungen” für die Menschen abgehen würde. Was das konkret bedeutet, zeigt ein Blick auf die Forschung: Das Institut der deutschen Wirtschaft (DIW) beziffert die möglichen Wohlstandsverluste eines solchen Schritts auf hunderte Milliarden Euro, das DIW spricht von katastrophalen wirtschaftlichen Folgen. Steigende Preise, Kapitalflucht und der Verlust von Arbeitsplätzen wären die unmittelbaren Konsequenzen – und zwar für alle, nicht nur für Großunternehmen.
Klimapolitik und Energiekosten
Die AfD bestreitet den menschengemachten Klimawandel und fordert den sofortigen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen.
Subventionen für erneuerbare Energien sollen gestrichen werden. Das klingt zunächst nach Entlastung – doch die in der Realität faktisch günstigere Stromerzeugung durch erneuerbare Energien lehnt die AfD ab, obwohl diese langfristig zu niedrigeren Energiepreisen für Verbraucher führt. Fossile Energie ist dagegen stark von internationalen Märkten und geopolitischen Krisen abhängig – wie die Energiekrise 2022 eindrücklich gezeigt hat.
EU und Binnenmarkt
Die AfD sieht die EU als gescheitert an und hält einen „geordneten Austritt Deutschlands aus der EU” für möglich, falls eine Reform scheitert. Für ein Exportland wie Deutschland wäre das ein massiver Schlag: Rund 60 Prozent der Exporte gehen in andere EU-Staaten. Ein Austritt würde neue Handelshemmnisse und Zölle schaffen, Unternehmen in Schwierigkeiten bringen und die Kaufkraft der Bürger durch steigende Importpreise schwächen. Millionen Arbeitsplätze hängen direkt am EU-Binnenmarkt.
Fazit
Viele AfD-Wählerinnen und Wähler gehören genau jenen Gruppen an, die von den beschriebenen Maßnahmen am stärksten negativ betroffen wären: Geringverdiener, Rentner, Menschen in sozialer Unsicherheit, Beschäftigte in exportorientierten Branchen.
Die Partei bedient zwar verständliche Frustrationen und greift Probleme auf – doch ihre Lösungsvorschläge würden für Otto Normalverbraucher, in vielen Fällen das Gegenteil des Versprochenen bewirken. Profitieren würden Großverdiener.
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Warum Deutsche wieder rechts wählen
Deutschland hat während der Weimarer Republik (1918-1933) erlebt, wohin Hass, Nationalismus und Führerkult - von wem auch immer - führen. Und doch gewinnt die AfD Stimmen, obwohl ihre verantwortlichen Politiker:innen, immer offener rassistische, autoritäre und antidemokratische - also rechte - Positionen publizieren und vertreten. Das real und in allen analogen und digitalen Medien.
Wie kann das sein? – in einem Land, das sich „Nie wieder Nazis“ auf die Fahnen geschrieben hat. Man darf nur hoffen, dass der Trend zur AfD gebrochen wird, da die Wahl der AfD keine demokratische Alternative darstellt, unser Land und die Gesellschaft spaltet, wirtschaftlich und sozial schwächt. Als Nagelprobe wird die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt herhalten müssen.
Mit zunehmendem zeitlichem Abstand geht für viele Menschen der existenzielle Bezug zu Diktatur, Krieg und Vernichtung verloren. Wo Geschichte nicht mehr als Warnung verstanden wird, sondern lediglich als Pflichtstoff, verblasst auch das Bewusstsein dafür, wie zerbrechlich Demokratie tatsächlich ist. Das erleben wir gerade in der Ukraine und in Nahost.
Das Wissen um Hitlers Machtergreifung und die Zerstörung der Republik ist zwar dokumentiert, aber oft emotional nicht mehr verankert. So kann der Satz „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ wieder gesellschaftsfähig werden.
Demokratieschwäche
Wenn demokratische Parteien ihre Versprechen nicht halten, entsteht Misstrauen. Soziale Ungleichheit, abgehobene Politik, gebrochene Versprechen – all das schafft den Nährboden für Populisten. Die AfD ist kein Fremdkörper in unserer Gesellschaft, sie ist ein Symptom unserer Versäumnisse.
Die Demokratie stirbt nicht an einem Putsch, sondern an Gleichgültigkeit. Die größte Gefahr für die Demokratie ist nicht der Hass ihrer Feinde, sondern die Gleichgültigkeit ihrer Freunde.
Wut, Angst, Enttäuschung
Viele AfD-Wähler:innen fühlen sich abgehängt oder ignoriert. Steigende Preise, Zukunftsängste (Arbeitsplatzverlust), soziale Ungerechtigkeit – all das schafft Frust. Die AfD bietet dafür in den analogen und sozialen Medien, einfache Antworten und klare Feindbilder: „die Ausländer, die Grünen, die EU, die Eliten“. Das ist keine Politik, sondern emotionale Entlastung.
Wer Angst hat, will einfache Schuldige – nicht komplexe Lösungen. Die Partei lebt davon, dass Menschen glauben zu lassen , Demokratie sei etwas, das andere für sie erledigen.
Desinformation und digitale Echokammern
Über Telegram, YouTube, TikTok, WhatsApp oder X verbreiten AfD-nahe Akteure gezielt Falschinformationen.
Sie schaffen alternative Realitäten, in denen demokratische Institutionen als „korrupt oder „gesteuert“ dargestellt werden. Die Desinformation ersetzt Diskussion – und Empörung ersetzt Erkenntnis.
Laut einer Studie der Stiftung Neue Verantwortung (2023) glauben fast 40 % der AfD-Wähler:innen regelmäßig an Inhalte aus Desinformationskanälen in sozialen Medien.
Das ist keine Randerscheinung, sondern eine neue Form digitaler Propaganda.
Autoritäre Sehnsucht
Manche sehnen sich nach „Ordnung und Führung“. In Krisenzeiten wächst der Wunsch nach klaren Ansagen – auch wenn sie von oben kommen.
Demokratie wirkt dagegen anstrengend, laut, widersprüchlich.
Aber genau das ist ihre Stärke: Widerspruch statt Unterwerfung.
Wer „endlich wieder Durchgreifen“ will, öffnet der Willkür die Tür. Das wusste schon der Deutsche Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno (11. September 1903 - † 6. August 1969), als er schrieb:
* Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.
Protestwahl und Selbsttäuschung
Viele sagen: „Ich wähle AfD, um den anderen einen Denkzettel zu verpassen.“ Doch so fing es schon einmal an. Auch in der Weimarer Republik glaubten viele, sie könnten die Nationalsozialisten „mal ausprobieren“.
Sie wollten es den Eliten zeigen – und zerstörten dabei die Demokratie, die sie eigentlich retten wollten.
Die Geschichte zeigt, dass Rechtsstaaten nicht an einem Tag verschwinden. Sie werden ausgehöhlt – schrittweise, legal, oft mit parlamentarischen Mehrheiten.
Auch die Weimarer Republik zerbrach nicht an einem Putsch, sondern an der Normalisierung autoritärer Denkweisen, an der Verharmlosung radikaler Akteure und an der Illusion, man könne sie „einbinden“ oder „entzaubern“. Wer die AfD als gewöhnliche Protestpartei betrachtet, ignoriert diese historische Erfahrung ebenso wie internationale Parallelen – von Ungarn bis Polen, von den USA bis Italien.
Die Verteidigung der Demokratie beginnt deshalb nicht erst beim Parteiverbot, sondern beim klaren Benennen und Aufzeigen antidemokratischer Ideologien.
Die AfD wird nicht gewählt, weil die Menschen Hitler vergessen hätten, sondern weil sie nicht erkennen, dass dieselben Denkweisen – Ausgrenzung, Autoritarismus, Verachtung der offenen Gesellschaft – in neuer Sprache zurückkehren.
Heute wiederholt sich das Muster. Wer Protest wählt, stärkt die, die das System abschaffen wollen.
Autoritäre Systeme entstehen heute nicht durch Panzer vor Parlamenten, sondern durch systematische Delegitimierung. Gerichte werden als „politisch“ diffamiert, Medien als „Systempresse“ verächtlich gemacht, Wissenschaft als „ideologisch“ denunziert. Genau dieses Muster ist in Deutschland längst sichtbar – vor allem im politischen Umfeld der AfD.
Die AfD stellt den Rechtsstaat nicht offen infrage, sie zersetzt ihn rhetorisch. Sie erklärt unabhängige Medien zu Feinden, spricht Parlamenten die Legitimität ab, relativiert politische Gewalt und bedient offen das Narrativ einer angeblich korrupten Elite. Das ist kein Protest, das ist Strategie. Wer Institutionen dauerhaft verächtlich macht, bereitet ihre Abschaffung vor.
Hinzu kommen offene Sympathien für autoritäre Regime, insbesondere für Russland, sowie die systematische Verharmlosung von Putins Kriegspolitik. Wer nach innen den Rechtsstaat schwächt und nach außen Autokraten hofiert, arbeitet nicht an Reform, sondern an Machtverschiebung.
Fazit
Die Geschichte zeigt, Demokratien sterben nicht plötzlich. Sie sterben in Etappen. Erst wird Misstrauen gesät, dann Resignation erzeugt, schließlich Zustimmung erzwungen. Russland zeigt, wohin dieser Weg führt. Die USA zeigen, wie schnell er beschritten werden kann.
Deutschland ist noch ein Rechtsstaat. Aber er ist nicht unverwundbar. Wer die AfD für eine normale Protestpartei hält, ignoriert die historischen und internationalen Parallelen. Die Verteidigung der Demokratie beginnt nicht erst beim Verbot – sondern beim klaren Benennen dessen, was auf dem Spiel steht.
Die AfD wird nicht gewählt, weil die Menschen Hitler vergessen haben, sondern weil sie nicht erkennen, dass dieselben Denkweisen zurückkehren.
Wenn Erinnerung nicht wachhält, sondern bloß Geschichte wird, verkommt die Erkenntnis: “Nie wieder Nazis“ zur Floskel.
Demokratie lebt nicht von Symbolen, sondern von Bildung, sozialer Sicherheit und echter Beteiligung. Das ist die Lehre, die wir neu lernen müssen – bevor es wieder zu spät ist.
Erschreckend ist auch, dass es in der CDU, besonders im Osten, Stimmen gibt, die es gerne mit der AfD zusammen versuchen möchten.
Auch die Geschwindigkeit, die der gewählte USA-Präsident Trump benötigt und es teilweise schafft, die Demokratie in den USA zu demontieren (Gewaltenteilung, Pressefreiheit, Rechtsstaat), sollte uns eine Warnung sein.
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Alles zu seiner Zeit - Erinnerungen aus dem alten St. Pauli
Vorwort:
Ein Mensch, der 1943 in St. Pauli geboren wurde, schreibt hier über das, was ihn bewegt: die Politik der Gegenwart, die Erinnerung an eine vergangene Zeit und die Fragen, die eine Demokratie stellen muss, wenn sie sich selbst treu bleiben will.
Diese Aufzeichnung versammelt die Texte des Blogs in thematischen Kapiteln.
Es geht um den Aufstieg der AfD und die Fragilität der Demokratie, um Wirtschaftspolitik und soziale Gerechtigkeit, um Europa und seine Grenzen, um den Hamburger Kiez St. Pauli – und um die Erinnerungen eines Mannes, der dort aufgewachsen ist, als die Welt noch ganz anders aussah.
Die Texte sind persönliche Meinungen, die man nicht unbedingt teilen muss.
Kapitel 1 - Demokratie unter Druck
* Warum wird die AfD gewählt?
Warum Deutsche wieder rechts wählen – und was das mit uns allen macht.
Deutschland hat während der Weimarer Republik (1918–1933) erlebt, wohin Hass, Nationalismus und Führerkult führen. Und doch gewinnt die AfD Stimmen, obwohl ihre verantwortlichen Politikerinnen und Politiker immer offener rassistische, autoritäre und antidemokratische Positionen vertreten – real und in allen analogen wie digitalen Medien. Wie kann das sein – in einem Land, das sich »Nie wieder Nazis« auf die Fahnen geschrieben hat?
* Geschichtsvergessenheit
Die politische Publizistin Hannah Arendt wusste als Verfolgte des NS-Regimes, dass das größte Risiko nach einer Diktatur nicht nur in ihrer Wiederkehr liegt, sondern im schleichenden Verlust der Erinnerung an sie. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand geht für viele Menschen der existenzielle Bezug zu Diktatur, Krieg und Vernichtung verloren. Wo Geschichte nicht mehr als Warnung verstanden wird, sondern lediglich als Pflichtstoff, verblasst auch das Bewusstsein dafür, wie zerbrechlich Demokratie tatsächlich ist.
* Demokratieschwäche
Wenn demokratische Parteien ihre Versprechen nicht halten, entsteht Misstrauen. Soziale Ungleichheit, abgehobene Politik, gebrochene Versprechen – all das schafft den Nährboden für Populisten. Die AfD ist kein Fremdkörper in unserer Gesellschaft, sie ist ein Symptom unserer Versäumnisse.
Die Demokratie stirbt nicht an einem Putsch, sondern an Gleichgültigkeit. Die größte Gefahr für die Demokratie ist nicht der Hass ihrer Feinde, sondern die Gleichgültigkeit ihrer Freunde.
* Wut, Angst, Enttäuschung
Viele AfD-Wählerinnen und -Wähler fühlen sich abgehängt oder ignoriert. Steigende Preise, Zukunftsängste, soziale Ungerechtigkeit – all das schafft Frust. Die AfD bietet dafür einfache Antworten und klare Feindbilder: „die Ausländer, die Grünen, die EU, die Eliten«. Das ist keine Politik, sondern emotionale Entlastung. Wer Angst hat, will einfache Schuldige – nicht komplexe Lösungen.
*Desinformation und digitale Echokammern
Über Telegram, YouTube, TikTok, WhatsApp oder X verbreiten AfD-nahe Akteure gezielt Falschinformationen. Sie schaffen alternative Realitäten, in denen demokratische Institutionen als »korrupt« oder »gesteuert« dargestellt werden. Die Desinformation ersetzt Diskussion – und Empörung ersetzt Erkenntnis.
*Autoritäre Sehnsucht
Manche sehnen sich nach »Ordnung und Führung«. In Krisenzeiten wächst der Wunsch nach klaren Ansagen – auch wenn sie von oben kommen. Demokratie wirkt dagegen anstrengend, laut, widersprüchlich. Aber genau das ist ihre Stärke: Widerspruch statt Unterwerfung. Wer »endlich wieder Durchgreifen« will, öffnet der Willkür die Tür. Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. – Theodor W. Adorno
Fazit: Geschichte wiederholt sich nicht – aber sie reimt sich.
Die AfD wird nicht gewählt, weil die Menschen Hitler vergessen hätten, sondern weil sie nicht erkennen, dass dieselben Denkweisen – Ausgrenzung, Autoritarismus, Verachtung der offenen Gesellschaft – in neuer Sprache zurückkehren. Wenn Erinnerung nicht wachhält, sondern bloß Geschichte wird, verkommt die Erkenntnis »Nie wieder Nazis« zur Floskel.
* Die AfD – stärkste Kraft? Aktuelle Umfragen und ihre Bedeutung
Die AfD legte in einer Forsa-Umfrage vom 28. April 2026 einen Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche zu und liegt aktuell bei 27 Prozent, während die Union zwei Punkte verlor und auf 22 Prozent fiel. Die SPD verharrt bei 12 Prozent, gleichauf mit der Linken. Die Grünen liegen bei 15 Prozent, die FDP bei vier Prozent – unter der Sperrklausel.
Klar ist: CDU und SPD haben an Vertrauen verloren. Ob das an programmatischen Differenzen, an Kommunikation oder an konkreten politischen Entscheidungen liegt, darüber streiten Experten. Einig sind sie sich darin, dass die etablierten Parteien Antworten finden müssen – auf wirtschaftliche Sorgen, auf Migrationsfragen, auf das Gefühl vieler Bürgerinnen und Bürger, nicht gehört zu werden.
Es bleibt nur zu hoffen, dass den Wählerinnen und Wählern der AfD bewusst ist: Sie schaden mit ihrer Wahl nicht nur der Demokratie und dem Sozialstaat Deutschland, sondern häufig auch sich selbst. Die Frage bleibt, ob die Volksparteien CDU und SPD noch die Kurve kriegen, bevor aus Umfragewerten Wahlergebnisse werden.
* Die Koalition von CDU/CSU und SPD – ein Walzer ohne Leidenschaft
Die Ehe von SPD und CDU/CSU war nie eine aus Überzeugung – weder romantisch verklärt noch strategisch elegant eingefädelt. Sie war das Ergebnis politischer Notwendigkeit. Eine Zweckgemeinschaft in Zeiten wachsender Unsicherheit. Um Angela Merkel zu zitieren: »Alternativlos«. Doch genau dieses Wort ist gefährlich. Denn es suggeriert, dass es keine Wahl mehr gibt – und wo Demokratie aufhört, Wahlmöglichkeiten zu bieten, beginnt ihr Problem.
Die Metapher des Tanzes beschreibt das treffend: kein leidenschaftlicher, unberechenbarer Tango, bei dem jeder Schritt zum Machtkampf wird. Sondern ein langsamer, manchmal schwerfälliger Walzer. Einer, der Disziplin erfordert, Abstimmung – und die Bereitschaft, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten.
Eine Regierung muss nicht geliebt werden, aber sie muss funktionieren, um Vertrauen zu erhalten. Und Vertrauen ist in Zeiten politischer Polarisierung die vielleicht knappste Ressource überhaupt.
Kapitel 2 - Wirtschaft, Soziales und Gerechtigkeit
* Milliardäre – Reichtum verpflichtet, oder doch nicht?
Viele Menschen spüren es längst: Irgendetwas läuft schief. Die Preise steigen, der Staat ächzt unter Überlastung, und für viele wird das Leben spürbar teurer. Gleichzeitig wächst der Reichtum an der Spitze weiter – und zwar rasant. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung besitzt gerade einmal ein Prozent des Vermögens. Dagegen steht: Ein Prozent der reichsten Deutschen besitzt rund 28 Prozent. In Deutschland gibt es immer mehr Milliardäre – die 500 reichsten besitzen zusammen über eine Billion Euro.
* Das ist kein Ausreißer – das ist ein System
Studien zeigen: Ein typischer Millionär zahlt effektiv rund 24 Prozent Abgaben. Eine durchschnittliche Arbeitnehmerfamilie kommt auf etwa 43 Prozent. Das Ergebnis ist absehbar: Vermögen wächst oben schneller – und die Schere geht weiter auf. Und nein, das ist kein Naturgesetz. Das ist politisch gemacht.
* Die einfache Idee: Mindeststeuer für Superreiche
Eine Mindeststeuer von zwei Prozent auf Vermögen über 100 Millionen Euro. Warum Vermögen statt Einkommen? Weil Einkommen leicht verschoben, versteckt oder minimiert werden kann. Vermögen dagegen ist deutlich schwerer zu verschleiern.
Wer bereits genug Steuern zahlt, bleibt unberührt
Wer darunter liegt, zahlt die Differenz
Betroffen sind nur extrem Vermögende
Extremer Reichtum entsteht nie im luftleeren Raum. Er basiert auf Infrastruktur, Bildung, Stabilität – also auf Leistungen der Gesellschaft. Wer davon am meisten profitiert, kann sich nicht einfach aus der Verantwortung verabschieden.
Soll ein Milliardär – prozentual – wirklich weniger zum Gemeinwesen beitragen als eine Pflegekraft?
* Gesundheitsreform – Krank sparen, bis es wehtut
Diese sogenannte Gesundheitsreform ist ein sozialpolitischer Rückschritt. Während Milliardenlöcher in den Krankenkassen klaffen, entscheidet sich die Politik nicht für eine sozial gerechte und effektive Lösung, sondern für die bequemste: Die Rechnung zahlen die gesetzlich Versicherten.
Seit Jahren läuft es nach dem gleichen Muster:
Pharmaunternehmen steigern ihre Gewinne
Privatversicherungen werben die lukrativen Kunden ab
Die gesetzlich Versicherten zahlen mehr und bekommen weniger
*Die Familienversicherung im Visier
Besonders eklatant ist die Diskussion um die Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Das ist nicht irgendein Detail – das ist ein Grundpfeiler des Sozialstaates. Wer hier kürzt, stellt das Solidarprinzip grundsätzlich infrage.
* Ein echter Reformwille würde hier ansetzen
Zusammenführung von gesetzlicher und privater Versicherung.
Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze
Finanzierung versicherungsfremder Leistungen aus Steuergeldern.
Einbeziehung von Einnahmen aus der Rentenbesteuerung
Doch genau das passiert nicht. Warum? Weil es unbequem wäre und mächtige Lobbyinteressen berührt. Also bleibt alles, wie es ist – nur wird es teurer für die Mehrheit der gesetzlich Versicherten.
* Zu viele Operationen? Das Gesundheitssystem unter der Lupe
Wird in Deutschland zu viel operiert? Zumindest legen das internationale Vergleiche nahe: Bei vielen Eingriffen liegt Deutschland seit Jahren an der Spitze. Ist das ein Zeichen besonders guter Versorgung – oder eher ein Hinweis darauf, dass zu schnell zum Skalpell gegriffen wird?
Die Politik will nun gegensteuern: Eine verpflichtende Zweitmeinung vor bestimmten Operationen soll helfen, unnötige Eingriffe zu vermeiden. Doch so einfach ist es nicht. Eine Zweitmeinung führe nicht zwangsläufig dazu, dass Operationen vermieden werden – häufig würden sie lediglich verschoben, bis konservative Therapien ausgeschöpft sind.
Die Antwort liegt im System: Krankenhäuser werden über Fallpauschalen finanziert – das heißt, bestimmte Eingriffe bringen klar kalkulierbare Einnahmen. Konservative Behandlungen hingegen sind oft weniger lukrativ und aufwendiger in der Betreuung.
Weniger Operationen sind nicht automatisch bessere Medizin. Aber jede überflüssige Operation ist eine zu viel.
* Deutschland schwächelt – und was das bedeutet
Krisen galten einmal als Ausnahme. Heute sind sie Alltag: Rente wackelt, Mieten explodieren, Brücken bröckeln, Arzttermine werden zur Geduldsprobe, Schulen kämpfen am Limit, Kita-Plätze sind Glückssache. Der Arbeitsmarkt ist gleichzeitig überfordert und unterversorgt. Das eigentliche Problem ist längst nicht mehr die einzelne Krise. Es ist ihre Dauerhaftigkeit.
Wenn Krisen zum Normalzustand werden, verändert sich die Wahrnehmung der Menschen. Politik erscheint nicht mehr als gestaltende Kraft, sondern als Getriebene. In dieses Vakuum stößt die AfD – und macht dabei etwas, das auf den ersten Blick wie schonungslose Ehrlichkeit wirkt: Sie benennt Missstände.
Am Ende entscheidet nicht die Existenz von Wirtschaftskrisen über das Vertrauen in den Staat. Sondern die Frage, ob Menschen das Gefühl haben, dass jemand sie ernsthaft löst.
Kapitel 3 - Europa, die Welt und ihre Widersprüche
* Die EU und das Einstimmigkeitsproblem
Es gibt nur eine Möglichkeit, die Europäische Union vor Abweichlern wie Orbán (Ungarn) und Radew (Bulgarien) zu bewahren. So demokratisch die einheitlichen Beschlüsse bei EU-Abstimmungen auch gedacht waren: In Zeiten, in denen sich in vielen Ländern der EU politische – speziell rechtsorientierte – Blöcke bilden, sind sie nicht mehr als demokratische Grundlage zu rechtfertigen.
Wenn ein einzelner Staat Beschlüsse blockieren kann, die 26 andere befürworten, ist das demokratisch schwer zu rechtfertigen. Besonders, wenn dieser Staat gleichzeitig massiv von der EU profitiert. Das Einstimmigkeitsprinzip war ursprünglich ein Schutz für kleine Staaten, wird aber zunehmend als Waffe eingesetzt.
* Was dagegen spricht – ein demokratisches Dilemma
Hier liegt ein klassisches demokratisches Dilemma. Wenn Mehrheitsbeschlüsse bindend werden, stellt sich sofort die Frage: Wessen Mehrheit legitimiert was? Die EU ist kein Bundesstaat. Ungarn oder Bulgarien haben nie einer Verfassung zugestimmt, die sie einer europäischen Mehrheitsentscheidung in allen Bereichen unterwirft. Was der bestehende Vertrag ermöglicht.
Vertragsverletzungsverfahren (Artikel 258) mit EuGH-Klagen.
Rechtsstaatsverordnung seit 2021 – EU-Mittel können eingefroren werden.
EuGH-Urteile mit finanziellen Zwangsgeldern bei Nichtbefolgung.
Die EU sitzt damit in einer Art Falle: Die Werkzeuge, die man bräuchte, kann man nur mit Zustimmung derer einführen, gegen die man sie braucht.
* Solidarität mit Werten – nicht mit Machtpolitik
Wenn heute im Umfeld von Donald Trump Ideen auftauchen, die an die Selbstverherrlichung alter Herrscher erinnern, dann ist das kein Zufall – sondern ein gefährliches Selbstverständnis. Europa steht vor einer entscheidenden Frage: Gilt unsere Loyalität einem Staat und seinen Prinzipien – oder einem sprunghaften Präsidenten?
Wer heute reflexhaft zum Schulterschluss aufruft, ignoriert, dass sich die Spielregeln verändert haben. Ein Bündnis setzt Verlässlichkeit voraus. Doch wo politische Entscheidungen von kurzfristigen Interessen, persönlicher Inszenierung und ökonomischem Kalkül geprägt sind, wird aus Partnerschaft schnell Abhängigkeit.
Es geht nicht um Anti-Amerikanismus. Es geht um die Verteidigung dessen, was den Westen überhaupt erst ausmacht. Die entscheidende Frage lautet: Wie loyal ist Europa gegenüber seinen eigenen Werten?
Trump und Triumphbögen für Lebende – der alte Traum vom unsterblichen Herrscher.
Triumphbögen sind keine harmlosen Bauwerke. Sie sind Machtsymbole. Schon im alten Rom wurden sie errichtet, um Feldherren und Kaiser zu verherrlichen – als steingewordene Botschaft: Seht her, ich bin größer als ihr. Auch Napoleon Bonaparte ließ mit dem Arc de Triomphe ein Monument errichten, das seinen eigenen Ruhm über Generationen hinweg festschreiben sollte.
Demokratische Gesellschaften haben bewusst einen anderen Weg gewählt. Die Denkmäler auf der National Mall in Washington D.C. – etwa für Abraham Lincoln – sind keine Produkte persönlicher Eitelkeit. Sie wurden nicht errichtet, um Macht zu feiern, sondern um Geschichte zu bewerten. Und vor allem: Sie entstanden erst, als diese Bewertung möglich war – nach dem Handeln, nach der Amtszeit, nach dem Leben.
Die eigentliche Frage ist, ob wir beginnen, zu akzeptieren, dass politische Macht sich wieder selbst Denkmäler setzen darf. Wenn das geschieht, ist ein Triumphbogen nur noch das kleinste Problem.
Kapitel 4 - Energie, Umwelt und die Zukunft
* Atomkraft – die Rückkehr einer alten Idee
Trotz der Tschernobyl-Katastrophe vom 26. April 1986 erlebt Atomkraft aktuell ein Comeback in Talkshows und politischen Debatten. Vertreter aus der Union wie Jens Spahn und Markus Söder werben für eine Neubewertung. Die zentrale These der Befürworter lautet: Atomkraft sei eine klimafreundliche, sichere und wirtschaftliche Ergänzung zur Energiewende.
Allerdings wird mit keinem Wort erwähnt, dass die Abhängigkeit von Uran-Lieferungen die deutsche Energieversorgung nicht sicherer macht. Neue Atomkraftwerke sind keine schnellen Lösungen, sondern Großprojekte mit hohen Sicherheits- und finanziellen Risiken. Das zeigen die AKW in Hinkley Point C (Kosten fast verdoppelt) und Flamanville 3 (Bauzeit über ein Jahrzehnt länger als geplant).
Klimafreundlich – aber nicht klimaneutral
Atomkraft verursacht im Betrieb kaum CO₂. Doch zur ganzen Wahrheit gehört:
Energieintensiver Uranabbau
Materialaufwendiger Bau und aufwendiger Rückbau
Unsichere und ungelöste Endlagerung von Atommüll
Rückbaukosten in Milliardenhöhe.
Das ungelöste Erbe
Atomkraft produziert Strom für Jahrzehnte – und Probleme für Jahrtausende.
Die Schachtanlage Asse II zeigt, wie teuer und komplex Fehlentscheidungen werden können. Die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe sind bis heute messbar: belastete Böden, kontaminierte Wildtiere, radioaktive Rückstände in bestimmten Pilzen. Nukleare Risiken verschwinden nicht – sie verblassen nur aus der Wahrnehmung.
Die Debatte über Atomkraft ist weniger eine Frage fehlender Informationen – sondern eine Frage politischer Prioritäten. Die Technik ist bekannt. Die Probleme auch. Neu ist vor allem, wie hartnäckig bestimmte politische Kreise diese Fakten ignorieren.
Hamburg sendet ein klares Signal – Demo für die Energiewende
Tausende Menschen gingen am 18. April 2026 auf die Straße – und lagen damit weit über den Erwartungen der Organisatoren. Ihre Forderung: Der Ausbau erneuerbarer Energien muss endlich Fahrt aufnehmen. Hinter der Demonstration stand ein breites gesellschaftliches Bündnis: Fridays for Future, WWF, BUND, Greenpeace, Amnesty International und der ADFC zogen gemeinsam auf die Straße – eine seltene Allianz.
Die Kernbotschaft war unmissverständlich: Erneuerbare Energien müssen schneller ausgebaut werden, und Strom darf kein Luxusgut bleiben. Der zentrale Vorwurf lautet: Politische Entscheidungen orientieren sich zu stark an den finanziellen Interessen der Energieunternehmen – und viel zu wenig an den Bedürfnissen der Bevölkerung.
wirtschaftlichKapitel 5 - St. Pauli – Ort, Kiez und Erinnerung
St. Pauli – eine kurze Kiezgeschichte
Der »Kiez«: Ein Begriff wird zur Marke
Der Begriff Kiez stammt ursprünglich aus dem slawischen Raum und bezeichnete einfache Dienstsiedlungen. In Hamburg aber bekam das Wort eine neue Bedeutung: Heute steht es fast ausschließlich für das Rotlicht- und Vergnügungsviertel rund um die Reeperbahn. Dabei begann alles überraschend unspektakulär: Im 13. Jahrhundert stand hier ein Kloster.
St. Pauli war nie ein gewöhnliches Viertel. Es war von Anfang an ein Ort derer, die draußen bleiben mussten – und genau daraus entstand seine besondere Freiheit. Vor den Toren der reichen Kaufmannsstadt Hamburg lebten hier jene, die sich das Leben innerhalb der schützenden Mauern nicht leisten konnten – oder nicht durften. Gastwirte, Schausteller, Prostituierte, Handwerker: Berufe, die man brauchte, aber nicht sehen wollte.
Die Reeperbahn: Arbeit, die zur Bühne wird
Ende der 1620er Jahre verlagerten sich die Werkstätten der Seil- und Reepschläger hierher. Die lange, gerade Bahn, auf der Taue gefertigt wurden, gab der Reeperbahn ihren Namen. Was als Handwerk begann, wurde später zur Bühne für Theater, Zirkusse, Tanzlokale und Bordelle. In den 1950er und 60er Jahren wurde die Reeperbahn und die Große Freiheit wieder zur Bühne der Welt. Hier spielten im Starclub und Top Ten junge Bands wie The Beatles, The Searchers, Gerry and the Pacemakers – lange bevor sie weltberühmt wurden.
Zerstörung, Wiederaufbau und das vergessene Chinatown
1814 ließ die französische Besatzungsmacht unter Napoleon Bonaparte große Teile des Viertels niederbrennen – aus militärischen Gründen. St. Pauli wurde neu aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg hinterließ der Krieg riesige Zerstörungen und tiefe Wunden. Ein fast vergessenes Kapitel ist das kleine Chinatown St. Paulis, dessen Bewohner von der Gestapo verfolgt und zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. St. Pauli war nie nur bunt. Es war immer auch brutal.
St. Pauli heute – Gentrifizierung und Widerspruch
Bis in die 1970er-Jahre hinein galt St. Pauli als armes, aber solidarisches Arbeiterviertel. Über 30 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner wählen »Die Linke«, während die AfD mit unter fünf Prozent politisch kaum Fuß fasst. Ökonomisch jedoch ist St. Pauli kaum wiederzuerkennen. Seit Jahren steigen die Mieten im begehrten innerstädtischen Quartier rasant. Investoren entdecken den »Kiez«, während Sozialbindungen auslaufen und Wohnraum zur Ware wird.
St. Pauli bleibt Amüsierviertel und Marke – doch die Menschen, die seinen Ruf und seine Solidarität über Jahrzehnte geprägt haben, können es sich immer seltener leisten, hier zu leben.
Aufgewachsen auf St. Pauli – Erinnerungen aus einer anderen Zeit
Geboren 1943 als St. Paulianer. Zur Schule, von 1950 bis 1959, in der Seilerstraße 43. Gewohnt – bis 1972 – in der Hein-Hoyer-Straße, die genau gegenüber der Davidswache in die Reeperbahn mündet. Gemeinsamkeiten und Zusammenhalt waren nicht nur schöne Begriffe, sondern Grundvoraussetzung für den St.-Pauli-Alltag.
Es war laut, eng, manchmal rau. Aber es gab etwas, das heute oft fehlt: echten Zusammenhalt. Kein Heldentum. Kein großes Drama. Nur Einfallsreichtum – und Vertrauen untereinander. Wer allein war, hatte es schwer. Wer Teil einer Clique war, hatte alles: Freunde, Rückhalt, Abenteuer und eine Freiheit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Unsere Welt war St. Pauli.
Bolzplätze zum Fußballspielen, Hinterhöfe, Straßen St. Paulis und der Hamburger Hafen waren unsere Abenteuerspielplätze. Besondere Höhepunkte waren die Ausflüge in den Freihafen. Dort liefen die großen Schiffe ein, beladen mit Waren aus aller Welt – für uns hauptsächlich interessant: Südfrüchte wie Bananen, Apfelsinen und Zitronen.
Die Kunst des Schmuggels – mit Köpfchen durch den Zoll
Die Schauerleute kannten uns Jungs. Und sie hatten ein Herz für uns. Während sie die Ladung von den Schiffen in die Schuppen brachten, ging immer einmal eine Steige gezielt und bewusst kaputt oder eine Bananenstaude zerbrach. Kleine Gesten, die für uns große Bedeutung hatten, da Südfrüchte in den 1950er Jahren ein wertvolles Gut waren.
Das eigentliche Problem kam danach: Wie bekommt man die »Beute« durch die Zollkontrolle? Der Freihafen war komplett gesichert und abgesperrt – Zäune, oben mit Stacheldraht versehen. Also benötigten wir eine Lösung, ohne Zollgebühren bezahlen zu müssen. Die fanden wir – wie so oft – gemeinsam.
Wir waren meist zu dritt unterwegs. Einer von uns fuhr mit leeren Satteltaschen durch die Zollkontrolle und wartete draußen an einer vorher ausgesuchten Stelle. Der Rest blieb mit den Früchten noch im Freihafen und beförderte die Bananen und Apfelsinen über den Absperrzaun. Anschließend fuhren wir ganz normal zurück – unschuldig wie immer, da wir nichts zu verzollen hatten. Außerhalb des Freihafens wurde verteilt, was wir zuvor gemeinsam »gerettet« hatten.
Das Credo dazu ist einfach – alles zu seiner Zeit. Aber eines bleibt: Die Erinnerungen an Freundschaft, Zusammenhalt und diese unbeschwerte große Freiheit – die kann einem keiner mehr nehmen.
Kapitel 6 - Gesellschaft, Sport und Zivilgesellschaft
* Fußball und der VAR – Ein Beweis ohne Konsens
Der VAR hat das Transparenzproblem des Foulspiels im Fußball nicht gelöst, sondern nur sichtbar gemacht. Vorher war die Widersprüchlichkeit lokal und flüchtig. Jetzt ist sie durch den VAR dokumentiert, wiederholbar und vergleichbar – und trotzdem nicht vereinheitlicht.
* Das eigentliche Paradox: Der VAR wurde als Objektivierungsinstrument eingeführt. Aber er objektiviert nur das Bild, nicht die Dynamik des Momentums. Dieselbe Zeitlupe wird in Lissabon anders gelesen als in Manchester, Turin und Hamburg – weil der zugrunde liegende Standard eben nicht vereinheitlicht ist. Man hat also Präzision ohne Konsens. Das ist fast schlimmer als die alte Unschärfe, weil es den Anschein von Objektivität erzeugt, den es nicht einlösen kann.
Die FIFA hat strukturell kein Interesse an Regelklarheit. Ein präzises Regelwerk würde bedeuten: überprüfbare Fehler, dokumentierbare Inkonsistenz, rechtliche Angreifbarkeit. Mehrdeutigkeit hingegen erlaubt die Formulierung: »Das liegt im Ermessen des Schiedsrichters!«
Der VAR hat das Problem nicht gelöst – er hat es entlarvt. Nicht die Entscheidungen haben sich verändert. Nur ihre Sichtbarkeit. Und damit hat er aus Widersprüchlichkeit etwas Schlimmeres gemacht: Einen Beweis!
Olympia in Deutschland – Chancen und Risiken
Olympische Spiele in Deutschland hätten spürbare Auswirkungen auf die Bevölkerung – sowohl positive als auch negative. Großprojekte wie neue Verkehrswege, Bahnhöfe oder Sportstätten werden beschleunigt umgesetzt. Nach den Olympischen Sommerspielen 1972 in München entstand unter anderem der Olympiapark, der bis heute genutzt wird.
Vorteile
Infrastruktur und Modernisierung – Nahverkehr, Sportstätten, Wohnraum
Wirtschaftliche Impulse – Arbeitsplätze, Tourismus, internationale Aufmerksamkeit
Image als weltoffenes, modernes Land
Förderung des Sports und Gemeinschaftsgefühl
Nachteile
Hohe Kosten – Milliarden, die letztlich die Steuerzahler tragen
Verdrängung und steigende Mieten
Umweltbelastung durch Bau und internationale Reisen
»Weiße Elefanten« – Sportstätten, die nach den Spielen kaum genutzt werden
Olympische Spiele können ein enormer Gewinn für Hamburg sein – wenn sie nachhaltig und sozialverträglich geplant werden.
NGOs – Zivilgesellschaft unter Beschuss
Wenn der Hamburger Bundestagsabgeordnete der CDU, Christoph Ploß, NGOs pauschal der politischen Linken zuordnet und die Verwendung von Steuergeldern für deren soziale Arbeit und demokratische Aufklärungsprojekte kritisiert, wirkt es wie der Versuch, unsere Demokratie zu delegitimieren.
Anstatt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den von den Nichtregierungsorganisationen aufgezeigten sozialen Missständen zu suchen, wird der Fokus auf die mutmaßliche politische Orientierung verlagert. In einer Demokratie ist die kritische Begleitung staatlichen Handelns kein Luxus, sondern ein notwendiges Gegengewicht.
Mit dieser Haltung spielt Herr Ploß letztlich der AfD in die Hände. Denn wer zivilgesellschaftliche Organisationen diskreditiert, schwächt das Vertrauen in demokratische Kontrollmechanismen und fördert eine Rhetorik, die Zweifel an der Legitimität kritischer Stimmen sät.
Nachwort
Die Texte in diesem Buch entstammen einem Blog. Das bedeutet: Sie sind im Moment geschrieben worden – als Reaktion auf Ereignisse, Umfragen, Debatten. Sie tragen die Handschrift eines Menschen, der viel erlebt hat und der aufmerksam beobachtet, was um ihn herum geschieht.
Was sie verbindet, ist die Überzeugung, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Dass sie verteidigt werden muss – nicht mit Waffen, sondern mit Worten, mit Wachsamkeit, mit dem Mut, unbequeme Dinge auszusprechen. Und mit der Erinnerung daran, wohin es führt, wenn man diese Wachsamkeit aufgibt.
»Quasselstrippe« ist ein Ort, an dem geredet wird. Möge dieses Buch ein weiterer Anlass sein, das Gespräch fortzuführen.
Nicht nur meine Gedanken – aber immer meine Überzeugungen.
quasselstrippen.blogger.de | Mai 2026
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Alles zu seiner Zeit - Erinnerungen aus dem alten St. Pauli
Geboren 1943 - *auf St. Pauli. Zur Schule gegangen - von 1950 bis 1959, in der Volksschule Seilerstraße 43 - das ist eine Parallelstraße zu Reeperbahn.
Gelebt bis 1972 - in der Hein-Hoyer-Straße, die direkt gegenüber der Davidswache in die Reeperbahn mündet.
Gemeinsamkeiten und Zusammenhalt waren für Paulianer nicht nur schöne Begriffe, sondern Grundvoraussetzung für den St.‑Pauli-Alltag. Es war laut, eng aber frei, manchmal rau. Aber es gab etwas, das heute oft fehlt: Echten Zusammenhalt. Kein Heldentum, kein großes Drama. Nur Einfallsreichtum und Vertrauen untereinander. Und genau da liegt vielleicht der Unterschied zu heute.
Wir mussten und konnten uns schon im Jugendalter aufeinander verlassen - gleich welcher Nationalität oder Hautfarbe. Ein Freund war ein Freund.
Wer allein war, hatte es schwer. Wer Teil einer Clique war, hatte alles: Freunde, Rückhalt, Abenteuer und eine Freiheit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Unsere Welt war unser Umfeld. Bolzplätze zum Fußballspielen, die Straßen und Hinterhöfe St. Paulis als Treffpunkte für gemeinsame Aktivitäten. Der Hamburger Hafen war aber der spannendste Abenteuerspielplatz. Zu Fuß, per Roller oder Fahrrad wurde er erkundet.
Besondere Höhepunkte waren die Ausflüge in den Freihafen. Dort liefen die großen Schiffe ein, beladen mit Waren aus aller Welt – für uns hauptsächlich interessant: Südfrüchte wie Bananen, Apfelsinen und Zitronen. Bananenstauden wurden von den am Kai liegenden Schiffen palettenweise per Kran auf E-Karren abgelegt und in die dafür vorgesehenen Schuppen (42 und 43) transportiert und zwischengelagert. Die Bananenstauden waren noch alle grün und unreif. Sie wurden zum Reifen - separat - im bekannten Bananenschuppen 42 gelagert.
Viele Schauerleute kannten uns Jungs. Und sie hatten ein Herz für uns. Während sie die Ladung von den Schiffen in die Schuppen transportieren, ging immer einmal eine Steige (gezielt und bewusst) kaputt oder eine Bananenstaude zerbrach. Dadurch fielen immer ein paar Apfelsinen oder Bananen für uns ab.
Kleine Gesten, die für uns große Bedeutung hatten, da Südfrüchte – in den 1950er Jahren – ein wertvolles Gut waren.
* Paulianer sagen „auf St.Pauli“
Das eigentliche Problem kam danach
Wie bekommt man die „Beute“ durch die Zollkontrolle? Der Freihafen war komplett gesichert und abgesperrt – Zäune, oben mit Stacheldraht versehen. Unser Ein- und Ausgang war die Kontrollstelle am Baumwall.
Per Fahrrad oder zu Fuß einfach durch die Kontrollstelle – mit vollen Taschen? Unmöglich. Also benötigten wir eine Lösung, ohne dass wir Zollgebühren bezahlen mussten oder das unsere Beute vom Zoll beschlagnahmt wurde. Diese Lösung fanden wir – wie so oft – gemeinsam.
Wir waren meist zu dritt oder viert unterwegs. Einer oder zwei von uns fuhren mit leeren Satteltaschen oder Rucksack durch die Zollkontrolle.
Sie warteten dann draußen – außerhalb des Freihafens am Zaun – an einer vorher ausgesuchten Stelle, die von den Zöllnern nicht eingesehen werden konnte.
Der Rest von uns blieb mit den Früchten noch im Freihafen, um uns dann auf der Freihafenseite an der ausgewählten Stelle am Zaun zu treffen. Dort angekommen beförderten wir die Bananen und Apfelsinen – per Wurf – über den Absperrzaun in die Freiheit.
Unsere Kumpel fingen dann auf der anderen Seite des Zauns alles auf. Hatten wir unsere Arbeit erledigt, fuhren wir ganz normal zurück und durch die Kontrolle – raus aus dem Freihafen. Unschuldig wie immer, da wir nichts zu verzollen hatten.
Allerdings kamen auch am Zaun ab und an Kontrolleure. Die wurden aber meistens, von einem unserer Aussichtsposten, rechtzeitig gemeldet. Wir stellten unsere Arbeit dann ein.
Außerhalb des Freihafens trafen wir uns - meistens an der U-Bahnhaltestelle Baumwall - und es wurde das verteilt, was wir zuvor gemeinsam „gerettet“ hatten.
Das war unsere Art, mit Grenzen umzugehen. Für uns war diese Freiheit der Normalfall. Wir haben nicht darüber nachgedacht, ob sie besonders ist – sie war einfach da. So wie heute für viele Menschen die Freiheit selbstverständlich ist, sich über soziale Medien zu bewegen, sich auszutauschen und zu vernetzen.
Jede Generation hat ihre eigene Form von Freiheit. Unsere war draußen, direkt, greifbar. Man konnte sie sehen, hören, riechen. Sie hatte Ecken und Kanten – und manchmal auch ein bisschen Risiko. Heute ist vieles digitaler, schneller, globaler. Anders eben.
Fazit
Das Credo dazu ist einfach - alles zu seiner Zeit. Aber eines bleibt für unsere Zeit: Die Erinnerungen an Freundschaft, Zusammenhalt und diese unbeschwerte „Große“ Freiheit – die kann einem keiner mehr nehmen.
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war nie eine aus Überzeugung - weder romantisch verklärt noch strategisch elegant eingefädelt. Sie war das Ergebnis politischer Notwendigkeit. Eine Zweckgemeinschaft in Zeiten wachsender Unsicherheit. Um Angela Merkel zu zitieren: „Alternativlos“.
Doch genau dieses Wort ist gefährlich. Denn es suggeriert, dass es keine Wahl mehr gibt - und wo Demokratie aufhört Wahlmöglichkeiten zu bieten, beginnt ihr Problem.
Gleichzeitig verschiebt sich das politische Kräfteverhältnis. Die Alternative für Deutschland (AfD) profitiert von Krisenstimmung, Vertrauensverlust und politischen Differenzen.
Ihr Aufstieg zur stärksten Partei ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Uneinigkeit der demokratischen Parteien. Die AfD nutzt diese Stimmung aktiv aus. Soziale Unsicherheit, Migration, Entfremdung wird für die eigenen Interessen instrumentalisiert.
Schwer nachvollziehbar ist allerdings, das viele Wähler*innen, mit der AfD eine Partei wählen, deren Politik, ihren eigenen Interessen entgegenwirken.
Vor diesem Hintergrund bekommt die aktuelle Regierungskoalition aus den Unionsparteien - mit Bundeskanzler Merz (CDU) und der SPD eine Bedeutung, die weit über ihre inhaltlichen Projekte hinausgeht. Das Scheitern der Koalition wäre nicht einfach ein Regierungswechsel – es wäre ein Signal der Instabilität in einem Moment, in dem Stabilität dringend benötigt wird. Das bedeutet nicht, dass diese Koalition ohne Widersprüche funktioniert.
Im Gegenteil: Reibung, Misstrauen und unterschiedliche politische Kulturen prägen den Alltag. Aber genau darin liegt die eigentliche Herausforderung demokratischer Politik – nicht im perfekten Gleichklang, sondern im Aushalten und Lösen von Differenzen.
Die Metapher des Tanzes beschreibt die Situation treffend: Statt eines leidenschaftlichen, unberechenbaren Tangos, bei dem jeder Schritt zum Machtkampf wird, wäre zurzeit ein langsamer, manchmal schwerfälliger Walzer der richtige Tanz. Einer, der Disziplin erfordert, Abstimmung und die Bereitschaft, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu treten.
Denn am Ende geht es nicht um Harmonie. Es geht um Verantwortung, die nur von der Demokratie wahrgenommen werden kann.
Fazit
Eine Regierung muss nicht geliebt werden, aber sie muss funktionieren, um Vertrauen zu erhalten.
Und Vertrauen ist in Zeiten politischer Polarisierung die vielleicht knappste Ressource überhaupt.
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Die Rückkehr einer alten Idee – und warum sie nicht trägt
Trotz der Tschernobyl-Katastrophe (am 26. April 1986), die Atomkraft erlebt aktuell ein Comeback in Talkshows und politischen Debatten. Vertreter aus der Union wie Jens Spahn und Markus Söder werben für eine Neubewertung.
Auf europäischer Ebene setzt Ursula von der Leyen auf Technologieoffenheit. Die zentrale These der Befürworter lautet: Atomkraft sei eine klimafreundliche, sichere und wirtschaftliche Ergänzung zur Energiewende.
Allerdings wird mit keinem Wort erwähnt, dass die Abhängigkeit von Uran-Lieferungen, die deutsche Energieversorgung nicht sicherer macht.
Und ein genauer Blick zeigt: Die positiven Aussagen zur Atomenergie halten der Realität nur bedingt stand: Diese zeigt: Hohe Kosten und riskante Abhängigkeit, durch Uran-Import.
Auch sind neue Atomkraftwerke (AKW) keine schnellen Lösungen, sondern Großprojekte mit hohen Sicherheits- und finanziellen Risiken. Das zeigen die AKW in:
* Hinkley Point C: (Bridgwater im Südwesten von England) Kosten fast verdoppelt
* Flamanville-3: (Frankreich am Ärmelkanal) Bauzeit über ein Jahrzehnt länger als geplant
Kurz gesagt: Atomkraft scheitert an Realität. Währenddessen sind Wind- und Solarenergie umweltfreundlicher und oft deutlich günstiger und wesentlich schneller verfügbar, als ein AKW.
Klimafreundlich – aber nicht klimaneutral
Atomkraft verursacht im Betrieb kaum CO₂. Doch zur ganzen Wahrheit gehört:
* energieintensiver Uranabbau
* materialaufwendiger Bau
* aufwendiger Rückbau
* unsichere Endlagerung von Atommüll
Das ungelöste Erbe
Die größten Probleme beginnen oft erst nach dem Abschalten:
* Rückbaukosten in Milliardenhöhe
* Endlagerung über Zeiträume, die jede politische Planung sprengen
Die Schachtanlage Asse II zeigt, wie teuer und komplex Fehlentscheidungen werden können.
Pointiert: Atomkraft produziert Strom für Jahrzehnte – und Probleme für Jahrtausende.
Die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe,
sind bis heute messbar:
* belastete Böden
* kontaminierte Wildtiere
* radioaktive Rückstände in bestimmten Pilzen
Realität: Nukleare Risiken verschwinden nicht – sie verblassen nur aus der Wahrnehmung.
Wenn Hitze zum Problem wird
Atomkraftwerke brauchen Kühlung – und damit Wasser.
In Hitzesommern, wie zuletzt 2022, mussten Anlagen in Frankreich zeitweise gedrosselt werden, weil Wasser knapp wurde.
Warum die Idee trotzdem bleibt. Atomkraft ist nicht nur eine technische Frage, sondern auch eine politische:
* sie steht für zentrale Kontrolle statt dezentraler Systeme
* sie wirkt als Gegenentwurf zur Energiewende
* sie verspricht Stabilität in unsicheren Zeiten
Kurz gesagt: Atomkraft ist auch ein politisches Symbol – nicht nur eine Energiequelle.
Die naheliegende Alternative
Erneuerbare Energien bieten heute:
* niedrigere Kosten
* kürzere Bauzeiten
* geringere systemische Risiken
Fazit
Atomkraft hat einen Vorteil: geringe direkte CO₂-Emissionen im Betrieb.
Dem stehen jedoch zentrale Nachteile gegenüber:
* hohe Kosten
* lange Bauzeiten
* ungelöste Endlagerfrage
* langfristige Risiken für Mensch und Natur
Die Debatte über Atomkraft ist deshalb weniger eine Frage fehlender Informationen – sondern eine Frage politischer Prioritäten. Oder anders gesagt:
Die Technik ist bekannt. Die Probleme auch. Neu ist vor allem, wie hartnäckig - bestimmte politische Kreise - diese Fakten ignorieren.
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Die AfD legte in Umfragen gegenüber der Vorwoche zu und liegt aktuell zwischen 27 und 29 Prozent, während die Union auf 22 Prozent kommt.
Die SPD verharrt bei 12 Prozent, gleichauf mit der Linken. Die Grünen liegen bei 15 Prozent, die FDP bei vier Prozent – unter der Sperrklausel.
Klar ist: CDU und SPD haben an Vertrauen verloren. Ob das an programmatischen Differenzen, an Kommunikation oder an konkreten politischen Entscheidungen liegt, darüber streiten Experten.
Einig sind sie sich darin, dass die etablierten Parteien Antworten finden müssen – auf wirtschaftliche Sorgen, auf Migrationsfragen, auf das Gefühl vieler Bürger, nicht gehört zu werden.
Auch die Zufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz sinkt auf einen neuen Tiefpunkt. Die vergangene Woche war vom Ringen der Koalition um Reformen geprägt – insbesondere das Sparpaket für die Krankenversicherung und Merz’ umstrittene Äußerung zur gesetzlichen Rente als „Basisabsicherung” sorgten für Irritation. Viele Wählerinnen und Wähler haben die Nase voll und drücken ihren Unmut und Frust über die – in ihren Augen – unzureichende Regierungsarbeit von CDU und SPD aus, indem sie beabsichtigen, die AfD zu wählen.
Fazit
Es bleibt nur zu hoffen, dass den Wählerinnen und Wählern der AfD bewusst ist:
„Sie schaden mit ihrer Wahl nicht nur die Demokratie und den Sozialstaat Deutschland, sondern häufig auch sich selbst“.
Die Frage bleibt, ob die Volksparteien CDU und SPD noch die Kurve kriegen, bevor aus Umfragewerten Wahlergebnisse werden.
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Der „Kiez“: Ein Begriff wird zur Marke
Der Begriff Kiez stammt ursprünglich aus dem slawischen Raum und bezeichnete einfache Dienstsiedlungen. In Hamburg aber bekam das Wort eine neue Bedeutung: Heute steht es fast ausschließlich für das Rotlicht- und Vergnügungsviertel rund um die Reeperbahn.
Dabei begann alles überraschend unspektakulär: Im 13. Jahrhundert stand hier ein Kloster. Später nutzte man die freien Flächen zum Trocknen von Wäsche, bevor sich Handwerker und Fischer ansiedelten. Das benachbarte Altona – der Name wird oft als „allzu nah“ gedeutet – gehörte zeitweise zu Dänemark und bildete einen Gegenpol zur Hamburger Ordnung. St. Pauli lag genau dazwischen. Grenzgebiet – im örtlichen wie im gesellschaftlichen Sinne.
Freiheit, Geschäft und Verdrängung
St. Pauli war nie ein gewöhnliches Viertel. Es war von Anfang an ein Ort derer, die draußen bleiben mussten – und genau daraus entstand seine besondere Freiheit.
Vor den Toren der reichen Kaufmannsstadt Hamburg gelegen, lebten hier jene, die sich das Leben innerhalb der schützenden Mauern nicht leisten konnten – oder nicht durften. Gastwirte, Schausteller, Prostituierte, Handwerker: Berufe, die man brauchte, aber nicht sehen wollte. St. Pauli war nie Teil der „guten Stube“ – sondern immer ihr Hinterzimmer. Und genau das prägt den Stadtteil bis heute.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), schützte Hamburg sich mit massiven Wallanlagen. Doch Stadtteile wie der damalige:
Hamburger Berg – das heutige St. Pauli – blieben außen vor.
Hier siedelte sich an, was innerhalb der Stadt unerwünscht war:
* Amüsierbetriebe
* Kneipen
* Prostitution
* soziale Randexistenzen
Das war kein Zufall, sondern System. Die Stadt hielt sich sauber, indem sie das Ungewollte auslagerte – und gleichzeitig davon profitierte.
Denn mit dem Wachstum Hamburgs zog es immer mehr Menschen genau dorthin. Aus dem Rand wurde ein Zentrum eigener Art.
Die Reeperbahn: Arbeit, die zur Bühne wird
Ende der 1620er Jahre verlagerten sich die Werkstätten der Seil- und Reepschläger hierher. Die lange, gerade Bahn, auf der Taue gefertigt wurden, gab der Reeperbahn ihren Namen. Was als Handwerk begann, wurde später zur Bühne - für:
* Theater
* Zirkusse
* Tanzlokale
* Bordelle
Mit dem Aufstieg Hamburgs zum Welthafen – und später mit der Speicherstadt – wuchs auch der Bedarf nach Zerstreuung. Seeleute brachten Geld, Geschichten und Bedürfnisse mit.
St. Pauli lieferte die Antworten. Freiheit wurde hier nicht erfunden – sie wurde verkauft.
Zerstörung und Wiederaufbau
1814 ließ die französische Besatzungsmacht unter Napoleon Bonaparte große Teile des Viertels niederbrennen – aus militärischen Gründen, um freie Schussfelder zu schaffen.
St. Pauli wurde neu aufgebaut. Und es blieb, was es war: ein individueller Ort.
Der Zweite Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945),
hinterließ riesengroße Zerstörungen und tiefe Wunden. Ein fast vergessenes Kapitel ist das kleine Chinatown St. Paulis, dessen Bewohner von der Gestapo verfolgt und zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. St. Pauli war nie nur bunt. Es war immer auch brutal.
Glamour, Gewalt und Geschäft
In den 1950er und 60er Jahren wurde die Reeperbahn und die Große Freiheit wieder zur Bühne der Welt.
Hier spielten im Starclub und Top Ten junge Bands wie The Beatles, The Searchers, Gerry and the Pacemakers - lange bevor sie weltberühmt wurden.
Doch hinter der Fassade lief ein anderes Geschäft:
* Zuhälterbanden
* organisierte Kriminalität
* Machtkämpfe um Kontrolle und Geld
Figuren wie Wilfried Schulz prägten das Viertel ebenso wie später die „Nutella-Bande“. Luxus, Gewalt und Abhängigkeit lagen eng beieinander. Und mittendrin - Menschen.
Fazit
Bis in die 1970er-Jahre hinein galt St. Pauli als armes, aber solidarisches Arbeiterviertel. Hafenarbeit, prekäres Gewerbe und eine dichte Nachbarschaft prägten den Stadtteil – ebenso wie eine ausgeprägt linke politische Kultur. Daran hat sich bis heute wenig geändert: Über 30 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner wählen „Die Linke“, während die AfD mit unter fünf Prozent politisch kaum Fuß fasst.
Ökonomisch jedoch ist St. Pauli kaum wiederzuerkennen. Seit Jahren steigen die Mieten im begehrten innerstädtischen Quartier rasant. Investoren entdecken den „Kiez“, während Sozialbindungen auslaufen und Wohnraum zur Ware wird.
St. Pauli bleibt Amüsierviertel und Marke – doch die Menschen, die seinen Ruf und seine Solidarität über Jahrzehnte geprägt haben, können es sich immer seltener leisten, hier zu leben.
Wie kaum ein anderer - steht dieser Stadtteil für Widerspruch.
Und doch ist St. Pauli heute ein anderes Viertel. Die Mieten im begehrten innerstädtischen Quartier steigen seit Jahren rasant, Investoren entdecken den Kiez als Marke, während Sozialwohnungen verschwinden und Nachbarschaften zerbrechen.
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Krank sparen, bis es wehtut. Die Gesundheitsreform trifft die Falschen. Ein Grund, die Dinge beim Namen zu nennen:
Diese sogenannte Gesundheitsreform ist ein sozialpolitischer Rückschritt.
Während Milliardenlöcher in den Krankenkassen klaffen, entscheidet sich die Politik nicht für eine sozial gerechte und effektive Lösung, sondern für die bequemste: Die Rechnung zahlen die gesetzlich Versicherten.
Seit Jahren läuft es nach dem gleichen Muster
* Pharmaunternehmen steigern ihre Gewinne
* Privatversicherungen werben die lukrativen Kunden ab
* Die gesetzlich Versicherten zahlen mehr und bekommen weniger.
Die aktuelle Reform fügt sich nahtlos in dieses System ein. Sparen für Gesundsheitpolitik heißt in Wahrheit: Als gesetzlich Versicherter zahlst du höhere Beiträge.
Die geplanten Maßnahmen klingen harmlos – sind es aber nicht - weil resultierend dadurch:
* Höhere Zuzahlungen - Krankheit wird teurer
* Stellenabbau
* Druck auf Ärzte - Pflege & Zeit wird knapper.
* Weniger Leistungen - Versorgung wird schlechter
Das ist kein Gewinn. Das ist Leistungskürzung durch die Hintertür.
Krank sparen bis es weh tut
Immer mehr Menschen erkranken an Hautkrebs. Trotzdem will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bei der kostenlosen Vorsorge sparen. Kranke sollen die Finanzierungslücke im Gesundheitswesen schließen.
Politisch bequem: Pharmaindustrie und Spitzenverdiener bleiben unangetastet. Dabei ist die Rechnung eigentlich simpel: Vorsorge ist nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern auch finanziell deutlich effektiver als teure Nachbehandlungen.
Wer hier kürzt, handelt nicht vorausschauend, sondern verschiebt Kosten – auf Kosten der Menschen und deren Gesundheit.
So wird Gesundheitspolitik zur Sparpolitik. Und der Titel „Gesundheitsministerin“ bekommt plötzlich eine ganz eigene Bedeutung.
Frau Warken ist der verlängerte Arm derer, die davon so oder so profitieren. Unsere Gesundheitsminister*in und die Regierungsparteien wollen den Plan beschließen. Es wäre sinnvoll, die Bezeichnung „Gesundheitsminister*in“ umzubenennen, da diesen Namen urplötzlich eine andere Bedeutung zufällt.
Familienversicherung im Visier
Ein weiterer Tabubruch und besonders eklatant ist die Diskussion um die Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Das ist nicht irgendein Detail – das ist ein Grundpfeiler des Sozialstaates.
Wer hier kürzt, stellt das Solidarprinzip grundsätzlich infrage. Oder anders gesagt: Wir tragen gemeinsam - jeder zahlt für sich.
Die große Leerstelle: Wo bleibt der Staat? Es gibt eine Frage, die auffällig selten gestellt wird: Warum gleicht der Staat die Defizite nicht stärker aus?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt zahlreiche Aufgaben - z.B. die Versicherungsfremden Leistungen (VfL) - die eigentlich gesamtgesellschaftlich (über Steuern) finanziert werden müssten.
Doch statt diese sogenannten VfL ehrlich zu bezahlen, wird gespart – werden die benötigten Summen bei denen eingeholt (gesetzlich Versicherte), die ohnehin die größte Beitragslast tragen müssen. Das ist politisch bequem, aber sozial hoch problematisch, um nicht zu sagen - brisant, da die Beitragsgelder der Versicherten, durch den Staat zweckentfremdet werden.
Ein echter Reformwille zur Finanzierung würde hier ansetzen
* Zusammenführung von gesetzlicher und privater Versicherung
* Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze
* Finanzierung der VfL aus Steuergeldern
* Einnahmen aus der Rentenbesteuerung mit einbeziehen
Doch genau das passiert nicht. Warum? Weil es unbequem wäre und es mächtige Lobby-Interessen berührt.
Also bleibt alles, wie es ist – nur wird es teurer für die Mehrheit, der gesetzlich Versicherten. Das ist eigentliche Botschaft dieser Reform.
Fazit: Kein Mut, keine Gerechtigkeit
Diese Reform zeigt vor allem:
Krankheit tut weh, weil der politische Wille - die echten Probleme anzugehen - fehlt! Stattdessen:
* Kleine Korrekturen
* Große Belastungen für die breite Bevölkerung
* Ein System, das weiter auf Verschleiß fährt
Wer das Gesundheitssystem wirklich retten will, muss sich mit den mächtigen Akteuren anlegen – nicht mit den Versicherten.
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Der VAR hat das Transparenzproblem des Foulspiels im Fußball nicht gelöst, sondern nur sichtbar gemacht. Vorher war die Widersprüchlichkeit lokal und flüchtig. Jetzt ist sie durch VAR dokumentiert, wiederholbar und vergleichbar – und trotzdem nicht vereinheitlicht.
Das eigentliche Paradox
Der VAR wurde als Objektivierungsinstrument eingeführt. Aber er objektiviert nur das Bild, nicht die Dynamik des Momentums. Dieselbe Zeitlupe wird in Lissabon anders gelesen als in Manchester, Turin und Hamburg – weil der zugrunde liegende Standard eben nicht vereinheitlicht ist. Man hat also Präzision ohne Konsens. Das ist fast schlimmer als die alte Unschärfe, weil es den Anschein von Objektivität erzeugt, den es nicht einlösen kann.
Warum die Liga-Fragmentierung kein Zufall ist
Die nationalen Verbände haben ein Interesse daran, ihre Auslegungshoheit zu behalten. Der VAR auf UEFA- oder FIFA-Ebene vereinheitlicht ein wenig – aber der Alltag des Fußballs findet in den Ligen statt, und dort ist die Souveränität der Verbände real.
Eine echte Harmonisierung würde bedeuten, dass die englische Premier League denselben Körperlichkeitsstandard akzeptiert wie die italienische Serie A oder die Bundesliga. Das ist nicht nur eine technische Frage – das ist eine kulturelle und machtpolitische.
Die FIFA hat strukturell kein Interesse an Regelklarheit. Ein präzises Regelwerk würde bedeuten: überprüfbare Fehler, dokumentierbare Inkonsistenz, rechtliche Angreifbarkeit.
Mehrdeutigkeit hingegen erlaubt die Formulierung: Das liegt im Ermessen des Schiedsrichters! Ein eleganter Passus der Regel 12, der jede Nachfrage absorbiert und immer den gleichen Schuldigen hervorzaubert. Den Unparteiischen!
Der Schiedsrichter ist die einzige Figur im Fußball, die keine institutionelle Rückendeckung hat, wenn es darauf ankommt. Der Verein schützt seinen Spieler, der Verband schützt seine Interessen – der Schiedsrichter steht nach einer Fehlentscheidung allein.
Fazit
Der VAR hat das Problem nicht gelöst – er hat es entlarvt. Vorher war die Widersprüchlichkeit lokal, flüchtig und schwer nachvollziehbar. Jeder Schiedsrichter hatte seinen eigenen Spielraum – und niemand konnte ihn direkt vergleichen.
Der VAR hat das geändert. Nicht die Entscheidungen. Nur ihre Sichtbarkeit. Und damit hat er aus Widersprüchlichkeit etwas Schlimmeres gemacht: Einen Beweis!
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Hamburg demonstriert für die Energiewende
Tausende Menschen gingen am Sonnabend (18. April 2026) auf die Straße – und lagen damit weit über den Erwartungen der Organisatoren. Ihre Forderung: Der Ausbau erneuerbarer Energien muss endlich Fahrt aufnehmen. Hamburg hat am vergangenen Sonnabend ein deutliches politisches Signal gesendet: Tausende Menschen zogen durch die Straßen der Hansestadt und forderten einen schnelleren Ausbau von erneuerbarer - Grüner Energie.
Die Beteiligung übertraf die Erwartungen der Veranstalter bei Weitem. Zeitgleich fanden ähnliche Kundgebungen in weiteren deutschen Städten statt. Hinter der Demonstration stand ein breites gesellschaftliches Bündnis. Fridays for Future, WWF, BUND, Greenpeace, Amnesty International und der ADFC zogen gemeinsam auf die Straße – eine seltene Allianz, die die Breite des gesellschaftlichen Rückhalts für die Energiewende eindrücklich sichtbar machte: Die Kernbotschaft war unmissverständlich: Erneuerbare Energien müssen schneller ausgebaut werden, und Strom darf kein Luxusgut bleiben. Angesichts stockender Klimaschutzmaßnahmen und steigender Energiepreise sahen die Teilnehmenden dringenden Handlungsbedarf.
Fazit
Der zentrale Vorwurf lautet: Politische Entscheidungen orientieren sich zu stark an den finanziellen Interessen der Energieunternehmen – und viel zu wenig an den Bedürfnissen der Bevölkerung sowie den Erfordernissen einer grünen Energiewende.
Die Demonstration in Hamburg macht deutlich: Der Druck auf die Politik wächst, damit zeitnah endlich das umgesetzt wird, was politisch - zur Energiewende - angekündigt wurde.
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Es gibt nur eine Möglichkeit,
die europäische Union (EU) vor solchen Abweichlern wie Orban (Ungarn) und Radew (Bulgarien) zu bewahren. So demokratisch die einheitlichen Beschlüsse bei EU-Abstimmungen auch gedacht waren, sie sind in Zeiten, wo sich in vielen Ländern der EU, politische - speziell rechtsorientierte Blöcke bilden, weil Einzelpersonen - nicht die Bevölkerung - es so wollen, nicht mehr als demokratische Grundlage zu rechtfertigen.
Die Demokratie muss sich wehren können, indem Mehrheitsbeschlüsse bindend werden.
Wenn ein einzelner Staat Beschlüsse blockieren kann, die 26 andere befürworten, ist das demokratisch schwer zu rechtfertigen. Besonders, wenn dieser Staat gleichzeitig massiv von der EU profitiert.
Das Einstimmigkeitsprinzip war ursprünglich ein Schutz für kleine Staaten, wird aber zunehmend als Waffe eingesetzt.
Was dagegen spricht
und worüber man ernsthaft nachdenken muss:
Hier liegt ein klassisches demokratisches Dilemma. Wenn Mehrheitsbeschlüsse bindend werden, stellt sich sofort die Frage: Wessen Mehrheit legitimiert was? Die EU ist kein Bundesstaat. Ungarn oder Bulgarien haben nie einer Verfassung zugestimmt, die sie einer europäischen Mehrheitsentscheidung in allen Bereichen unterwirft.
Eine erzwungene Überstimmung könnte demokratisch gewählte Regierungen – mögen sie auch unbequem sein – delegitimieren und nationalistischen Bewegungen weiteren Auftrieb geben. Das eigentliche Problem ist ein anderes:
Orban ist nicht trotz Demokratie an der Macht, sondern durch sie. Ihn zu überstimmen löst nicht, warum Millionen Ungarn ihn wählen. Die EU kann Strukturen ändern – und sollte es in vielen Bereichen – aber sie kann nicht verordnen, was Bürger denken.
Mögliche Wege, die diskutiert werden
Qualifizierte Mehrheit in mehr Politikbereichen ausweiten und das Artikel-7-Verfahren effektiver gestalten.
EU-Mittel konsequenter an Rechtsstaatlichkeit knüpfen. Die Frage bleibt: Wie viel Einheit ist nötig und wie viel Vielfalt muss eine Union aushalten können, ohne zu zerbrechen?
Das ist eine wichtige Frage – aber die ehrliche Antwort ist: der aktuelle Vertrag bietet nur begrenzte Mittel. Die wirksamsten Lösungen würden eine Vertragsänderung erfordern.
Was der bestehende Vertrag ermöglicht, ist ein Vertragsverletzungsverfahren (Artikel 258):
Die EU-Kommission kann Staaten vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagen, wenn sie EU-Recht brechen. Der EuGH kann empfindliche Geldstrafen verhängen. Das funktioniert bei konkreten Rechtsverstößen ganz gut, greift aber nicht bei allgemeinen demokratischen Rückschritten. Seit 2021 gibt es die sogenannte Rechtsstaatsverordnung – EU-Mittel können eingefroren werden, wenn Rechtsstaatlichkeit verletzt wird. Gegen Ungarn wurde das bereits angewendet. Das ist bisher das schärfste praktische Instrument.
EuGH-Urteile
Der Gerichtshof hat in letzter Zeit zunehmend selbstbewusst entschieden – etwa zur Unabhängigkeit der Justiz in Polen. Mit finanziellen Zwangsgeldern bei Nichtbefolgung.
Was der Vertrag nicht hergibt:
* Automatischer Stimmrechtsentzug ohne Einstimmigkeit
* Ausschluss eines Mitgliedstaats
* Bindende Mehrheitsentscheidungen in sensiblen Bereichen wie Außenpolitik oder Steuern
Was eine Vertragsänderung bringen könnte:
* Einschränkung des Einstimmigkeitsprinzips
* Reform, sodass Einstimmigkeit nicht mehr erforderlich ist
* Stärkere Kompetenz des EU-Parlaments bei Sanktionen
Fazit
Eine Vertragsänderung erfordert die Zustimmung aller Mitgliedstaaten – also auch Ungarns. Das macht grundlegende Reformen im Moment praktisch unmöglich, solange Viktor Orban Ministerpräsident von Ungarn ist.
Die EU sitzt damit in einer Art Falle: Die Werkzeuge, die man bräuchte, kann man nur mit Zustimmung derer einführen, gegen die man sie braucht.
Es gibt nur eine Möglichkeit, die europäische Union (EU) vor solchen Abweichlern wie Orban (Ungarn) und Radew (Bulgarien) zu bewahren. So demokratisch die einheitlichen Beschlüsse bei EU-Abstimmungen auch gedacht waren, sie sind in Zeiten, wo sich in vielen Ländern der EU, wieder politische - speziell rechtsorientierte Blöcke bilden, weil Einzelpersonen es so wollen, nicht mehr als demokratische Grundlage zu rechtfertigen. Die Demokratie muss sich wehren können, indem Mehrheitsbeschlüsse bindend werden.
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