Samstag, 26. September 2026
Deutschland ist nicht Weimar

Die politische Lage in Deutschland wirkt derzeit so zugespitzt wie lange nicht. Bei den Landtagswahlen im September (Sachsen-Anhalt und Berlin) konnten Parteien (AfD und Linke) an den politischen Rändern deutliche Erfolge erzielen. Gleichzeitig gerieten die Parteien der Mitte (CDU und SPD) unter Druck. Das erinnert ältere Beobachter an die Weimarer Republik. Die FDP scheiterte sogar an der 5‑%-Klausel.
Der Vergleich ist verständlich, sollte aber nicht übertrieben werden. Auch die Bundesrepublik hat schwere politische Krisen erlebt: die Auseinandersetzungen um die Wiederbewaffnung und die Ostpolitik, die Protestbewegung der 1960er-Jahre, den RAF-Terror und die Nachrüstungsdebatte. Trotzdem blieb die Demokratie stabil.
Ein entscheidender Unterschied zu Weimar sind die heute gefestigten demokratischen Institutionen. Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Bundesverfassungsgericht und ein etabliertes Parteiensystem bieten Schutz vor einer politischen Entwicklung wie Anfang der 1930er-Jahre.
Auch die wirtschaftliche Lage ist trotz Wachstumsschwäche, hoher Preise und großer Unsicherheit nicht mit der Weltwirtschaftskrise und dem Massenelend jener Zeit vergleichbar.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die heutigen Probleme unterschätzt werden dürfen. Der Erfolg der AfD und anderer Parteien an den politischen Rändern zeigt, dass viele Menschen mit der politischen Entwicklung unzufrieden sind. Ihre Sorgen müssen ernst genommen werden. Gleichzeitig müssen die demokratischen Parteien deutlich machen, wo die Grenzen des Rechtsstaates und der Grundrechte liegen.
Dazu gehört auch, notwendige Reformen bei Rente, Gesundheit und Wirtschaft anzugehen. Solche Reformen waren in der Bundesrepublik immer umstritten. Adenauer, Brandt und Kohl mussten schon in früheren Jahren – bei ihren großen politischen Entscheidungen – erheblichen Widerstand überwinden.

Fazit
Deutschland befindet sich heute in einer schwierigen politischen Phase. Aber Deutschland ist nicht Weimar. Die demokratischen Institutionen sind gefestigt. Entscheidend ist, ob die Politik diese Stärke nutzt, um Probleme zu lösen, Vertrauen zurückzugewinnen und die Demokratie zu verteidigen.

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Tankrabatt

Der öffentliche Nahverkehr darf nicht vergessen werden
In der Diskussion über die Entlastung bei den Mobilitätskosten steht derzeit vor allem der Tankrabatt für Autofahrer im Mittelpunkt. Damit sollen Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts hoher Kraftstoffpreise finanziell entlastet werden.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie viel dieser staatlichen Entlastung tatsächlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt. Denn die Entwicklung der Kraftstoffpreise hängt von zahlreichen Faktoren ab. Auch die Preisgestaltung der Mineralölunternehmen kann beeinflussen, in welchem Umfang eine staatliche Entlastung an die Kundinnen und Kunden weitergegeben wird.
Weniger Beachtung findet dagegen die große Zahl von Menschen, die für ihren täglichen Weg zur Arbeit, zur Ausbildung oder aus anderen Gründen auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.
Auch für sie können steigende Fahrpreise für Busse, S-Bahnen und U-Bahnen eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen.
Wenn der Staat Autofahrer angesichts hoher Kraftstoffpreise finanziell unterstützt, sollte er deshalb auch diejenigen berücksichtigen, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Das gilt insbesondere für Menschen, die bewusst auf das Auto verzichten und damit zur Entlastung von Straßen und Umwelt beitragen sowie für alle Standardkunden des öffentlichen Nahverkehrs.

Fazit
Eine ausgewogene Verkehrspolitik sollte deshalb nicht einseitig den Individualverkehr bevorzugen. Auch die Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs sollten bei staatlichen Maßnahmen zur Senkung der Mobilitätskosten angemessen berücksichtigt werden.

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Rentenreform

Wer Änderungen fordert, muss Alternativen nennen
In der Debatte über die Empfehlungen der Alterssicherungskommission wächst der Streit darüber, ob die Bundesregierung tatsächlich alle
33 Vorschläge
umsetzen soll.
Der Wirtschaftsweise und Kommissionsmitglied Martin Werding fordert für den Fall, dass zentrale Bestandteile herausgenommen werden, konkrete Alternativen.
Als Beispiel nennt der Wirtschaftsprofessor die bis 2031 verlängerte Haltelinie beim Rentenniveau. Sie könnte nach seiner Auffassung wieder aufgegeben werden. Dadurch würde der Bundeshaushalt von zusätzlichen finanziellen Zusagen entlastet. Werding verweist darauf, dass die Finanzierungsprobleme des Bundes für die Jahre 2029 und 2030 die vorgesehenen zusätzlichen Mittel für die Haltelinie deutlich überstiegen.
Seine Argumentation geht jedoch über die Haushaltsfrage hinaus. Ohne die Haltelinie könnten die bisherigen Anpassungsmechanismen der gesetzlichen Rentenversicherung wieder stärker wirken. Steigende Beitragssätze und ein ungünstigeres Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentnerinnen und Rentnern würden dann auch die jährlichen Rentenanpassungen beeinflussen. Die finanziellen Folgen des demografischen Wandels würden damit stärker zwischen den Generationen verteilt.
Werding stellt außerdem die Mütterrente III zur Diskussion. Bei der Neuregelung werden die Erziehungszeiten innerhalb der Mütterrente weiter angeglichen. Werding argumentiert, dass bei der Bewertung der Reform nicht nur die Belastungen älterer Menschen betrachtet werden sollten, sondern auch die langfristigen Folgen für jüngere Versicherte.
Damit berührt die Debatte einen grundsätzlichen Zielkonflikt der Rentenpolitik: Wie lässt sich ein angemessenes Rentenniveau sichern, ohne die jüngeren Generationen und den Bundeshaushalt übermäßig zu belasten? Eine Änderung einzelner Bestandteile des Rentenpakets beantwortet diese Frage noch nicht. Sie müsste mit einer nachvollziehbaren Aussage darüber verbunden werden, wie die dadurch entstehenden finanziellen und sozialen Folgen anderweitig aufgefangen werden sollen.

Fazit
Die Bundesregierung steht damit vor der Aufgabe, ihre ursprüngliche Zusage zur Umsetzung der Empfehlungen der Alterssicherungs-kommission mit den inzwischen geäußerten Bedenken innerhalb der Koalition in Einklang zu bringen. Diese Unsicherheit nutzt nur der AfD.
Auf einen einfachen Nenner gebracht: Vorausschauendes Denken sieht anders aus!

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