Dienstag, 10. Februar 2026
Olympia in Hamburg

Bitte nicht noch einmal
Wie schon 2015 - möchte Hamburg erneut über eine Olympia-Bewerbung abstimmen. Die Hamburger*innen haben 2015 - Nein - gesagt. Und das aus guten Gründen. Wer sich erinnert, weiß: Die Versprechen waren groß, die Risiken größer.
Die neue Umfrage, eine sogenannte Bürgerbeteiligung, startet im November 2026.
Elf Jahre später hat sich an den grundlegenden Problemen wenig geändert – an der Verpackung dagegen einiges. Jetzt ist von „Festivalcharakter“ und der „schönen Seite der Stadt“ die Rede. Klingt nett. Ist aber politisches Marketing. Ein zweiter Blick lohnt sich.

Die schöne Fassade – und was dahinter steht
Großsportereignisse verkaufen sich gern als Motor für Stadtentwicklung, internationale Aufmerksamkeit und wirtschaftliche Impulse. Die Realität in den Austragungsstädten sieht regelmäßig anders aus: Sicherheitszonen, Ausnahmezustände, massive Eingriffe in den Alltag und hohe öffentliche Kosten.

Paris 2024
hat gezeigt, was moderne Mega-Events bedeuten: zehntausende Sicherheitskräfte, weiträumige Sperren, Zugangsbeschränkungen, Überwachung. Wer den G20-Gipfel in Hamburg erlebt hat, kann sich vorstellen, was das im Dauerbetrieb heißt.
Nach aktuellem Planungsstand sollen zudem zahlreiche olympische Sportarten direkt auf St. Pauli stattfinden. Ein dicht besiedeltes Viertel würde zur Sicherheitszone umgebaut.

Was Olympia erfahrungsgemäß mit Städten macht
Olympische Spiele sind kein Stadtfest. Sie sind ein Hochsicherheitsprojekt. Das bedeutet erfahrungsgemäß:
   •   weiträumige Sicherheitszonen
   •   Zugangskontrollen für Anwohner*innen
   •   präventive, meist anlasslose Polizeikontrollen
   •   Einschränkungen von Versammlungsfreiheit
   •   Verkehrsumbauten und Sonderfahrspuren („Olympic Lanes“)
   •   Dauerbaustellen und erhebliche Lärmbelastung
   •   massive Tourismusspitzen und Preissteigerungen
Kurz: Der Alltag wird zur Nebensache.

Der Sport als Begründung – aber nicht als Gewinner
Gern wird argumentiert, Olympia stärke den Sport vor Ort. Das ist mindestens fraglich.
Das olympische Fußballturnier würde nicht einmal in Hamburg stattfinden. Und selbst beim Stadionausbau des Millerntors wurde bereits klargestellt: Die politische Unterstützung dafür ist nicht an eine Olympia-Bewerbung gebunden. Das Argument „Olympia bringt uns das Stadion“ zieht also nicht.
Breitensport profitiert erfahrungsgemäß deutlich weniger als erhofft – während Spitzensportinszenierung und Markenrechte im Mittelpunkt stehen.

Das IOC: privat organisiert, öffentlich bezahlt
Ein zentraler Punkt wird in der öffentlichen Debatte gern weichgezeichnet: Das Internationale Olympische Komitee ist keine demokratische Institution. Es ist ein privater Verband mit enormer wirtschaftlicher Macht.
Kritikpunkte seit Jahren:
   •   intransparente Entscheidungsstrukturen
   •   Korruptionsaffären in der Vergangenheit
   •   schwache Mitbestimmung der Athlet*innen
   •   problematische Menschenrechtsbilanz bei Austragungsorten
   •   Kommerzialisierung über alles
Die Gewinne steckt das IOC ein. Die Risiken trägt die Gemeinschaft.
Viele offizielle Olympia-Sponsoren würden zudem nicht einmal die Nachhaltigkeits- und Ethikstandards erfüllen, die sich zivilgesellschaftliche Initiativen und auch Teile des Hamburger Sports selbst gegeben haben.

Brot und Spiele statt Stadtpolitik
Mega-Events erzeugen Aufmerksamkeit – und lenken Aufmerksamkeit. Während Milliardenprojekte geplant, gebaut und vermarktet werden, rücken andere Themen in den Hintergrund: soziale Spaltung, Bildungsgerechtigkeit, Klimaanpassung, bezahlbares Wohnen, Pflege, Integration.
Olympia ist auch ein politisches Ablenkungsinstrument. Nicht immer bewusst. Aber regelmäßig wirksam.
Hamburg braucht keine Spiele. Hamburg braucht Investitionen.
Die Frage ist nicht, ob Sport wichtig ist. Die Frage ist, ob Olympische Spiele der richtige Weg sind, um Sport, Stadt und Gesellschaft voranzubringen.

Fazit
Das Nein 2015, war vernünftig. Heute gibt es keinen überzeugenden Grund, anders zu entscheiden. Hamburg hat genug echte Baustellen:
bezahlbarer Wohnraum, soziale Infrastruktur, Bildung, Klimaanpassung, öffentlicher Nahverkehr, kulturelle Räume. Dafür braucht es langfristige Investitionen – keine drei Wochen Ausnahmezustand mit fünfzehn Jahren Nachwirkung.

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