Donald Trump ist der Weckruf, den die Europäische Union (EU) dringend gebraucht hat. Er zwingt sie zu Entscheidungen, die jahrelang vertagt wurden. Globale Handlungsfähigkeit entsteht nur dort, wo die EU geschlossen auftritt.
Trumps Chaos ist kein Ausrutscher. Es ist auch ein Ergebnis europäischer Uneinigkeit und politischen Wegsehens. Die Warnzeichen waren sichtbar, die Muster erkennbar, die Folgen absehbar — und dennoch wurde gezögert, beschwichtigt oder nachgegeben. Nicht die Wirkung der Trump-Politik war überraschend, sondern wie bereitwillig manche EU-Staatführer*innen sie hinnahmen.
Populisten leben nicht von Ideen, sondern von Aufmerksamkeit. Sie brauchen keine Lösungen — sie brauchen Bühnen. Und sie bekommen sie: von Medien, die Konflikt mit Relevanz verwechseln, und von Wählerinnen und Wählern, die persönliche Kränkung für Politik halten. Wer solchen Figuren folgt, delegiert Verantwortung - und nennt es Hoffnung. Man wählt den „starken Mann“ und wundert sich später, wenn er alles angreift, was ihn begrenzt: Recht, Anstand, Wahrheit.
Demokratie stirbt nicht nur an ihren Feinden. Sie stirbt auch an Gleichgültigkeit. An der Illusion, sie funktioniere ohne Verteidiger. An der Bereitschaft, Charakter zur Nebensache zu erklären — bis genau dieser Charakter das System beschädigt.
Fazit
Wer aus Trumps Methode nichts lernt, wird den nächsten Populisten nicht erkennen - oder ihn erneut wählen. Europa steht vor einer Entscheidung: aktiv verteidigen oder wieder zusehen, wie Zerstörung möglich wird, weil Wachsamkeit fehlte.
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