Sonntag, 18. Januar 2026
Trump & Europa

Der amerikanische Präsident
Donald Trump ist kein Betriebsunfall, kein Missverständnis, kein vorübergehender Ausrutscher der Geschichte. Er ist ein Stresstest – für Europa, deren Institutionen und die politische Reife der Europäischen Union.
Wie bei jedem Stresstest zeigt sich nicht nur die Stärke des Angreifers, sondern vor allem die Schwäche des Systems, das unter Druck gerät.

Trump
Er legt offen, was lange verdrängt wurde. Seine Politik macht sichtbar, was Europa sich lange schön geredet hat, dass wirtschaftliche Stärke automatisch politische Souveränität bedeute, dass transatlantische Partnerschaft gleichbedeutend mit Verlässlichkeit sei, dass multilaterale Regeln im Zweifel schützen würden.
All das stimmt nur bedingt – und unter günstigen politischen Umständen. Trump zeigt, was passiert, wenn diese Umstände wegfallen.
> Zölle werden zu Waffen
> Sicherheit wird zur Verhandlungsmasse
> Werte werden zur Kulisse
Das größte Problem für Europa ist nicht Trumps Aggressivität, es ist die europäische Versuchung, aus Angst nachzugeben.
Nationale Sonderwege statt gemeinsamer Stärke, leise Diplomatie statt klarer Sprache. Hoffnung auf „Aussitzen“ statt strategischer Vorbereitung. Diese Haltung ist verständlich – aber gefährlich. Denn sie bestätigt genau das Prinzip, auf dem Trumps Politik beruht: Druck lohnt sich.
Gleichzeitig wirkt Trump Politik als Blaupause für autoritäre, nationalistische Bewegungen in Europa.
Sein Stil, seine Sprache, seine Missachtung von Institutionen - normalisieren von Macht über Recht, untergraben Vertrauen in Demokratie, stärken Parteien, die Europa schwächen wollen.
Wer Trump nur als außenpolitisches Problem betrachtet, übersieht seine innenpolitische Wirkung auf europäische Gesellschaften.
Souveränität ist kein Schlagwort. Die zentrale Lehre ist unbequem, aber notwendig: Europäische Souveränität ist kein ideologisches Projekt – sie ist eine Überlebensfrage.
Sie bedeutet nicht: Abschottung, Anti-Amerikanismus, Militarisierung aus Prinzip, sondern politische Geschlossenheit, wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit, sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit und vor allem: argumentative Klarheit.
Wer nicht benennt, was passiert, kann es auch nicht gestalten. Trump zwingt Europa zu einer Entscheidung, die lange vertagt wurde:
Will Europa ein Markt sein – oder ein politischer Akteur?
Will es reagieren – oder agieren? Will es hoffen – oder gestalten?

Erwachsen werden heißt
Sich nicht auf einzelne Präsidenten zu verlassen, Abhängigkeiten zu reduzieren, Konflikte auszuhalten, ohne sich selbst aufzugeben. Das ist anstrengend. Aber die Alternative ist Anpassung – und damit schleichender Bedeutungsverlust.
Trump ist nicht das Ende der transatlantischen Beziehung. Aber er ist das Ende der Illusion, Europa könne sich dauerhaft durch andere schützen lassen.
Die Frage ist nicht, ob Trump Europa schadet, die Frage ist, ob Europa bereit ist, daraus Konsequenzen zu ziehen. Alles andere wäre kein Realismus – sondern politischer Selbstbetrug

Fazit
Der Ernstfall ist nicht Trump – sondern Europas Unentschlossenheit.

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