Samstag, 14. Februar 2026
Trump und Klima

Die Klimapolitik der USA unter Donald Trump wirkt wie ein politisches Eigentor mit Ansage. Statt auf Zukunftstechnologien, erneuerbare Energien und nachhaltige Industrie zu setzen, orientiert sich seine Vision an einem Wirtschaftsmodell der Vergangenheit: Schwerindustrie, fossile Energie und eine Lebensgrundlage ohne ausreichende Rücksicht auf Umwelt- und Gesundheitsfolgen.
Während fortschrittliche und verantwortungsvolle Volkswirtschaften den ökologischen Umbau als Innovationsmotor begreifen, bindet seine fossil geprägte Strategie Kapital, Arbeitskraft und politische Energie an auslaufende Modelle.
Ökologisch bedeutet dieser Kurs höhere Emissionen und steigende Folgekosten durch Extremwetter, Gesundheitsbelastungen und Infrastrukturschäden. Ökonomisch droht der Verlust technologischer Führungsrollen. Aus „Make America Great Again“ wird so eher ein „Make America smaller“ — wirtschaftlich wie ökologisch. Das zum Thema Trump und Klimawandel.

EPA (Environmental Protection Agency) Umweltschutzbehörde der Vereinigten Staaten
Trumps Regierung verhindert, dass die Umweltbehörde EPA, Treibhausgase als gesundheitsgefährdend einstufen darf. Ohne diese Einstufung fallen die rechtlichen Grundlagen für CO₂-Grenzwerte für Autos, Schwerindustrie und Kraftwerke weg.

Internationale Klimaabkommen
Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen und Rückzug aus anderen globalen Rahmenwerken. Die USA nabeln sich von Zukunftsmärkten für emissionsarme Technologien ab.

Umweltrisiken
• Mehr Dürren mit Waldbränden, Hurrikans und Überflutungen.
• Die Zukunft könnte schlechter werden als die Vergangenheit:
ökologisch, gesundheitlich und wirtschaftlich.

Wirtschaftliche Folgen
• Sparsame Autos werden in Exportmärkte verkauft, ineffiziente in die USA.
• Unternehmen verlieren den Innovationsdruck für umweltfreundliche Technologien.
• Fossile Industrie profitiert kurzfristig durch höheren Verbrauch, langfristig droht Wettbewerbsverlust.

Fazit
Trumps EPA-Klimapolitik ist ein Eigentor: Sie schützt kurzfristig alte Industrien, schwächt die USA langfristig im globalen Wettbewerb und erhöht die Risiken für Natur und Gesellschaft. Wer auf die Vergangenheit setzt, riskiert eine schlechtere Zukunft.

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Freitag, 13. Februar 2026
Öffentliche Sicherheit

Die öffentliche Sicherheitsdebatte wird stark von Einzelfällen, Schlagzeilen und politischer Zuspitzung beeinflusst.

Der Eindruck
Die Angst vor Kriminalität steige ständig und flächendeckend. Doch Langzeitstudien zeichnen ein differenzierteres Bild. Große sozialwissenschaftliche Datensätze zeigen keine lineare Angst-Explosion, sondern Schwankungen – mit langfristig eher rückläufigen Trends und zuletzt moderaten Wiederanstiegen.
Auswertungen, wie sie unter anderem von Der Spiegel auf Basis etablierter Bevölkerungsstudien dargestellt wurden, stützen sich auf jahrzehntelange Messreihen statt auf Momentaufnahmen. Genau diese Perspektive ist entscheidend.

Sicherheitsgefühl ist subjektiv – aber empirisch erfassbar
Kriminalitätsfurcht ist kein Polizeiwert, sondern eine Wahrnehmungsgröße. Dennoch wird sie seit Jahrzehnten methodisch standardisiert erhoben. Typische Umfragen lauten:
   •   Wie sicher fühlen Sie sich nachts draußen?
   •   Wie groß ist Ihre Sorge vor Kriminalität?
   •   Vermeiden Sie bestimmte Orte?
   •   Hat Ihr Sicherheitsgefühl zu- oder abgenommen?
Weil diese Fragen über lange Zeiträume hinweg gleich formuliert werden, lassen sich belastbare Trends erkennen.

Der Langzeittrend: Kein dauerhafter Angstanstieg
Die großen Zeitreihen zeigen typischerweise:
   •   hohe Kriminalitätsfurcht in den 1990er Jahren
   •   schrittweiser Rückgang in den 2000ern
   •   niedrige Werte in den 2010ern
   •   erneuter Anstieg seit etwa 2022/23

Sicherheitsgefühl ist subjektiv – aber empirisch erfassbar
Der aktuelle Anstieg liegt bislang unter früheren Hochphasen. Es gibt Schwankungen – aber keinen durchgehenden historischen Aufwärtstrend der Angst.

Medienaufmerksamkeit verstärkt Risikowahrnehmung
Die Risikoforschung beschreibt seit langem den sogenannten Verfügbarkeits-Effekt: Häufig berichtete, emotional aufgeladene Ereignisse werden als wahrscheinlicher eingeschätzt.
Verstärkende Faktoren:
   •   intensive Einzelfallberichterstattung
   •   visuelle Dramatisierung
   •   Wiederholung
   •   Personalisierung
Empirisch zeigt sich: Medienintensität korreliert messbar mit steigender subjektiver Bedrohungswahrnehmung – unabhängig von der realen Häufigkeit bestimmter Delikte.

Der Eindruck
Das Sicherheitsgefühl ist sozial ungleich verteilt. Langzeitdaten zeigen stabile Gruppenunterschiede nach
Geschlecht.
   •   Frauen berichten deutlich höhere Unsicherheitswerte, nachts im öffentlichen Raum teils doppelt so hoch
   •   über Jahrzehnte stabiler Befund
Soziale Lage
   •   niedrigeres Einkommen höhere, Kriminalitätsfurcht
   •   belastete Wohnumfelder, höhere Unsicherheit
   •   gesundheitliche Einschränkungen, höhere Unsicherheit
   •   höheres Alter - höhere Unsicherheit
Folgerung: Kriminalitätsfurcht ist stark sozialstrukturell geprägt.
Medienaufmerksamkeit verstärkt Risikowahrnehmung
Situations- und Ortsabhängigkeit - Unsicherheitsgefühl ist kontextabhängig. Regelmäßig genannte Angsträume:
   •   schlecht beleuchtete Wege
   •   leere Bahnhöfe nachts
   •   unübersichtliche Plätze
   •   isolierte Haltestellen
Gleichzeitig bewerten viele Befragte ihre Stadt insgesamt positiv. Studien zeigen daher: Situationswahrnehmung und Gesamtbewertung sind getrennte Dimensionen. Monokausale politische Erklärungen greifen zu kurz.
Forschungsmodelle, die multiple Faktoren gleichzeitig berücksichtigen (multivariate Analysen), zeigen:
Wenn kontrolliert wird für
   •   Einkommen
   •   Bildung
   •   Alter
   •   Quartiersbedingungen
   •   Arbeitslosigkeit
   •   Infrastruktur
verlieren vereinfachende Ein-Ursachen-Erklärungen deutlich an Erklärungskraft.

Kriminalitätsfurcht ist multikausal – nicht eindimensional erklärbar. Warum Langzeitstudien methodisch überlegen sind.
Große Surveyreihen bieten entscheidende Vorteile:
   •   identische Fragen über Jahrzehnte
   •   große Stichproben
   •   methodische Dokumentation
   •   Vergleichbarkeit
   •   Trendanalyse statt Ereignisreaktion
Zentrale Datengrundlagen stammen u. a. von:
   •   GESIS (ALLBUS-Reihen)
   •   Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (SOEP-Panel)
   •   Politbarometer-Erhebungen des ZDF

Wirksame Sicherheitspolitik umfasst auch
   •   Sozialpolitik
   •   Bildungszugang
   •   Stadtgestaltung
   •   Beleuchtung & Infrastruktur
   •   Quartiersentwicklung
   •   Präventionsarbeit
Reine Strafverschärfung adressiert Angst oft weniger als soziale Stabilisierung.

Fazit
Langzeitstudien zeigen keinen dauerhaften Anstieg der Kriminalitätsfurcht, sondern Schwankungen mit langfristig eher rückläufigem Trend und jüngstem moderatem Wiederanstieg. Sicherheitsgefühl wird stärker durch soziale Lage, situative Faktoren und Medienwirkung beeinflusst als durch Einzelereignisse.

Quellen & Datengrundlagen
• ALLBUS-Langzeitreihen, GESIS – Bevölkerungsumfragen zu Ein-stellungen und Wahrnehmungen
• SOEP-Panel, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung – Soziale Lage & Sicherheitswahrnehmung
• Politbarometer-Zeitreihen, ZDF – Sorgenindikatoren & Kriminali-tätsfurcht
• Risikowahrnehmungsforschung / Verfügbarkeitsheuristik (Survey- und Medienwirkungsstudien)
• Kriminologische Dunkelfeld- und Sicherheitsforschung, Max-Planck-Institute & Surveyforschung
• Sekundärauswertung und Darstellung der Trendlinien in Der Spiegel (Datenjournalismus-Analyse)

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Dienstag, 10. Februar 2026
Olympia in Hamburg

Bitte nicht noch einmal
Wie schon 2015 möchte die Stadt Hamburg erneut über eine Olympiabewerbung abstimmen - klingt sportlich und fortschrittlich. Kann man eher aber als politisches Marketing enttarnen.
Die Hamburger*innen haben 2015 Nein - gesagt. Das aus guten Gründen. Wer sich erinnert, weiß: Die Versprechen waren groß, die Risiken größer.
Die neue Umfrage, ein sogenanntes Bürgerschaftsreferendum ist ein am 31. Mai 2026 angesetztes, von der Hamburgischen Bürgerschaft beschlossenes Referendum. Der Bewerbungsprozess gilt sowohl für die Olympischen Sommerspiele 2036, als auch 2040 und 2044.
Elf Jahre nach 2015 haben sich die grundlegenden Probleme wenig geändert – an der Verpackung dagegen einiges.
Jetzt ist von „Festivalcharakter“ und der „schönen Seite der Stadt“ die Rede. Klingt nicht gerade sportlich - eher nach politischen Marketing. Ein zweiter Blick - über die Auswirkunken der Spiele - lohnt sich auch für sportaffine Sympathisanten.

Die schöne Fassade – und was dahinter steht
Großsportereignisse verkaufen sich gern als Motor für Stadtentwicklung, internationale Aufmerksamkeit und wirtschaftliche Impulse. Die Realität in den Austragungsstädten sieht regelmäßig anders aus: Sicherheitszonen, Ausnahmezustände, massive Eingriffe in den Alltag und hohe öffentliche Kosten.

Paris 2024
hat gezeigt, was moderne Mega-Events bedeuten: zehntausende Sicherheitskräfte, weiträumige Sperren, Zugangsbeschränkungen, Überwachung. Wer den G20-Gipfel in Hamburg erlebt hat, kann sich vorstellen, was das im Dauerbetrieb heißt.
Nach aktuellem Planungsstand sollen zudem zahlreiche olympische Sportarten direkt auf St. Pauli stattfinden. Ein dicht besiedeltes Viertel würde zur Sicherheitszone umgebaut.

Was Olympia erfahrungsgemäß mit Städten macht
Olympische Spiele sind kein Stadtfest. Sie sind ein Hochsicherheitsprojekt. Das bedeutet erfahrungsgemäß:
   •   weiträumige Sicherheitszonen
   •   Zugangskontrollen für Anwohner*innen
   •   präventive, häufig anlasslose Polizeikontrollen
   •   Einschränkungen von Versammlungsfreiheit
   •   Verkehrsumbauten und Sonderfahrspuren („Olympic Lanes“)
   •   Dauerbaustellen und erhebliche Lärmbelastung
   •   massive Tourismusspitzen und Preissteigerungen
Kurz: Die Alltagsprobleme werden zur Nebensache.

Der Sport als Begründung – aber nicht als Gewinner
Gern wird argumentiert, Olympia stärke den Sport vor Ort. Das ist mindestens fraglich.
Das olympische Fußballturnier würde nicht einmal in Hamburg stattfinden. Und selbst beim Stadionausbau des Millerntors wurde bereits klargestellt: Die politische Unterstützung dafür ist nicht an eine Olympia-Bewerbung gebunden. Das Argument „Olympia bringt uns Stadionausbau und Modernisierung “ zieht also nicht.
Breitensport profitiert erfahrungsgemäß deutlich weniger als erhofft – während Spitzensportinszenierung und Markenrechte im Mittelpunkt stehen.

Das IOC: privat organisiert, öffentlich bezahlt
Ein zentraler Punkt wird in der öffentlichen Debatte gern weichgezeichnet: Das Internationale Olympische Komitee ist keine demokratische Institution. Es ist ein privater Verband mit enormer wirtschaftlicher Macht und im Umkehrschluß - politischer Macht.
Kritikpunkte seit Jahren:
   •   intransparente Entscheidungsstrukturen
   •   Korruptionsaffären in der Vergangenheit
   •   schwache Mitbestimmung der Athlet*innen
   •   problematische Menschenrechtsbilanz bei Austragungsorten
   •   Kommerzialisierung über alles
Die Gewinne steckt das IOC ein. Die Risiken trägt die Gemeinschaft.
Viele offizielle Olympia-Sponsoren würden zudem nicht einmal die Nachhaltigkeits- und Ethikstandards erfüllen, die sich zivilgesellschaftliche Initiativen und auch Teile des Hamburger Sports selbst gegeben haben.

Brot und Spiele statt Stadtpolitik
Mega-Events erzeugen Aufmerksamkeit – und lenken Aufmerksamkeit. Während Milliardenprojekte geplant, gebaut und vermarktet werden, rücken andere Themen in den Hintergrund: soziale Spaltung, Bildungsgerechtigkeit, Klimaanpassung, bezahlbares Wohnen, Pflege, Integration.
Olympia ist auch ein politisches Ablenkungsinstrument. Nicht immer bewusst. Aber regelmäßig wirksam.
Hamburg braucht keine Spiele. Hamburg braucht Investitionen.
Die Frage ist nicht, ob Sport wichtig ist. Die Frage ist, ob Olympische Spiele der richtige Weg sind, um Sport, Stadt und Gesellschaft voranzubringen.

Fazit
Als leidenschaftlicher Sportler, war für mich schon das Nein 2015 vernünftig. Es gibt keinen überzeugenden Grund, Heute anders zu entscheiden. Hamburg hat genug echte Baustellen:
Bezahlbarer Wohnraum, soziale Infrastruktur, Bildung, Klimaanpassung, öffentlicher Nahverkehr, kulturelle Räume. Dafür braucht es langfristige Investitionen – keine drei Wochen Ausnahmezustand mit fünfzehn Jahren Nachwirkung.

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Sonntag, 8. Februar 2026
Arbeit, Leistung, Lebenszeit – eine notwendige Gegenperspektive

Unser Kanzler Merz lässt kein Fettnäpfchen aus. Meint er doch im Ernst, die Deutschen arbeiten zu wenig und sind ein Volk von Faullenzern. Wir sollten mehr arbeiten und weniger krankfeiern - so seine Aussage. Er zeichnet ein Bild, in dem harte Arbeit moralisch überlegen und Freizeit verdächtig erscheint. Pausen, Teilzeitmodelle und gesellschaftliche Vielfalt werden polemisch abgewertet.
Arbeitswissenschaft und Gesundheitsforschung zeigen seit Jahren ein anderes Bild: Produktivität steigt nicht durch maximale Arbeitszeit, sondern durch nachhaltige Arbeitsbedingungen. Überlange Arbeitstage erhöhen Fehlerquoten, Krankheitsraten und Frühverrentung.
Länder mit kürzeren durchschnittlichen Arbeitszeiten gehören regelmäßig zu den wirtschaftlich produktivsten. Work-Life-Balance ist kein Luxusbegriff, sondern ein Steuerungsinstrument moderner Volkswirtschaften.
Wer dauerhaft überlastet ist, fällt eher aus – und das ist teuer für Betriebe und Sozialsysteme. Prävention, Erholung und flexible Modelle sind ökonomisch sinnvoll, nicht leistungsfeindlich.

Auch gesellschaftspolitisch
greift die polemische Abwertung von Vielfalt und Gleichstellung zu kurz. Moderne Arbeitsmärkte sind auf breite Teilhabe angewiesen: Frauen, unterschiedliche Lebensmodelle, diverse Identitäten. Gleichstellungspolitik ist kein Kulturprojekt, sondern ein Standortfaktor. Unternehmen mit vielfältigen Teams sind nachweislich innovativer und resilienter.
Als Stilmittel mag Überzeichnung funktionieren – als politische Orientierung jedoch nicht.

Die Gegenüberstellung
Früher Disziplin – heute livestil - ist historisch überholt. 
Arbeitsschutz, Krankenversicherung, Rentenmodelle und Mitbestimmung wurden eingeführt, weil ungeregelte Leistungsanforderungen Menschen verschlissen haben. Diese Lehren einfach als Schwäche umzudeuten, ignoriert die soziale Realität vergangener Zeiten.
Eine ernsthafte Debatte über Arbeit muss daher drei Fragen verbinden:
1. Wie bleibt Arbeit produktiv?
2. Wie bleibt sie menschenverträglich?
3. Wie bleibt sie gesellschaftlich tragfähig?
Polemik beantwortet keine dieser Fragen. Differenzierung schon.

Fazit
Nachhaltige Leistung entsteht nicht durch Dauerbelastung, sondern durch kluge Balance.

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Samstag, 7. Februar 2026
Schutz an Bahnsteigen, Nah- und Fernverkehr

Wie andere Länder Bahnsteige schützen
Wenn nach einem schrecklichen Vorfall im Bahnverkehr (Bahnsteig oder Schiene) über Konsequenzen gesprochen wird, richtet sich der Blick oft zuerst auf Täter, Motive und Sicherheitsde­batten. Seltener wird nüchtern gefragt: Welche technischen und baulichen Schutzmaßnahmen gibt es eigentlich – und wo funktionieren sie bereits?
Ein internationaler Vergleich zeigt: Es existieren längst erprobte Lösungen, um Fahrgäste wirksam davor zu schützen, auf Gleise zu fallen oder gestoßen zu werden. Viele davon erfordern Umbauten – aber sie retten Leben und reduzieren schwere Unfälle deutlich.
Die Frage, warum wirksame Maßnahmen, die Menschenleben retten, bei uns in Deutschland noch nicht installiert wurden, lässt sich mit einem Wort beantworten: Geld!
Folgend, ein Blick auf bewährte Sicherungsoptionen im internationalen, öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

Bahnsteigtüren (Platform Screen Doors – PSD)
Eine wirksame, bekannte Maßnahme sind die sogenannten PSD-Bahnsteigtüren oder Bahnsteigbarrieren.
Entlang der Bahnsteigkante wird eine Glaswand installiert. Die Türen darin öffnen sich erst, wenn der Zug korrekt hält und seine Türen freigibt. Ein direkter Zugang zum Gleis ist damit ausgeschlossen.
Vorteile:
   •   Verhindert Sturz- und Stoßunfälle
   •   Deutlich weniger Suizid- und Homizidfälle
   •   Weniger Betriebsstörungen durch Personen im Gleis
   •   Schutz bei Gedränge

Vollständige oder weitgehende Ausstattung mit PSD
   •   Seoul Metro (Südkorea)
   •   Singapur MRT
   •   Dubai Metro
   •   viele Metrosysteme in China
   •   Sydney Metro (neue Linien)
   •   zahlreiche neue japanische Stationen
   •   Paris (automatische Linien + Nachrüstung)
   •   Tokio (schrittweiser Ausbau)
   •   Hongkong (Nachrüstung älterer Stationen)

Sensoren an Bahnsteigkanten
Einige Systeme setzen auf intelligente Sensorik statt baulicher Vollbarrieren.
Technik:
   •   Laser- oder Infrarotsensoren
   •   Drucksensoren
   •   kamerabasierte KI-Erkennung
   •   automatische Notbremsauslösung
Einsatzorte:
   •   moderne Metroanlagen in Japan
   •   Pilotprojekte in europäischen Netzen
   •   Hochgeschwindigkeitsbahnhöfe in Asien
Nutzen:
   •   Frühwarnung bei Sturz oder Gleisbetreten
   •   Automatische Zugbremsung möglich
   •   Geringerer Umbauaufwand als PSD

Bahnsteigdesign und Markierungssysteme
Auch das Design der Bahnsteige selbst trägt zur Sicherheit bei.
Maßnahmen:
   •   Breitere Sicherheitsabstände zur Bahnsteigkante
   •   deutlich sichtbare Warnzonen
   •   Bodenindikatoren
   •   strukturierte Leitsysteme
   •   optische und akustische Warnsignale
Besonders konsequent umgesetzt in:
   •   Japan
   •   Südkorea
   •   Singapur
   •   neueren chinesischen Stationen
Diese Maßnahmen verhindern zwar kein gezieltes Stoßen – reduzieren aber Unfallrisiken durch Gedränge und Unachtsamkeit.

Personalpräsenz und Bahnsteigaufsicht
Technik ersetzt nicht alles. Viele Städte kombinieren bauliche Sicherung mit sichtbarer Personalpräsenz.
Beispiele:
   •   Bahnsteigpersonal in Tokio und Seoul
   •   Sicherheitskräfte in Stoßzeiten
   •   Einweiser bei stark frequentierten Linien
   •   mobile Einsatzteams
Effekt:
   •   Deeskalation
   •   schnellere Reaktion bei Gefahr
   •   bessere Fahrgastlenkung

Videoüberwachung mit Echtzeitanalyse
Moderne Systeme nutzen KI-gestützte Videoanalyse, um Gefahrensituationen zu erkennen.
Möglichkeiten:
   •   Erkennen von Gleisbetreten
   •   Alarmierung in Sekunden
   •   automatische Signalstopps
   •   Leitstellenreaktion in Echtzeit
Vor allem in Asien und bei neuen Metroprojekten wird diese Technik zunehmend Standard.

Kosten kontra Lebensschutz
Der Einwand ist fast immer derselbe: zu teuer, zu aufwendig, zu komplex im Bestand. Das stimmt – insbesondere bei Nachrüstung alter Stationen.
Aber international zeigt sich:
Neue Linien werden fast überall mit Schutzsystemen geplant. Nachrüstung erfolgt dort, wo Risiko und Frequenz hoch sind. Mischlösungen (Teilbarrieren + Sensorik) werden häufiger. Priorisierung nach Gefahrenlage ist möglich.

Fazit
Die zentrale politische Frage lautet daher nicht:
Ob Schutz technisch schwierig und machbar ist und was kostet es.
Die Frage muss heißen:
Was sind uns Menschenleben wert?

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Warum wird die AfD gewählt?

Warum Deutsche wieder rechts wählen?
Deutschland hat während der Weimarer Republik erlebt, wohin Hass, Nationalismus und Führerkult führen.
Und doch gewinnt die AfD die große Mehrheit der Stimmen, obwohl ihre verantwortlichen Politiker:innen, immer deutlicher, rassistische, autoritäre und antidemokratische - also rechte - Positionen publizieren und vertreten. Das real und in allen analogen und digitalen Medien.
Wie kann das sein? – in einem Land, das sich „Nie wieder Nazis“ auf die Fahnen geschrieben hat. Man darf nur hoffen, dass der Trend zur AfD gebrochen wird, da die Wahl der AfD keine demokratische Alternative darstellt, unser Land und die Gesellschaft spaltet, wirtschaftlich und sozial schwächt.
Die Nagelprobe wird die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - am: 06.09.2026 - sein. Hier wird sich zeigen, ob die etablierten Parteien, die nicht umsetzbaren - speziell die sozialen und finanziellen Narrative - des AfD-Wahlprogramms entkräften können. Es geht darum aufzuzeigen, dass es sich um irreales, nicht durchführbares Wunschdenken handelt, das nur auf dem Papier steht, um Menschen einzufangen, aber eben diesen Menschen, die ihr Kreuz bei der AfD machen, nicht helfen kann.

Geschichtsvergessenheit
Als Verfolgte und Überlebende des NS-Regimes wusste die politische Publizistin Hannah Arendt (14. Oktober 1906 – † 4. Dezember 1975), dass das größte Risiko nach einer Diktatur nicht nur in ihrer Wiederkehr liegt, sondern im schleichenden Verlust der Erinnerung an sie. Diese Situation fördert aktuell den Zuwachs der AfD.
Es gibt nur wenige Personen, die die Vergesslichkeit moderner Gesellschaften so konsequent ins Zentrum ihres Denkens gerückt haben, wie Hannah Arendt. Mit ihren Zitaten, wollte Arendt verhindern, dass der Nationalsozialismus zu einem bloßen Kapitel im Schulbuch verkommt.
Mit zunehmendem zeitlichem Abstand geht für viele Menschen der existenzielle Bezug zu Diktatur, Krieg und Vernichtung verloren. Wo Geschichte nicht mehr als Warnung verstanden wird, sondern lediglich als Pflichtstoff, verblasst auch das Bewusstsein dafür, wie zerbrechlich Demokratie tatsächlich ist. Das erleben wir gerade in der Ukraine und in Nahost.
Das Wissen um Hitlers Machtergreifung und die Zerstörung der Republik ist zwar dokumentiert, aber oft emotional nicht mehr verankert. So kann der Satz „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ wieder gesellschaftsfähig werden.

Demokratieschwäche
Wenn demokratische Parteien ihre Versprechen nicht halten, entsteht Misstrauen. Soziale Ungleichheit, abgehobene Politik, gebrochene Versprechen – all das schafft den Nährboden für Populisten. Die AfD ist kein Fremdkörper in unserer Gesellschaft, sie ist ein Symptom unserer Versäumnisse.
Die Demokratie stirbt nicht an einem Putsch, sondern an Gleichgültigkeit. Die größte Gefahr für die Demokratie ist nicht der Hass ihrer Feinde, sondern die Gleichgültigkeit ihrer Freunde.

Wut, Angst, Enttäuschung
Viele AfD-Wähler:innen fühlen sich abgehängt oder ignoriert. Steigende Preise, Zukunftsängste (Arbeitsplatzverlust), soziale Ungerechtigkeit – all das schafft Frust. Die AfD bietet dafür in den analogen und sozialen Medien, einfache Antworten und klare Feindbilder: „die Ausländer, die Grünen, die EU, die Eliten“. Das ist keine Politik, sondern emotionale Entlastung.
Wer Angst hat, will einfache Schuldige – nicht komplexe Lösungen. Die Partei lebt davon, dass Menschen glauben, Demokratie sei etwas, das andere für sie erledigen.

Desinformation und digitale Echokammern
Über Telegram, YouTube, TikTok, WhatsApp oder X verbreiten AfD-nahe Akteure gezielt Falschinformationen.
Sie schaffen alternative Realitäten, in denen demokratische Institutionen als „korrupt oder „gesteuert“ dargestellt werden. Die Desinformation ersetzt Diskussion – und Empörung ersetzt Erkenntnis.
Laut einer Studie der Stiftung Neue Verantwortung (2023) glauben fast 40 % der AfD-Wähler:innen regelmäßig an Inhalte aus Desinformationskanälen in sozialen Medien.
Das ist keine Randerscheinung, sondern eine neue Form digitaler Propaganda.

Autoritäre Sehnsucht
Manche sehnen sich nach „Ordnung und Führung“. In Krisenzeiten wächst der Wunsch nach klaren Ansagen – auch wenn sie von oben kommen.
Demokratie wirkt dagegen anstrengend, laut, widersprüchlich.
Aber genau das ist ihre Stärke: Widerspruch statt Unterwerfung.
Wer „endlich wieder Durchgreifen“ will, öffnet der Willkür die Tür. Das wusste schon der Deutsche Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno (11. September 1903 - † 6. August 1969), als er schrieb:
> Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.

Protestwahl und Selbsttäuschung
Viele sagen: „Ich wähle AfD, um den anderen einen Denkzettel zu verpassen.“ Doch so fing es schon einmal an. Auch in der Weimarer Republik glaubten viele, sie könnten die Nationalsozialisten „mal ausprobieren“.
Sie wollten es den Eliten zeigen – und zerstörten dabei die Demokratie, die sie eigentlich retten wollten.

Fazit
Die Geschichte zeigt, dass Rechtsstaaten nicht an einem Tag verschwinden. Sie werden ausgehöhlt – schrittweise, legal, oft mit parlamentarischen Mehrheiten.
Auch die Weimarer Republik zerbrach nicht an einem Putsch, sondern an der Normalisierung autoritärer Denkweisen, an der Verharmlosung radikaler Akteure und an der Illusion, man könne sie „einbinden“ oder „entzaubern“. Wer die AfD als gewöhnliche Protestpartei betrachtet, ignoriert diese historische Erfahrung ebenso wie internationale Parallelen – von Ungarn bis Polen, von den USA bis Italien.
Die Verteidigung der Demokratie beginnt deshalb nicht erst beim Parteiverbot, sondern beim klaren Benennen und Aufzeigen antidemokratischer Ideologien.
Die AfD wird nicht gewählt, weil die Menschen Hitler vergessen hätten, sondern weil sie nicht erkennen, dass dieselben Denkweisen – Ausgrenzung, Autoritarismus, Verachtung der offenen Gesellschaft – in neuer Sprache zurückkehren.
Heute wiederholt sich das Muster. Wer Protest wählt, stärkt die, die das System abschaffen wollen.
Autoritäre Systeme entstehen heute nicht durch Panzer vor Parlamenten, sondern durch systematische Delegitimierung. Gerichte werden als „politisch“ diffamiert, Medien als „Systempresse“ verächtlich gemacht, Wissenschaft als ideologisch denunziert. Genau dieses Muster ist in Deutschland längst sichtbar – vor allem im politischen Umfeld der AfD.
Die AfD stellt den Rechtsstaat nicht offen infrage, sie zersetzt ihn rhetorisch. Sie erklärt unabhängige Medien zu Feinden, spricht Parlamenten die Legitimität ab, relativiert politische Gewalt und bedient offen das Narrativ einer angeblich korrupten Elite. Das ist kein Protest, das ist Strategie. Wer Institutionen dauerhaft verächtlich macht, bereitet ihre Abschaffung vor.
Hinzu kommen offene Sympathien für autoritäre Regime, insbesondere für Russland, sowie die systematische Verharmlosung von Putins Kriegspolitik. Wer nach innen den Rechtsstaat schwächt und nach außen Autokraten hofiert, arbeitet nicht an Reform, sondern an Machtverschiebung.
Demokratien sterben nicht plötzlich. Sie sterben in Etappen. Erst wird Misstrauen gesät, dann Resignation erzeugt, schließlich Zustimmung erzwungen. Russland zeigt, wohin dieser Weg führt. Die USA zeigen, wie schnell er beschritten werden kann.
Deutschland ist noch ein Rechtsstaat. Aber er ist nicht unverwundbar. Wer die AfD für eine normale Protestpartei hält, ignoriert die historischen und internationalen Parallelen. Die Verteidigung der Demokratie beginnt nicht erst beim Verbot – sondern beim klaren Benennen dessen, was auf dem Spiel steht.
Die AfD wird nicht gewählt, weil die Menschen Hitler vergessen haben, sondern weil sie nicht erkennen, dass dieselben Denkweisen zurückkehren.
Wenn Erinnerung nicht wachhält, sondern bloß Geschichte wird, verkommt die Erkenntnis: “Nie wieder Nazis“ zur Floskel.
Demokratie lebt nicht von Symbolen, sondern von Bildung, sozialer Sicherheit und echter Beteiligung. Das ist die Lehre, die wir neu lernen müssen – bevor es wieder zu spät ist.
Erschreckend ist auch, dass es in der CDU, besonders im Osten, Stimmen gibt, die es gerne mit der AfD zusammen versuchen möchten.
Auch die Geschwindigkeit, die der gewählte USA-Präsident Trump benötigt und es teilweise schafft, die Demokratie in den USA zu demontieren (Gewaltenteilung, Pressefreiheit, Rechtsstaat), sollte uns eine Warnung sein.

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Donnerstag, 5. Februar 2026
Sicherheit auf Bahnsteigen

Ein Überblick über internationale Sicherungsoptionen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr, mit Fokus auf Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Menschen auf die Gleise fallen oder gestoßen werden.
Ein Thema, das aktuell, bei der Debatte um Sicherheit an Bahnsteigen in Deutschland stark nachgefragt wird. Weltweit gibt es erprobte Vorrichtungen zum Schutz der Fahrgäste.

PDS:
Automatische Türen oder Barrieren (PDS = Platform Screen Doors = Bahnsteigtüren) entlang der Bahnsteigkante, die erst öffnen, wenn der Zug sicher steht. Sie verhindern, dass Personen die Gleise betreten. Diese Systeme haben sich weltweit bewährt.

Die Vorteile der Absperrungssysteme -sie verhindern versehentliche Stürze und absichtliche Gleisbetretungen.
Kontrollierter Ein-/Ausstieg verbessert Ablauf. Reduzieren Suizide/Homizide auf Schienen signifikant.

Nachteile/Probleme
Teuer in Bau und Wartung, besonders bei Nachrüstung älterer Stationen.
Tür-Zug-Synchronisation erforderlich – schwieriger bei vielen unterschiedlichen Zügen.

Alternative - halbhohe Barrieren und Geländer
Einfachere Sicherheitssysteme ohne automatische Türen; sie begrenzen den direkten Zugang zu den Schienen und dienen als visuelle/physische Barriere.

Technische Überwachung & Detektionssysteme
Zweck: Erkennen von Personen oder Gegenständen auf oder nahe den Gleisen und Auslösen von Warnungen oder Notstopps.

Technologien
> Videobasierte Erkennung und KI: Identifiziert Personen auf der Strecke, alarmiert Kontrollzentralen oder aktiviert Notbremsungen.
> Notknöpfe/Notstopps: Am Bahnsteig zugänglich für Personal oder Passagiere zur sofortigen Unterbrechung des Zugverkehrs, falls jemand am Gleis gesichtet wird.
Solche Systeme ergänzen physische Barrieren, ersetzen sie aber nicht vollständig.

Schutzpersonal & Organisation
In einigen Ländern wird zusätzlich oder alternativ auf Bahnschutz- oder Sicherheitspersonal sowie Überwachungssysteme mit CCTV gesetzt – vor allem in stark frequentierten Knotenpunkten.

Ziele:
> Präsenz zur Prävention von Fehlverhalten
> Schnelle Alarmierung und Kontrolle bei Notfällen
> Begleitung großer Menschenmengen zu Stoßzeiten

Prävention und Nutzerverhalten
Viele Staaten ergänzen technische Maßnahmen durch Aufklärung und Präventionsprogramme, um die Risiken beim Bahnsteigverhalten zu reduzieren. Dazu gehören z. B. visuelle Warnlinien, akustische Ansagen und Sensibilisierungskampagnen.

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Montag, 2. Februar 2026
Kürzungen im Sozialbereich

Sozialabbau
Die von der Bundesregierung eingesetzte Sozialstaats-Kommision, möchte den Sozialstaat Deutschland total neu strukturieren und radikale Umbrüche finanzieller und organisatorischer Art durchboxen. Es geht bei den Forderungen weniger um Reformdetails, sondern eher um einen Richtungswechsel.
Wenn die Unternehmerlobbyisten der Regierungsparteien, den Sozialstaat zur Kostenstelle erklären, geht es nicht mehr nur um Reform - sondern um (Ausnahmen bestätigen die Regel) Profit. Die aktuellen Vorschläge markieren genau einen solchen Kurswechsel.
Gefordert werden massive Änderungen in der Sozialversicherung. Das würde genau jene Arbeitnehmer:innen treffen, die ohnehin die geringsten finanziellen Spielräume haben.

Arbeitslosigkeit ist kein Lifestyle-Risiko
Die Begrenzung des Arbeitslosengeldes I auf zwölf Monate für alle klingt nach Effizienz. Tatsächlich würde sie vor allem ältere Beschäftigte treffen - also jene, die lange eingezahlt haben und nach Jobverlust statistisch länger für eine Neuvermittlung brauchen. Nicht wegen mangelnder Motivation, sondern wegen realer Arbeitsmarktbedingungen.
Die Arbeitslosenversicherung würde von einer Absicherung gegen Lebensrisiken zu einem Druckinstrument der Arbeitgeberverbände umgebaut.
Wer jahrzehntelang Beiträge zahlt, beantragt keine Almosen – sondern macht berechtigte Ansprüche zum täglichen (Über-) Leben geltend.

Zahnbehandlung als Privatvergnügen
Der Vorschlag, Zahnleistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung herauszulösen, ist mehr als eine Sparidee. Er ist ein Testballon.
Denn wenn Zahnmedizin privat wird, stellt sich sofort die nächste Frage: Warum nicht auch andere Leistungen?
Solidarische Systeme funktionieren nur, wenn Risiken breit getragen werden. Wer beginnt, einzelne Bereiche herauszulösen, verlässt das Prinzip der Vollversicherung  und öffnet die Tür für eine schrittweise Privatisierung. Erst „planbare“ Leistungen, später teure Risiken. Gesundheit würde vom Geldbeutel abhängen.

Rentenkürzungen
Mütterrente, Grundrente, Schutz langjährig Versicherter - vieles soll gestrichen werden.

Bürokratieabbau - das beliebte Schlagwort
Die Bundesagentur für Arbeit sei zu groß, heißt es. Klingt zunächst plausibel. Doch die entscheidende Frage lautet: Wer soll dann beraten, qualifizieren und vermitteln. Bürokratieabbau ist sinnvoll - aber nicht, wenn er zum Betreuungsabbau wird.

Der alte Konflikt kehrt zurück
Der Streit zeigt ein bekanntes Muster:
> Arbeitgeber: Sozialstaat verschlanken
> Arbeitnehmer: Sozialstaat stabilisieren
Neu ist die Schärfe der Auseinandersetzung. Wenn der Arbeitnehmerflügel der CDU öffentlich von Realitätsverlust spricht, ist das mehr als innerparteiliche Reibung - es ist ein politisches Warnsignal, an die eigene Partei.

Fazit
Die eigentliche Frage lautet nicht: Wo kann man kürzen kann - Sondern: Welche Lebensrisiken der Arbeitnehmer:innen, wollen wir weiterhin solidarisch absichern – und welche nicht mehr?
Ein Sozialstaat wird nicht daran gemessen, wie gut er in Boomzeiten spart - sondern wie verlässlich er in Krisenzeiten schützt. Wer Sicherungssysteme nur als Kostenproblem betrachtet, betreibt keine Reform - eher Rückbau.
Der CDU-Wirtschaftsrat will bei Arbeitslosenversicherung, Rente und Krankenkasse kürzen. Selbst der Arbeitnehmerflügel warnt. Warum ?
Es geht hier nicht um Sparen - sondern um einen Richtungswechsel im Sozialstaat.
Lässt man alle angedachten Maßnahmen der Regierungsparteien und der Arbeitgeberverbände Revue passieren, bekommt man das Gefühl, es soll ausgetestet werden, wo - im wahrsten Sinne des Wortes - die Schmerzgrenze (speziell beim Zahnarzt) liegt.
Die drei Systeme (Arbeitslosenversicherung, Rente und Krankenkasse) sind keine Randbereiche – sie sind das Herz der sozialen Sicherung - in Deutschland. Kürzungen dort bedeuten:
> höheres individuelles Risiko
> mehr private Vorsorge nötig
> stärkere Belastung niedriger und mittlerer Einkommen
> größere Ungleichheit bei Lebensrisiken
Der Arbeitnehmerflügel der CDU weiß: Das trifft nicht „die anderen“, sondern die eigene Wählerbasis.

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Samstag, 31. Januar 2026
USA = Trump

Frage
Die USA gilt als Mutter der Demokratie. Wie ist es möglich, dass die Einzelperson und Präsident - Donald Trump - die Nation USA, im Alleingang, fast diktatorisch verändern kann?

Im Unterschied zu anderen europäischen Staaten oder auch Deutschland, kennt das US-System kaum Instrumente, um die Demokratie gegen Demokratenfeinde zu schützen.
> Keine Möglichkeit, Parteien oder Kandidaten wegen Verfassungs-feindlichkeit auszuschließen
> Kein starkes Verfassungsgericht mit präventiver Kontrolle
> Große Machtfülle des Präsidenten, solange Kongress und Gerichte nicht aktiv gegenhalten.
> Das System setzt voraus, dass alle Akteure good faith (nach Treu und Glauben) handeln. Bei Trump scheint das fraglich.

Der US-Präsident ist
> Regierungschef und Oberbefehlshaber des Militärs
> Leiter der Executive, mit tausenden politisch besetzten Posten.
> In der Praxis ist der Präsident Gesetzesinitiator und außenpolitischer Alleinentscheider.

Der US-Präsident darf
> Kritischer Beamte gegen loyale Gefolgsleute austauschen
> Instrumentalisierung von Ministerien (Justiz, Heimatschutz). Das ist formal legal – aber demokratisch hochgefährlich. Trump nutzte das maximal aus: Regieren per Executive Orders (Präsidialverordnungen).

Das System der „checks and balances
funktioniert nur, wenn der Kongress (Demokraten und Republikaner) seine Kontrollfunktion wahrnimmt. Immer wieder kommt es vor, dass:
> Amtsenthebungsverfahren aus Parteiräson scheitern
> Machtmissbrauch folgenlos bleibt

Die Justiz wurde politisiert
Trump hat nicht nur kurzfristig gehandelt, sondern langfristig die Spielregeln verändert:
> Über 200 Bundesrichter ernannt
> Drei Supreme-Court-Richter
> Lebenslange Amtszeiten
Das wirkt jahrzehntelang nach – unabhängig davon, wer Präsident ist. So konnte z. B. der Abbau von Grundrechten (Abtreibung, Wahlrecht) juristisch abgesichert werden.

Medienökosystem & Desinformation
Die USA haben kein starkes öffentlich-rechtliches Mediensystem.
Stattdessen:
> Parteimedien (Fox News als politischer Akteur)
> Soziale Medien ohne wirksame Regulierung
> Trump schuf eine Parallelrealität, in der er:
> Wahlniederlagen Betrug darstellte
> Gerichte als „deep state“ bezeichnet
> staatliche Gewalt legitimiert

Demokratische Kultur ist erodiert
Die vielleicht wichtigste Ursache: Die USA haben lange geglaubt, Demokratie sei selbstverständlich. Aber:
Wer
Minderheitenrechte wurden nie wirklich abgesichert.
Trump bot:
> einfache Feindbilder
> nationale Überlegenheitsfantasien
> Autorität statt Kompromiss
> Rassismus und Exklusion waren strukturell eingebaut
> Große Teile der Bevölkerung fühlen sich ökonomisch abgehängt.

Trump ist nicht die Ursache – er ist das Symptom
Trump konnte nur so viel verändern, weil:
> soziale Ungleichheit extrem ist
> Bildungssystem versagt
> Medien fragmentiert sind
> politische Eliten Vertrauen verspielt haben
Er hat alles ausgereizt, was seiner Vorstellung von Politik nutze.

Fazit
Die US-Demokratie war stark im Mythos, aber schwach in der Absicherung. Trump zeigte, wie leicht die Demokratie von innen ausgehöhlt werden kann. Seine Vorstellung von Parteidisziplin wurde wichtiger als Verfassungstreue.
Kurz gesagt: Trumps radikale Vorstellungen sind für ihn wichtiger als Demokratie.
Man darf nur hoffen, dass er für seine undemokratische, chaotische Politik, bei den Zwischenwahlen (Midterms), von den USA-Wähler:innen abgestraft wird.

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Freitag, 30. Januar 2026
Freihandelsabkommen der Europäischen Union (EU)

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, ist mehr als Wirtschaftspolitik. Es ist der Beweis dafür, dass Europa souverän handeln kann – und will. Es reduziert gezielt Abhängigkeiten von den USA, dem bislang dominierenden Handelspartner, und sendet ein unmissverständliches Signal an Donald Trump: Europa ist kein Spielball.

Fazit
Dieses Abkommen - zwischen der EU und Indien - markiert einen historischen Schritt hin zu europäischer Selbstbehauptung und mehr Unabhängigkeit. Es ist ein tragfähiges Fundament, für wirtschaftliche, diplomatische und geopolitische Stärke Zusammenarbeit.
Auch das EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, zielt in diese Richtung. Gleiches gilt für die deutsch-chinesischen Beziehungen.

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Donnerstag, 29. Januar 2026
Angriff auf die Arbeitszeit

Das vom Bundeskabinett beschlossene Tourismus-Strategiepapier markiert einen gefährlichen Tabubruch: Unter dem Deckmantel der Flexibilisierung soll der 8-Stunden-Tag abgeschafft und durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden.
Man darf davon ausgehen, dass es nicht nur den Tourismus betrifft, sondern perspektivisch alle Wirtschaftsbereiche. Diese Zielsetzung wird durch die aktuelle Politik und die Arbeitgeberverbände vorgegeben und verfolgt.
Das ist ein Frontalangriff auf die Gesundheit von Millionen Beschäftigten. DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi bringt es auf den Punkt: Was die Bundeswirtschaftsministerin - Frau Reiche - hier mit ihrer Tourismusstrategie anschiebt, ist der erste Schritt zur Legalisierung ausbeuterischer Geschäftsmodelle in allen Branchen.
Menschen sind keine Maschinen! Wer das vergisst, hält das Arbeitszeitgesetz für Bürokratie. Dabei ist es ein Schutzgesetz – geboren aus Unfällen, Krankheiten und harten wissenschaftlichen Fakten. Es schützt vor Überlastung und vor dem Verschleiß von Menschen.
Dass dabei angeblich „Flexibilität fehlt“, ist ein Mythos: Bis zu 60 Stunden Arbeit pro Woche sind schon heute möglich. Wer damit keinen funktionierenden Arbeitsalltag organisieren kann, hat kein Zeitproblem – sondern ein Organisationsproblem.
Die Bundesregierung verkauft ihr Vorhaben als Gewinn. Doch die Realität sieht anders aus: Wer nach einem Zwölf-Stunden-Tag nach Hause kommt, hat keine Zeit mehr für Familie, Freunde sondern muss sich erholen. Das ist keine Vereinbarkeit – das ist Überlastung mit schönem Etikett.

Fazit
Die Konsequenzen wären dramatisch: Regelmäßige Zwölf-Stunden-Schichten im Paketdienst, keine verlässlichen Ruhezeiten im Hotel- und Gastgewerbe, systematische Überlastung statt familienfreundlicher Arbeitsbedingungen.
Für die Gewerkschaften ist die Aufweichung des Acht-Stunden-Tags inakzeptabel. Sie sollten nicht zulassen, dass die Gesundheit der Beschäftigten zur Verhandlungsmasse wird. Arbeitstage von über 12 Stunden bedeuten konkret: mehr unbezahlte Überstunden, noch mehr Überlastung, mehr Unfallrisiken, und als Folge: Erhöhung des Krankenstandes.
Die Bundesregierung muss die wirklichen Probleme angehen: zielgerichtete Investitionen, bezahlbare Energiepreise, Transformation und Digitalisierung, mehr Tarifbindung und eine gerechte Steuerpolitik. Nicht die Beschäftigten sind schuld an der Krise. Arbeitsrechte und Sozialstaat sind nicht die Ursache für wirtschaftliche Schwäche, sondern das Fundament einer gerechten und leistungsfähigen Gesellschaft.

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Dienstag, 27. Januar 2026
Trump und Europa

Kann man diesen Menschen noch ernst nehmen?
Das Problem ist: Wir müssen es. Die militärischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten der Europäischen Union (EU) von den USA, angefangen bei der Sicherheitsarchitektur, bis hin zu den zentralen IT-Plattformen, verschaffen Donald Trump gegenüber der EU den längeren Hebel, den er gnadenlos bedient.

America first,
ist kein Slogan, sondern ein Machtinstrument. Donald Trump ist dabei kein Betriebsunfall, kein historisches Missverständnis und kein vorübergehender Ausrutscher der Geschichte. Er ist das Ergebnis und zugleich der Verstärker seines Systems, das auf Abhängigkeiten setzt und politische Erpressung betreibt.
Aus diesem Grund ist Trump für die EU vor allem eines: Ein Stresstest, für deren Institutionen, die strategische Autonomie und die politische Geschlossenheit.
Wie bei jedem Stresstest zeigt sich dabei weniger die Stärke des Angreifers als die Schwäche des Systems, das unter Druck gerät: eine uneinige, zögerliche EU, die nur reagiert statt handelt. Genau deshalb muss die EU erwachsen werden – politisch, militärisch, wirtschaftlich und digital. Nicht aus Anti-Amerikanismus, sondern aus demokratischer Selbstachtung.

Erwachsenwerden heißt,
sich nicht nur auf einzelne Politiker:innen zu verlassen, Abhängigkeiten zu reduzieren, Konflikte auszuhalten, ohne sich selbst aufzugeben und nicht zu vergessen: einen Plan B bereithalten. Das ist anstrengend - die Alternative ist Anpassung – und damit schleichender Bedeutungsverlust.

Donald Trump,
ist nicht das Ende der transatlantischen Beziehung. Aber er ist das Ende der Illusion, die EU könne sich dauerhaft durch andere schützen lassen. Diese Schwäche der EU blieb und bleibt nicht folgenlos. Sie wirkt nach innen – und nach außen.
Er zeigt uns – mit seiner Vorgehensweise – auf, dass er Politik als Geschäftsmodell und Deals interpretiert und für seine persönlichen, politischen Vorstellungen ausnutzt:
> Sicherheit wird zur Verhandlungsmasse
> Zölle werden zu finanziellen Waffen
> Werte werden zur Kulisse
Seine Politik legt offen, was die EU sich lange schöngeredet hat:
> Wirtschaftliche Stärke - ersetzt keine politische Souveränität
> Transatlantische Partnerschaft - ist keine Garantie für Verlässlichkeit
> Multilaterale Regeln - gelten nicht für Alle, sondern nur zu Trumps Vorteilen

Nationale Sonderwege
Das größte Problem für die EU ist nicht Trumps Aggressivität, es ist die Versuchung, einzelner EU-Staaten, aus Angst vor Trumps Reaktionen, sich selbst zu verleugnen. 
Statt gemeinsamer Stärke, nationale Sonderwege. Leise Diplomatie statt klarer Sprache. Hoffnung auf „Aussitzen statt strategischer Vorbereitung“. Diese Haltung ist für die EU und die NATO, in der jetzigen Konstellation, kontraproduktiv und zerstörend.

Vorbildfunktion
Trumps Politik wirkt wie eine Blaupause, für autoritäre und nationalistische Bewegungen, weit über die USA hinaus. Sein Stil, seine Sprache und die systematische Missachtung von demokratischen Institutionen normalisieren ein Politikverständnis, in dem Macht über Recht steht. Das untergräbt Vertrauen in demokratische Verfahren und stärkt Parteien, die Europa schwächen oder spalten wollen.
Wer Trump lediglich als außenpolitisches Problem betrachtet, verkennt seine innenpolitische Wirkung auf europäische Gesellschaften. Seine Präsidentschaft verändert Diskurse, verschiebt die Grenzen des Sag- und Machbaren und liefert Rechtfertigungen für demokratiefeindliches Handeln – auch dort, wo er formal keine Macht hat.
Souveränität darf im Umgang mit Trump nicht nur ein Schlagwort sein. Deswegen ist sie oft unbequem aber notwendig. EU-Souveränität ist kein ideologisches Projekt und kein Ausdruck von Abschottung, Antiamerikanismus oder Militarisierung aus prinzipiellen Gründen. Sie ist eine Überlebensfrage. Sie bedeutet politische Geschlossenheit, sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit, wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit, und vor allem argumentative Klarheit innerhalb der EU. Denn wer nicht klar benennt, was geschieht, kann es auch nicht gestalten.

Fazit
Donald Trump zwingt die EU zu Entscheidungen, die viel zu lange vertagt wurden. Er führt den Europäern unmissverständlich vor Augen, dass sie nur dann handlungsfähig sind, wenn sie geschlossen auftreten und mit einer Stimme sprechen.
Das Chaos, das Trump angerichtet hat, war nicht nur ein Ausrutscher der Demokratie. Es war das Ergebnis kollektiven Wegsehens. Die Warnungen waren da, die Muster bekannt, die Konsequenzen vorhersehbar.
Überraschend war nicht das Ausmaß der Zerstörung – überraschend war nur, wie viele sie billigend in Kauf nahmen.
Populisten leben nicht von Ideen, sondern von Aufmerksamkeit. Sie benötigen keine Lösungen, sie benötigen nur digitale Bühnen. Und sie bekommen sie – von Medien, die Konflikt mit Relevanz verwechseln, und von Wählerinnen und Wählern, die Kränkung für Politik halten.
Wer solchen Figuren folgt, delegiert Verantwortung und nennt es Hoffnung. Man wählt den „starken Mann“ und ist dann empört, wenn er sich stark gegen alles verhält, was ihn begrenzen soll: Recht, Anstand, Wahrheit.
Demokratie scheitert nicht an ihren Feinden allein. Sie scheitert an denen, die glauben, sie müssten sie nicht aktiv verteidigen. An denen, die Charakter für Nebensache halten und sich dann wundern, wenn genau dieser Charakter das System zerlegt. Wer aus Trump nichts gelernt hat, wird den nächsten Populisten nicht erkennen. Oder schlimmer: wieder wählen.

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Sonntag, 25. Januar 2026
Fernseh-Übertragungskosten pro Minute

Die reinen durchschnittlichen Kosten für Vorbereitung und Übertragung eines Bundesliga-Spiels für einen Sender (ohne Lizenzrechte) lassen sich nicht öffentlich auf einen genauen Euro-Betrag herunterbrechen, weil Sender solche Kosten normalerweise nicht offenlegen. Man kann aber eine realistische Größenordnung aus Branchenzahlen und typischen Sport-Broadcast-Kosten ableiten:

Produktions- und Übertragungskosten pro Spiel (ohne Rechte)
Für die technische Live-Produktion eines Sportereignisses dieser Größe inklusive:
> Außenübertragungs-Regie mobile Produktionseinheiten
> Kamerateams (viele Kameras, Spezialkameras)
> Kommentatoren, Regie, Ton- und Technikpersonal
> Übertragungs-Signalweg (Satellit/Glasfaser/Streaming-Encoder)
> Grafik- und Einblendungssysteme liegen die Durchschnittskosten für Sportübertragungen im Linearen TV international in der Größenordnung von etwa 40 000 € bis 150 000 € pro Spiel – nur für die Live-Produktion.

Diese Zahl stammt aus internationalen Branchenangaben für Live-Sport (beispielsweise in den USA) und reflektiert typische Produktionsbudgets für Fußball- und andere Sportübertragungen. Konkrete, öffentlich zugängliche Zahlen speziell für die Bundesliga in Deutschland sind nicht offen ausgewiesen, aber diese Spanne gilt als realistische Größenordnung für hochwertige Mehrkameraproduktionen im Profisport.

Was beeinflusst diese Kosten?
Die Produktionskosten variieren stark nach:
  > Anzahl der Kameras (28 Kameras oder mehr sind bei Top-Sport üblich)
  > Technikniveau, z. B. HD vs. 4K/UHD
  > Broadcast-Personal vor Ort (Regie, Cut-Operatoren, Ton, Kamera)
  > Außenübertragungswagen oder Remote-Produktion
  > Signalverteilung (Satellit vs. Streaming vs. Kabel)
  > Spezielle Inhalte (Ball-Tracking, virtuelle Einblendungen, Multiview)
Je mehr Technik und Personal im Einsatz sind, desto teurer wird die Produktion – bei Welt- oder Champions-League-Produktionen können die Kosten pro Spiel sogar deutlich darüber liegen.

Beispiel-Rechnung (Annäherung)
Wenn man die typische Spanne von 40 000 € bis 150 000 € pro Spiel nimmt und sie auf 90 Minuten Spielzeit bezieht, ergibt das:
450 € bis 1 667 € pro Minute Live-Produktion
Das wäre also die Größenordnung für:
✔ Vorbereitung (Setting, Technik-Checks)
✔ Live-Regie und Kameraarbeit
✔ Technik-Übertragung ins Studio/Netz

Lizenzrechte-Kosten
kommen noch oben drauf, sind aber separat und liegen bei der Bundesliga im hohen siebenstelligen Bereich pro Spiel für Sender..

Wichtig zu verstehen
> Diese Zahlen sind Durchschnittsschätzungen und Branchen-richtwerte, keine offiziell veröffentlichte „offizielle Bundesliga-Kostenanalyse“.
 > Sender wie Sky, DAZN, Sat.1 oder öffentlich-rechtliche Anbieter haben je nach Produktionsmodell und Vertragslage unterschiedliche Kostenstrukturen.
 > Die größten Kostenblöcke für einen Sender sind rechtebezogene Zahlungen (z. B. Lizenzgebühren an die DFL), technische Produktion und Vertrieb/Netzwerk/Streaming-Infrastruktur
> Sky zahlt laut aktueller Analyse im Schnitt rund 17 000 € pro Minute nur für die Lizenzrechte, um Bundesliga-Spiele live zu zeigen.

Warum diese summe entstanden ist
  > Sky zahlt für eine Rechteperiode laut der Berechnung insgesamt rund 876 Millionen € pro Saison an Lizenzkosten.
  > Bei 572 Spielen pro Saison sind das etwa 1,53 Millionen € pro Spiel.
  > Teilt man das durch etwa 90 Minuten pro Spiel, kommt man auf ~17 000 € pro Minute nur für die Übertragungsrechte.

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Mittwoch, 21. Januar 2026
Telefonische Krankschreibung

Behauptung der Politik und Arbeitgeberseite
Der Krankenstand in Deutschland hängt mit der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Tele-AU) zusammen. Das behaupten Bundeskanzler Friedrich Merz und die Arbeitgeberseite. Anscheinend benötigt unser Bundeskanzler einen Nebenkriegsschauplatz, um - analog Donald Trump - mit Fakenews, von seinen nicht eingehaltenen Versprechungen abzulenken.
Herr Merz soll seine Arbeit als Bundeskanzler verrichten, anstatt solch haltlosen Quatsch der Arbeitgeberseite zu verbreiten. Das zeigen die u.a. Fakten deutlich auf.

Fakt ist
Für die Behauptung des Kanzlers und der Arbeitgeberseite gibt es keinerlei empirische Grundlagen. Die Tele-AU ist nicht das Problem der Krankschreibungen. Warum?

1. Laut Zentralinstitut machen für die kassenärztliche Versorgung die Tele-AU max. 1,2 Prozent aller AU-Fälle aus.
Selbst bei Atemwegserkrankungen, dem häufigsten Krankheitsgrund, liegt der Anteil deutlich unter zwei Prozent.

2. Kein Nachweis für Missbrauch
Krankenkassen, wie die Barmer und der ärztliche Verband kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis.
Es gibt keinen Hinweis auf systematischen Missbrauch der Tele-AU. Sie sind zeitlich begrenzt (maximal fünf Tage) und nicht verlängerbar. Nur für bekannte Patientinnen und Patienten ist die Tele-AU möglich.
Die Regelung ist eng gefasst und missbrauchsarm – das bestätigen alle verfügbaren Daten. Auch die Hausärzte warnen vor einer Abschaffung der Tele-AU.

3. Der Anstieg der Krankentage hat andere Hauptursachen.
Über 40 Prozent der Fehlzeiten entstehen durch Langzeiterkrankungen (mehr als sechs Wochen) Besonders stark steigen: psychische Erkrankungen (z. B. Depressionen, Erschöpfung), Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Kurze Krankmeldungen – egal ob telefonisch oder nicht – haben auf diese Statistik kaum Einfluss.

4. Der „sprunghafte Anstieg“ ist zum Teil ein Statistik-Effekt.
Seit Einführung der Tele-AU werden Krankmeldungen vollständig erfasst. Früher gingen viele Papierbescheinigungen nie bei den Krankenkassen ein – besonders in den ersten sechs Wochen, in denen der Arbeitgeber zahlt. Folgerung:
Ein Teil des Anstiegs ist keine reale Zunahme von Krankheit, sondern bessere Erfassung.

5. Die Debatte lenkt (bewusst?) vom Kernproblem ab.
Arbeitsverdichtung, Personalmangel, Unsicherheit, Dauerstress und mangelnde Prävention bleiben politisch oft unbehandelt. Stattdessen wird Verantwortung individualisiert: Nicht die Arbeitsbedingungen, sondern die Beschäftigten geraten unter Verdacht.
Die Diskussion über die Tele-AU ist keine Problemlösung, sondern eine Ablenkung.

Fazit
Ein Instrument, das in über 98 Prozent der Fälle keine Rolle spielt, kann den Gesamtkrankenstand nicht signifikant beeinflussen.
Der hohe Krankenstand in Deutschland ist kein Beweis für Missbrauch, sondern ein Hinweis auf:
> steigende psychische Belastungen,
> strukturelle Defizite in der Arbeitswelt,
> und eine realistischere statistische Abbildung von Krankheit.
Wer ernsthaft etwas ändern will, muss über Arbeit, Gesundheit und Prävention reden – nicht über ein Instrument, das statistisch kaum ins Gewicht fällt.
Friedrich Merz scheitert nicht an der Tele-AU. Er scheitert an der Realität. Wer als Bundeskanzler den Krankenstand mit unbelegten Behauptungen erklärt, betreibt keine Politik, sondern Stimmungsmache. Wer Beschäftigte unter Generalverdacht stellt, um eigene Konzeptlosigkeit zu kaschieren, missbraucht sein Amt. Und wer Narrative der Arbeitgeberseite nachplappert, statt faktenbasiert zu regieren, hat den Anspruch auf politische Seriosität verwirkt.
Das ist kein Ausrutscher. Das ist ein politisches Muster. Probleme werden nicht gelöst, sondern umgedeutet. Verantwortung wird nicht übernommen, sondern nach unten delegiert. Und soziale Sicherheit wird nicht als Stabilitätsfaktor verstanden, sondern als Störfaktor markiert. Genau so beginnt der schleichende Abbau von Vertrauen in Staat und Demokratie.
Nicht die Tele-AU beschädigt dieses Land. Beschädigend ist eine Politik, die Misstrauen sät, um Handlungsunfähigkeit zu verdecken. Ein Bundeskanzler, der so agiert, führt nicht. Er weicht aus. Er polarisiert. Und er verspielt Vertrauen. Das ist der eigentliche Skandal.

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Samstag, 17. Januar 2026
Quartier St.Pauli

Zwischen Weltoffenheit, Glanz und Verdrängung
St.Pauli war schon immer ein multikulturelles Wohnviertel. Die Nähe zum Hafen – als Tor zur Welt – und der Kontakt zu Seeleuten und Menschen aller Nationen und Hautfarben, trugen zur Unvoreingenommenheit und Toleranz der St.Paulianer:innen bei.
Nach 1945 war St. Pauli ein Viertel der Trümmer und des Neuanfangs. Der Hamburger Hafen, mit seinen vielen unterschiedlichen Arbeitsmöglichkeiten, bot vielen St. Paulianer:innen die Möglichkeit zum Neubeginn, um ihr Viertel wieder als urbanes Zuhause aufzubauen. Dazu gehörte auch eine Infrastruktur von kleinen Geschäften, wo man alles einkaufen konnte, was zum täglichen Leben benötigt wurde.
Weltoffen war St. Pauli schon immer. Es existierte hier schon früh ein kleines Chinatown, mit chinesischer Gastronomie, die uns der fremden Kultur, den Menschen, dem chinesischen Alltag und ihrer Küche näherbrachte. Das Gleiche gilt für das angrenzende Schanzenviertel, mit seinen überwiegend türkischen und damals - jugoslawischen Gastarbeitern. Auch deren Kinder, die in unseren Schulklassen integriert wurden, trugen zum multikulturellen Leben und Verständnis fremder Kulturen auf St. Pauli bei und gehörten zum Freundeskreis.
In den 1960er-Jahren kehrten Flair und Vergnügen auf den Kiez zurück. Revuetheater, Tanzcafés und Musikclubs erlebten eine Renaissance, die Reeperbahn und die Große Freiheit wurden zur Partymeile. Britische Bands traten in den Clubs (Indra, Starclub, Kaiserkeller, Top Ten) auf. Auch die Beatles, lange bevor sie Weltstars wurden.
Doch hinter dem Glanz etablierte sich eine andere Ordnung: St. Pauli wurde zum Machtgebiet wechselnder Zuhälterbanden. In den 1970er-Jahren dominierte Wilfried „Frida“ Schulz den Kiez. Als selbst ernannter „Pate von St. Pauli“ regelte er Konflikte auf seine Art. Staatliche Autorität war hier zweitrangig – Schulz fungierte als informeller Regent des Rotlichtviertels.
Ende der 1970er-Jahre übernahmen jüngere Gruppierungen das Geschäft: die „GmbH und die Nutella-Bande“. Die als „Luden oder Loddel“ bekannten Zuhälter bauten Bordellimperien auf und inszenierten ihren Reichtum demonstrativ. Maßanzüge, Champagner und Luxusautos gehörten ebenso zum Straßenbild wie Gewalt und Einschüchterung.
In den 1980er-Jahren radikalisierte sich das Viertel politisch und sozial. Autonome besetzten Häuser in der Hafenstraße, die Rote Flora am Schulterblatt, wurde zum Symbol des Widerstands. Gleichzeitig nahm der Drogenhandel zu, Kokain forderte unter den Kiezgrößen seinen Tribut.
In dieser Zeit arbeitete auch die Prostituierte Domenica auf St. Pauli. Mit medialer Präsenz und klaren Forderungen nach der Legalisierung ihres Berufs wurde sie zur bekanntesten Prostituierten Deutschlands – und zur Ausnahmeerscheinung in einer ansonsten männlich dominierten Öffentlichkeit.

Fazit
Bis in die 1970er-Jahre hinein galt St. Pauli als armes, aber solidarisches Arbeiterviertel. Hafenarbeit, prekäres Gewerbe und eine dichte Nachbarschaft prägten den Stadtteil – ebenso wie eine ausgeprägt linke politische Kultur. Daran hat sich bis heute wenig geändert: Über 30 Prozent der Bewohner:innen wählen „Die Linke“, während die AfD mit unter fünf Prozent politisch kaum Fuß fasst.
Ökonomisch jedoch ist St. Pauli kaum wiederzuerkennen. Seit Jahren steigen die Mieten im begehrten innerstädtischen Quartier rasant. Investoren entdecken den „Kiez“, während Sozialbindungen auslaufen und Wohnraum zur Ware wird.
St. Pauli bleibt Amüsierviertel und Marke – doch die Menschen, die seinen Ruf, seine Konflikte und seine Solidarität über Jahrzehnte geprägt haben, können es sich immer seltener leisten, hier zu leben. Gentrifizierung trifft hier ausgerechnet ein Viertel, das sich politisch gegen genau diese Entwicklung stellt.
St. Pauli steht wie kaum ein anderer Stadtteil für Widerspruch. Über Jahrzehnte war der Kiez ein armes, solidarisches Arbeiterviertel, geprägt von Hafenarbeit, prekären Jobs und einer ausgeprägt linken politischen Kultur. Daran hat sich bis heute wenig geändert: Noch immer wählen über 30 Prozent der Bewohner:innen „Die Linke“, während die AfD mit unter fünf Prozent politisch bedeutungslos bleibt.
Und doch ist St. Pauli heute ein anderes Viertel. Die Mieten im begehrten innerstädtischen Quartier steigen seit Jahren rasant, Investoren entdecken den Kiez als Marke, während Sozialwohnungen verschwinden und Nachbarschaften zerbrechen.
St. Pauli bleibt Amüsierviertel und Symbol – aber immer weniger ein Ort für jene Menschen, die seine Geschichte, seine Kämpfe und seine Solidarität geprägt haben. Dieser Widerspruch zwischen linker Identität und kapitalistischer Verdrängung ist kein Zufall, sondern politisch gemacht

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Demokratien sterben nicht plötzlich

Rechtsstaaten verschwinden nicht über Nacht. Sie werden ausgehöhlt – schrittweise, legal, oft mit parlamentarischen Mehrheiten. Auch die Weimarer Republik zerbrach nicht an einem Putsch, sondern an der Normalisierung autoritärer Denkweisen, an der Verharmlosung radikaler Akteure und an der Illusion, man könne sie „einbinden“ oder „entzaubern“. Wer die AfD als gewöhnliche Protestpartei betrachtet, ignoriert diese historische Erfahrung ebenso wie internationale Parallelen – von Ungarn, Slowakei und Polen über Italien bis in die USA. Die Verteidigung der Demokratie beginnt deshalb nicht erst beim Parteiverbot, sondern beim klaren Benennen und Aufzeigen antidemokratischer Ideologien.
Die AfD wird nicht gewählt, weil die Menschen Hitler vergessen hätten, sondern weil viele nicht erkennen, dass dieselben Denkweisen zurückkehren – in neuer Sprache, moderner Verpackung und angepasst an den medialen Zeitgeist: Ausgrenzung, Autoritarismus, Verachtung der offenen Gesellschaft.
Heute wiederholt sich ein bekanntes Muster. Wer „aus Protest“ wählt, stärkt Akteure, die nicht reformieren, sondern das System selbst infrage stellen. Autoritäre Systeme entstehen im 21. Jahrhundert nicht durch Panzer vor Parlamenten, sondern durch systematische Delegitimierung:
Gerichte werden als „politisch“ diffamiert, Medien als „Systempresse“ verächtlich gemacht, Wissenschaft als ideologisch denunziert. Genau dieses Muster ist in Deutschland längst sichtbar – besonders im politischen Umfeld der AfD.
Die AfD stellt den Rechtsstaat nicht offen infrage, sie zersetzt ihn rhetorisch. Sie erklärt unabhängige Medien zu Feinden, spricht Parlamenten die Legitimität ab, relativiert politische Gewalt und bedient konsequent das Narrativ einer angeblich korrupten Elite. Das ist kein Protest – das ist Strategie. Wer Institutionen dauerhaft verächtlich macht, bereitet ihre Abschaffung vor.
Hinzu kommen offene Sympathien für autoritäre Regime, insbesondere für Russland, sowie die systematische Verharmlosung von Putins Kriegspolitik. Wer nach innen den Rechtsstaat schwächt und nach außen Autokraten hofiert, arbeitet nicht an demokratischer Reform, sondern an Machtverschiebung.

Fazit
Demokratien sterben in Etappen: Zuerst wird Misstrauen gesät, dann Resignation erzeugt, schließlich Zustimmung erzwungen. Russland zeigt, wohin dieser Weg führt. Die USA zeigen, wie schnell er beschritten werden kann. Die Geschwindigkeit, mit der Donald Trump – erneut gewählt – Gewaltenteilung, Pressefreiheit und Rechtsstaat unter Druck setzt, sollte auch in Deutschland als Warnung verstanden werden.
Besonders alarmierend ist deshalb, dass es innerhalb der CDU, vor allem in Ostdeutschland, Stimmen gibt, die eine Zusammenarbeit mit der AfD zumindest erwägen. Wer glaubt, autoritäre Kräfte kontrollieren oder „einhegen“ zu können, wiederholt einen historischen Irrtum – mit absehbaren Folgen.
Deutschland ist noch ein Rechtsstaat. Aber er ist nicht unverwundbar. Wer die AfD für eine normale Protestpartei hält, ignoriert historische und internationale Parallelen. Die Verteidigung der Demokratie beginnt nicht beim Verbot, sondern beim klaren Benennen dessen, was auf dem Spiel steht.
Wenn Erinnerung nicht wachhält, sondern bloß Geschichte wird, verkommt „Nie wieder Nazis“ zur Floskel.
Demokratie lebt nicht von Symbolen, sondern von Bildung, sozialer Sicherheit und echter Beteiligung. Das ist die Lehre, die wir neu lernen müssen – bevor es wieder zu spät ist

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