Freitag, 15. Mai 2026
Regierungspartei AfD ?

Warum AfD wählen?
Das ist eine wichtige Frage, die viele Menschen beschäftigt. Schaut man es sich sachlich an – basierend auf dem tatsächlichen AfD-Wahlprogramm und den Konsequenzen, die eine AfD-Regierung für den Alltag hätte – würde sich für Otto Normalverbraucher viel ändern. Umso erstaunlicher ist der Zulauf von Wählerinnen und Wählern für diese Partei. Das ist schwer nachvollziehbar, da folgende Veränderungen durch die AfD angestrebt werden. Um es bildlich auszudrücken: Viele AfD-Wählerinnen und Wähler sägen sich mit ihrer Wahl den (sozialen) Ast ab, auf dem sie sitzen.

Sozialleistungen und Bürgergeld
Die AfD will Sozialleistungen kürzen und sieht staatliche Umverteilung kritisch. Das Bürgergeld soll durch eine „aktivierende Grundsicherung” ersetzt werden.
Wer also heute auf staatliche Unterstützung angewiesen ist – sei es vorübergehend durch Jobverlust oder dauerhaft durch Krankheit – muss mit deutlich härteren Bedingungen rechnen. Simulationsrechnungen des Leibnitz-Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigen, dass die Steuer- und Sozialpolitik der AfD vor allem Wohlhabenden nützt: Je mehr ein Haushalt verdient, desto stärker wird er entlastet – während alle anderen gesellschaftlichen Gruppen weniger bis nichts erhalten.

Mindestlohn
Ein konkretes Beispiel betrifft Geringverdiener: Union, FDP und AfD erkennen keinen politischen Handlungsbedarf zur Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns, während alle anderen Parteien sich für 15 Euro pro Stunde einsetzen. Geringverdienende profitieren besonders von einer solchen Erhöhung, während Wohlhabende eher durch Steuererleichterungen bevorzugt werden. Wer also von seiner Arbeit kaum leben kann, würde durch eine AfD-Regierung keine Verbesserung erfahren.

Euro-Austritt und wirtschaftliche Folgen
Die AfD fordert den Austritt Deutschlands aus dem Euro-Währungssystem und die Rückkehr zur D-Mark. Sie räumt selbst ein, dass dies nicht ohne „Umstellungsbelastungen” für die Menschen abgehen würde. Was das konkret bedeutet, zeigt ein Blick auf die Forschung: Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert die möglichen Wohlstandsverluste eines solchen Schritts auf hunderte Milliarden Euro, das DIW spricht von katastrophalen wirtschaftlichen Folgen. Steigende Preise, Kapitalflucht und der Verlust von Arbeitsplätzen wären die unmittelbaren Konsequenzen – und zwar für alle, nicht nur für Großunternehmen.

Klimapolitik und Energiekosten
Die AfD bestreitet den menschengemachten Klimawandel und fordert den sofortigen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Subventionen für erneuerbare Energien sollen gestrichen werden. Das klingt zunächst nach Entlastung – doch die in der Realität faktisch günstigere Stromerzeugung durch erneuerbare Energien lehnt die AfD ab, obwohl diese langfristig zu niedrigeren Energiepreisen für Verbraucher führt. Fossile Energie ist dagegen stark von internationalen Märkten und geopolitischen Krisen abhängig – wie die Energiekrise 2022 eindrücklich gezeigt hat.

EU und Binnenmarkt
Die AfD sieht die EU als gescheitert an und hält einen „geordneten Austritt Deutschlands aus der EU” für möglich, falls eine Reform scheitert. Für ein Exportland wie Deutschland wäre das ein massiver Schlag: Rund 60 Prozent der Exporte gehen in andere EU-Staaten. Ein Austritt würde neue Handelshemmnisse und Zölle schaffen, Unternehmen in Schwierigkeiten bringen und die Kaufkraft der Bürger durch steigende Importpreise schwächen. Millionen Arbeitsplätze hängen direkt am EU-Binnenmarkt.

Fazit
Viele AfD-Wählerinnen und Wähler gehören genau jenen Gruppen an, die von den beschriebenen Maßnahmen am stärksten negativ betroffen wären: Geringverdiener, Rentner, Menschen in sozialer Unsicherheit, Beschäftigte in exportorientierten Branchen. Die Partei bedient zwar verständliche Frustrationen und greift reale Probleme auf – doch ihre Lösungsvorschläge würden für Otto Normalverbraucher - entsprechend ZEW - in vielen Fällen das Gegenteil des Versprochenen bewirken.

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