Was das AfD-Wahlprogramm verspricht und was dahintersteht
Die AfD beruft sich in ihrem Wahlprogramm ausdrücklich auf Demokratie, freie Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und die politische Entscheidungsgewalt des Volkes. Auch in ihrer Landessatzung bekennt sie sich unter anderem zur parlamentarischen Opposition, zur Unabhängigkeit der Gerichte, zu Menschenrechten und zur Bindung staatlichen Handelns an Recht und Gesetz.
Das allein beantwortet jedoch noch nicht die entscheidende Frage: Was versteht die AfD eigentlich unter Demokratie – und wie weit reicht dieses Verständnis?
Demokratie erschöpft sich nicht darin, dass Bürgerinnen und Bürger alle paar Jahre ihre Stimme abgeben dürfen. Zu einer freiheitlichen Demokratie gehören ebenso die Gewaltenteilung, unabhängige Gerichte, eine freie Presse, liberales Bildungswesen, eine starke parlamentarische Opposition, der Schutz von Minderheiten und die Bindung staatlicher Macht an die Verfassung. Auch die Rechte derjenigen, die eine politische Mehrheit nicht teilen, gehören zum demokratischen System.
Genau hier liegt die entscheidende Diskrepanz zwischen dem demokratischen Selbstbild der AfD und der Kritik, die an ihrer politischen Ausrichtung geäußert wird. Die AfD stellt sich selbst als politische Kraft dar, deren bloße Existenz ein Beweis für die Funktionsfähigkeit der Demokratie sei. In ihrem Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt schreibt sie sinngemäß, dass Demokratie vor allem darin bestehe, dass politische Macht durch den Volkswillen und durch Mehrheitsentscheidungen legitimiert werde. Zugleich betont sie, dass auch die parlamentarische Minderheit bestimmte Rechte genießen müsse. Doch Demokratie bedeutet mehr als das Prinzip „Die Mehrheit entscheidet“.
Denn gerade die Geschichte Europas zeigt, dass demokratische Mehrheiten allein keine Garantie für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sind. Eine Demokratie muss deshalb auch diejenigen schützen, die einer Mehrheit angehören – und ebenso diejenigen, die gerade nicht zur Mehrheit gehören. Das macht die Auseinandersetzung mit dem AfD-Programm so wichtig. Entscheidend ist nicht allein, was eine Partei über Demokratie sagt, sondern auch, welche konkreten politischen Konsequenzen sich aus ihren Forderungen ergeben.
Dabei geht es beispielsweise um den Umgang mit Minderheiten und Menschen mit ausländischen Wurzeln, um die Stellung unabhängiger Institutionen, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um die Rolle des Verfassungsschutzes, um die Europäische Union und um die Frage, wie weit eine politische Mehrheit in die Rechte anderer Menschen eingreifen darf.
Gerade deshalb sollte man das demokratische Selbstverständnis einer Partei nicht nur an ihren Bekenntnissen messen, sondern an ihren politischen Forderungen und an ihrem tatsächlichen Umgang mit demokratischen Institutionen.
Demokratisch oder undemokratisch?
Der Landesverband Sachsen-Anhalt ist dabei ein besonders aktuelles Beispiel: Der Verfassungsschutz stufte ihn bereits 2023 als gesichert rechtsextremistisch ein. Die AfD bestreitet diese Einstufung und geht juristisch dagegen vor.
Damit ist allerdings noch keine abschließende Antwort auf die Frage gegeben, ob die AfD demokratisch oder undemokratisch ist. Diese Entscheidung kann nicht allein aufgrund politischer Wertungen getroffen werden. Sie muss sich an den Maßstäben des Grundgesetzes und des geltenden Rechts orientieren.
Fazit
Die eigentliche politische Frage lautet deshalb:
Reicht es aus, sich auf freie Wahlen und den Willen der Mehrheit zu berufen – oder muss eine demokratische Partei darüber hinaus bereit sein, die Rechte ihrer politischen Gegner, von Minderheiten und unabhängiger Institutionen auch dann zu schützen, wenn sie selbst die politische Mehrheit besitzt?
Genau an diesem Punkt sollte man das AfD-Wahlprogramm kritisch lesen:
✅ Denn Demokratie ist nicht nur das Recht, eine Stimme abzugeben.
✅ Demokratie bedeutet auch, sicherzustellen, dass diejenigen, die morgen in der Minderheit sind, weiterhin ihre Rechte behalten.
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