Donnerstag, 22. Januar 2026
Europa und Trump

Kann man diesen Menschen noch ernst nehmen? Das Problem ist: Wir müssen es.
Die aktuellen militärischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten zur USA verschaffen dem Egomanen Trump gegenüber einer uneinigen EU den längeren Hebel – und er nutzt ihn gnadenlos aus: America First-das ist sein Deal.
Der amtierende US-Präsident ist kein Betriebsunfall, kein Missverständnis und kein vorübergehender Ausrutscher der Geschichte.
Er ist der Stresstest für Europa, dessen Institutionen und die politische Geschlossenheit der Europäischen Union (EU).
Wie bei jedem Stresstest zeigt sich nicht nur die Stärke des Angreifers, sondern vor allem die Schwäche des Systems, das unter Druck gerät.

Donald Trump
zeigt mit seiner Politik auf, wie er diese Umstände interpretiert:
> Sicherheit wird zur Verhandlungsmasse
> Zölle werden zu Waffen
> Werte werden zur Kulisse
Seine Politik wirkt wie ein Stresstest für europäische Gewissheiten. Sie legt offen, was Europa sich lange schöngeredet hat:
Wirtschaftliche Stärke ersetzt keine politische Souveränität.
Transatlantische Partnerschaft ist keine Garantie für Verlässlichkeit.
Und multilaterale Regeln gelten nur unter günstigen politischen Umständen – nicht im Ernstfall.

Nationale Sonderwege
Das größte Problem für Europa ist nicht Trumps Aggressivität, es ist die Versuchung, einzelner EU-Staaten, aus Angst vor Trumps Reaktionen nachzugeben. 
Nationale Sonderwege statt gemeinsamer Stärke, leise Diplomatie statt klarer Sprache. Hoffnung auf „Aussitzen“ statt strategischer Vorbereitung. Diese Haltung ist für Europa kontraproduktiv und gefährlich. Sie bestätigt genau das Prinzip, auf dem Trumps Vorgehen beruht: Druck lohnt sich. 

Vorbildfunktion
Trumps Politik wirkt als Blaupause, für autoritäre und nationalistische Bewegungen in Europa, weit über die USA hinaus.
Sein Stil, seine Sprache und seine systematische Missachtung von Institutionen normalisieren ein Politikverständnis, in dem Macht über Recht steht. Das untergräbt Vertrauen in demokratische Verfahren und stärkt Parteien, die Europa schwächen oder spalten wollen.
Wer Trump lediglich als außenpolitisches Problem betrachtet, verkennt seine innenpolitische Wirkung auf europäische Gesellschaften. Seine Präsidentschaft verändert Diskurse, verschiebt Grenzen des Sag- und Machbaren und liefert Rechtfertigungen für demokratiefeindliches Handeln.
Souveränität ist dabei kein Schlagwort. Sie ist oft unbequem, manchmal teuer, aber notwendig. Europäische Souveränität ist kein ideologisches Projekt und kein Ausdruck von Abschottung, Antiamerikanismus oder Militarisierung aus Prinzip. Sie ist eine Überlebensfrage.
Sie bedeutet politische Geschlossenheit, wirtschaftliche Wider-standsfähigkeit, sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit – und vor allem argumentative Klarheit innerhalb der EU. Denn wer nicht klar benennt, was geschieht, kann es auch nicht gestalten.

Erwachsenwerden heißt
Sich nicht auf einzelne Personen (Präsidenten) zu verlassen, Abhängigkeiten zu reduzieren, Konflikte auszuhalten, ohne sich selbst aufzugeben. Das ist anstrengend - die Alternative ist Anpassung – und damit schleichender Bedeutungsverlust.
Trump ist nicht das Ende der transatlantischen Beziehung. Aber er ist das Ende der Illusion, Europa könne sich dauerhaft durch andere schützen lassen.

Fazit
Die Frage ist nicht, ob Trump Europa schadet, die Frage ist, ob die EU bereit ist, daraus mit dem positiven Abschluss des Mercosur-Abkommen Konsequenzen zu ziehen und Rückgrat zu zeigen. Alles andere wäre kein Realismus – sondern politischer Selbstbetrug. Trump zwingt Europa zu Entscheidungen, die lange vertagt wurden.
Der eigentliche Ernstfall heißt deshalb nicht Trump, sondern ist europäische Unentschlossenheit.
Der EU wird transparent und klar vor Augen geführt, dass sie endlich erwachsen werden und handeln muss!

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