Die aktuelle Lage
Eine extreme Hitzewelle erfasst Europa im Juni 2026; Temperaturen liegen über 10 Grad über dem langjährigen Mittel. Der bisherige deutsche Hitzerekord (41,2°C, Juli 2019) könnte fallen
Die Gefährlichkeit der Hitze wird in Deutschland oft unterschätzt.
Gewöhnlich freuen sich alle, wenn es »warm« wird. Das liegt an der deutschen Klimahistorie: Noch in den Fünfzigerjahren gab es im Schnitt nur dreieinhalb Tage pro Jahr mit mehr als 30 Grad.
Mittlerweile sind es - „der Klimakrise sei Dank“ - über 12 Tage, wobei es immer öfter Ausschläge nach oben gibt, so waren es 2018 schon einmal 20 Tage pro Jahr. Diese neue Klimarealität wird nicht mehr verschwinden, sondern dürfte sich laut Klimaforschenden eher verschärfen.
Es wird künftig normal sein, dass es wochenlang so heiß ist. Die Wetterlage ist kein Spaß, sondern eine Naturkatastrophe.
Bei Erdbeben, Wirbelstürme, Waldbrände oder Überflutungen käme niemand auf die Idee, Meldungen mit Bildern glücklicher Kinder am Springbrunnen und dösender Urlauber am Strand zu illustrieren, wie es oft noch der Fall ist. Hitze assoziieren viele Bürger mit Planschvergnügen und dem letzten Italienurlaub. Ein fataler Irrtum - und ein Grund, warum Deutschland bisher so schlecht vorbereitet ist.
Jeden Sommer sterben Tausende Menschen in Deutschland wegen der hohen Temperaturen. Das Robert Koch-Institut nennt sie »hitzebedingte Sterbefälle«. Im vergangenen, vergleichsweise milden Sommer waren es rund 2500 Tote, in extremen Hitzesommern wie 2018 fast 9000 Tote.
Speziell Menschen mit einer Vorerkrankung, etwa Bluthochdruck oder einem schwachen Herz sind betroffen. Doch auch gesunde Menschen können an einem Hitzeschlag sterben. Hinzu kommt eine nicht erfasste Zahl alter und chronisch kranker Menschen, deren Gebrechen durch die hohen Temperaturen schlimmer werden. Auch wenn sie nicht sterben, leiden sie unter der Hitze.
Die Politik reagiert,
als ginge sie das nichts an. Die meisten Krankenhäuser in Deutschland sind nicht oder nur teilweise klimatisiert. Frisch operierte Menschen, Frauen im Kreißsaal, die gerade ein Kind bekommen haben, oder Patienten mit Krebsleiden oder Schlaganfall liegen derzeit in Tausenden - unklimatisierten - Mehrbettzimmern. Haben sie Pech, liegen sie in einem ungedämmten Altbau auf der Südseite.
Dramatisch sind auch die wirtschaftlichen Folgen: Hohe Temperaturen sind ein Standortrisiko. Mehr als 100 Milliarden Euro könnte die Hitze die deutsche Volkswirtschaft bis 2030 kosten.
Pro Grad Celsius - oberhalb der kritischen Marke von 30 Grad - sinkt die Produktivität um rund drei Prozent, die Energiekosten steigen um etwa 1,2 Prozent, rechnet der Kreditversicherer Allianz Trade vor. Eine Studie von Prognos im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums hat die Folgen sogar auf einen einzigen Hitzetag heruntergerechnet: Der führt zu Verlusten von 431 Millionen Euro.
Mit guten Ratschlägen und Wasserspendern lassen sich diese Probleme nicht beheben. Beim Klimaschutz muss die Politik endlich verbindliche Regeln setzen: Wird ein Gebäude saniert oder neu gebaut, sollte der Hitzeschutz eingeplant werden. Gemeinden müssten verpflichtet werden, eine Mindestzahl kühler Rückzugsorte bereitzustellen. Auch Krankenhäuser und Pflegeheime brauchen solche Räume.
Wie es besser geht, zeigt Frankreich . Dort haben die Menschen gerade die heißeste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt.
Tagsüber herrschten in den südwestlichen Landesteilen 44 Grad. Dennoch hat das Land die Folgen halbwegs im Griff, seitdem es verpflichtende Hitzeschutzpläne für alle Gemeinden gibt und man sich um vulnerable Gruppen kümmert.
Durch das landesweite Hitzeregister können Menschen ab 65 bei mehr als 34 Grad angerufen oder besucht werden. Zudem greifen für Krankenhäuser gesetzliche Krisenpläne in Hitzewellen. Darin sind konkrete Maßnahmen vorgesehen, etwa die Räumung von überhitzten Räumen.
In Deutschland gibt es nur unverbindliche Empfehlungen. Es gäbe hierzulande also viel zu tun. Wenn nicht für diesen, dann für nächsten Sommer.
Das Wahrnehmungsproblem
Hitze wird in Deutschland verharmlost und oft mit positiven Bildern (Freibad, Urlaub) assoziiert, statt als Naturkatastrophe behandelt zu werden. Andere Extremwetterereignisse (Erdbeben, Stürme, Überschwemmungen) werden nicht so verniedlicht.
Gesundheitliche Folgen
Hitzebedingte Todesfälle: ca. 2.500 im letzten (milden) Sommer, bis zu 9.000 in Extremsommern wie 2018.
Betroffen sind auch Vorerkrankte, ältere Menschen und Patienten in unklimatisierten Krankenhäusern
Wirtschaftliche Folgen
✅ Bis 2030 könnten Hitzeschäden die deutsche Wirtschaft über 100 Milliarden Euro kosten.
✅ Pro Grad über 30°C: ca. 3% Produktivitätsverlust,
✅ 1,2% höhere Energiekosten.
✅ Ein einzelner Hitzetag kostet schätzungsweise 431 Millionen Euro.
Fazit
Lösungsvorschlag: Frankreich als Vorbild:
✅ Verpflichtende Hitzeschutzpläne für Gemeinden.
✅ Ein Register, über das gefährdete Menschen ab 65 Jahren bei Extremhitze kontaktiert werden.
✅ Gesetzliche Krisenpläne für Krankenhäuser.
Auch Deutschland braucht verbindliche, statt unverbindliche Regeln bei Bauvorschriften, kühlen Rückzugsorten und Krankenhausschutz.
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Kann die AfD, durch ein Gesetz von 1879 die Justiz beeinflussen?
Hier kommt die Angst, vor dem Missbrauch der Demokratie, ins Spiel.
Beamte sind gegenüber ihren Vorgesetzten weisungsgebunden und könnten im schlimmsten Fall, für bestimmte, politische Vorhaben, instrumentalisiert werden.
Worum geht’s?
1879, kurz nach der Reichsgründung, hat Deutschland seine Justiz vereinheitlicht. Dabei wurde auch festgelegt: Staatsanwaltschaften sind “weisungsgebunden”.
Das heißt im Klartext, auf die heutige Situation bezogen, ein(e) Justizminister*inn - z.B. von der AfD - kann Staatsanwälten*innen Anweisungen geben, Ermittlungen stoppen, beschleunigen und in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Das Gesetz ist über 140 Jahre alt und und kann bis heute fast unverändert angewendet werden.
In der Praxis passiert das so gut wie nie. Kein Minister will sich die Finger verbrennen, indem er offensichtlich in ein Verfahren eingreift. Aber die Möglichkeit besteht. Das macht gerade aktuell - vielen Demokraten - Angst und Sorgen.
Trotz aller Bemühungen habe es keinerlei Fortschritt gegeben. Nach wie vor habe der Bundesjustizminister ein unbegrenztes Weisungsrecht gegenüber dem Generalbundesanwalt.
Die Staatsanwaltschaften in den Ländern seien an Weisungen der jeweiligen Landesjustizministerien gebunden. Eine Reform sei wichtiger denn je, auch angesichts des Abbaus von Rechtsstaatlichkeit in anderen EU-Staaten.
Warum jetzt die Aufregung?
Ein kurzer Blick auf den Kalender: Im September wird in Sachsen-Anhalt gewählt, und die AfD hat reelle Chancen auf eine Regierungsbeteiligung, vielleicht sogar auf eine Alleinregierung. Und damit auch auf den Posten der Justizminister*inn, mit Weisungsbefugnis gegenüber der Staatsanwaltschaft.
Der Deutsche Richterbund schlägt deshalb Alarm. Geschäftsführer Sven Rebehn warnt sinngemäß: Wenn rechtspopulistische Parteien an Einfluss gewinnen, dürfe es keine offenen Türen für politischen Missbrauch der Strafverfolgung geben. Seine Forderung: Das Weisungsrecht sollte abgeschafft werden - und zwar bevor es zu spät ist.
Pikant dabei ist,
der Blick ins Ausland macht es nicht entspannter.
Wer vor Machtmissbrauch in der Justiz warnt, zeigt gerne auf andere Länder:
* Polen, wo die frühere, rechtsgerichtete Regierung mit neuen Gesetzen, unliebsame Richter unter Druck gesetzt hat
* Ungarn, wo Viktor Orbán die Justiz durch Verfassungsänderungen stärker an die Regierung gebunden hat.
* USA, wo Donald Trump sich offene Machtkämpfe mit Gerichten liefert.
Ist Deutschlands Justiz schon betroffen?
Nicht in dem Ausmaß wie in den genannten Ländern — aber ganz frei von politischer Einflussnahme ist die Justiz auch nicht. Hinter den Kulissen erzählen Staatsanwälte und Polizeibeamte von Fällen, in denen wichtige Posten nach Parteifarbe besetzt wurden, oder Ermittlungen auf politischen Druck hin beschleunigt wurden.
Noch deutlicher wird’s beim Europäischen Gerichtshof: Der hat Deutschland für genau dieses Weisungsrecht gerügt. Die Konsequenz ist konkret spürbar — deutsche Staatsanwälte dürfen wegen mangelnder Unabhängigkeit keine europäischen Haftbefehle mehr ausstellen. Das übernehmen jetzt die Gerichte.
Und was macht die Politik?
Hier wird’s typisch deutsch-kompliziert. NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) plädiert für ein “Weisungsrecht light”: Staatsanwälte sollen mehr Autonomie bekommen, aber der Minister behält im Notfall noch einen letzten Hebel.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) ist zurückhaltender. Sie sieht verfassungsrechtliche Bedenken gegen eine komplette Abschaffung und setzt eher auf mehr Transparenz — zum Beispiel, dass Weisungen schriftlich dokumentiert werden müssen.
Ihr Vorgänger Marco Buschmann hatte schon einen Reformentwurf in der Schublade. Der kam aber nie durch, weil die Ampelkoalition vorher zerbrach. Die jetzige Merz-Regierung hat dazu nichts Verbindliches im Koalitionsvertrag stehen — man “schaue sich den Entwurf nochmal an”, heißt es vage aus dem Ministerium.
Fazit
Es ist eine dieser Situationen, in denen ein Gesetz aus dem Kaiserreich plötzlich hochaktuell wird, weil sich die politische Landschaft verändert. Die Frage ist nicht, ob das Weisungsrecht heute missbraucht wird - sondern ob es das Werkzeug dafür liefern könnte, falls sich die Machtverhältnisse verschieben. Und solange das offen bleibt, wird die Debatte nicht verschwinden.
Das Muster ist immer ähnlich: Wenn die Gewaltenteilung zwischen Regierung und Justiz aufweicht, wächst der politische Zugriff auf Ermittlungen und Urteile.
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