Sport und Politik müssen getrennt bleiben
Kaum ein Satz wird von Funktionären häufiger wiederholt, wenn es um Fußball, Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften geht. Doch der hält weder einer aktuellen noch einer historischen Betrachtung stand. Sport war nie unpolitisch. Er war schon immer Bühne für Macht, nationale Interessen, wirtschaftliche Einflussnahme und ideologische Botschaften.
Der aktuelle Fall um den US-Fußball-Nationalspieler „Folarin Balogun“ macht das erneut deutlich.
Übereinstimmenden Berichten internationaler Nachrichtenagenturen und Medien zufolge kontaktierte US-Präsident Donald Trump FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich und bat darum, Baloguns Rote-Karten-Sperre überprüfen zu lassen. Kurz darauf wurde die automatische Sperre überraschend für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt – ohne nachvollziehbare öffentliche Begründung.
Ob Trumps Anruf die Entscheidung tatsächlich beeinflusst hat, kann nicht bewiesen werden. Entscheidend ist jedoch etwas anderes: Allein die Tatsache, dass sich ein Staatspräsident in ein laufendes sportrechtliches Verfahren einschaltet, zeigt, wie durchlässig die Grenze zwischen Politik und Sport in Wirklichkeit ist.
Die Reaktionen waren entsprechend deutlich. Jürgen Klopp sprach von einem „verrückten“ Vorgang. DFB-Präsident Bernd Neuendorf verlangte Aufklärung. Auch der EU-Sportkommissar Glenn Micallef erinnerte daran, dass sportrechtliche Entscheidungen allein den unabhängigen Verbänden zustehen und nicht der Politik.
FIFA-Präsident Gianni Infantino
Jede Einflussnahme wies der FIFA-Präsident zurück. Er erklärte, Trump lediglich auf das laufende Verfahren bei den unabhängigen FIFA-Gremien hingewiesen zu haben. Doch unabhängig davon bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn Glaubwürdigkeit lebt nicht nur von tatsächlicher Unabhängigkeit, sondern auch vom Vertrauen in ihre Wahrung.
Wer glaubt, dies sei ein Einzelfall, irrt
Schon die Olympischen Spiele der Antike waren politische Ereignisse. Die griechischen Stadtstaaten nutzten sie, um ihre Stärke, ihren Einfluss und ihre kulturelle Bedeutung zu demonstrieren. Sport war Teil der Machtpolitik.
1936 machten Hitler und seine Nationalsozialisten die Olympischen Spiele in Berlin zur größten Propagandaveranstaltung ihrer Zeit. Millionen Menschen sollten glauben, Deutschland sei ein friedliches, modernes und überlegenes Land. Der Sport diente der Inszenierung einer verbrecherischen Diktatur.
Während des Kalten Krieges, ab den 1950er Jahren, wurden Olympische Spiele und Weltmeisterschaften zu Stellvertreterkonflikten zwischen Ost und West. Medaillenspiegel galten als Beweis für die Überlegenheit des jeweiligen politischen Systems. Boykotte gehörten ebenso dazu wie staatlich organisiertes Doping.
Auch heute bleibt der Spitzensport ein Instrument politischer Interessen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar gilt vielen als Paradebeispiel für sogenanntes Sportswashing. Ein autoritärer Staat nutzte das größte Fußballturnier der Welt, um sein internationales Ansehen zu verbessern und Kritik an Menschenrechtsverletzungen in den Hintergrund zu drängen.
Hinzu kommen wirtschaftliche Interessen. Milliardenverträge, Fernsehrechte, Sponsoren und geopolitische Beziehungen machen internationale Sportverbände - FIFA und IOC - längst zu globalen Machtzentren. Wer glaubt, Entscheidungen würden ausschließlich nach sportlichen Maßstäben getroffen, verkennt diese Realität.
Deshalb ist die Behauptung, Sport und Politik ließen sich trennen, vor allem eines: ein Mythos.
Sport verbindet Menschen
Er kann Brücken bauen und Grenzen überwinden. Gleichzeitig ist er aber immer auch Spiegel gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Wer Weltmeisterschaften vergibt, Olympische Spiele ausrichtet oder über Sperren, Sanktionen und Verbandsentscheidungen bestimmt, bewegt sich längst nicht mehr ausschließlich auf sportlichem Terrain.
Fazit
Denn Sport ist Politik! Wer etwas anderes behauptet, verwechselt Wunschdenken mit Wirklichkeit.
Der Fall des US-Fußballers Folarin Balogun ist deshalb weniger eine Ausnahme als eine Erinnerung daran, dass Sport niemals außerhalb der Politik existiert hat.
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